Germany

Münster: Angriff auf CSD-Demonstration – Verdächtiger in Untersuchungshaft

Gewalt des Weltgeschehens gegen einen Transmann

Tödlicher Anschlag bei CSD-Demonstration in Münster – Verdächtiger in Untersuchungshaft

Stand: 13:49 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Ein 20-jähriger Tatverdächtiger aus Münster wurde festgenommen

Eine Woche nach dem tödlichen Angriff auf einen 25-jährigen Mann bei einem Treffen des Christopher Street Day in Münster wird entschieden, ob der Verdächtige in Untersuchungshaft genommen werden soll. Heute steht der 20-Jährige vor einem Haftrichter.

Hier können Sie sich unsere WELT-Podcasts anhören

Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung zur Übermittlung und Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich, da Anbieter von eingebetteten Inhalten wie Drittanbieter diese Zustimmung benötigen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Durch Einschalten des Schalters erklären Sie sich damit einverstanden (jederzeit widerrufbar). Dies umfasst auch Ihre Zustimmung zur Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten an Dritte, einschließlich der USA, gemäß Artikel 49 (1) (a) der DSGVO. Hier finden Sie weitere Informationen dazu. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit über den Schalter und über den Datenschutz unten auf der Seite widerrufen.

Er kam anderen CSD-Teilnehmern zu Hilfe und bezahlte dafür mit seinem Leben: Ein 25-jähriger Transmann, der am 27. August am Rande des Christopher Street Day in Münster geschlagen wurde, ist bereits an seinen Verletzungen gestorben. Der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.

Gewalttaten sind seit Tagen ein Thema in den sozialen Medien. Nun ist die traurige Gewissheit da: Das Opfer – ein 25-jähriger Transmann – hat den Angriff auf ihn am Rande des Christopher Street Day in Münster nicht überlebt.

Die Polizei nahm am Freitag einen 20-jährigen Verdächtigen fest, und am Samstag ordnete ein Richter an, dass er in Haft bleibt. Bislang habe er sich zu dem Vorwurf nicht geäußert, sagte Generalstaatsanwalt Dirk Olech. Die Staatsanwaltschaft will einen Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todesfolge beantragen.

Bei der Auswertung von Zeugen sowie Fotos und Videomaterial fanden die Ermittler Fotos des mutmaßlichen Täters und suchten nach ihm. Ein Ermittler hat den 20-Jährigen dann am Freitag am Münsteraner Hauptbahnhof erkannt und festgenommen.

Laut Polizeibericht wurde das Opfer – laut „taz“ heißt er Malte C. – niedergeschlagen, offenbar beim Versuch, andere Teilnehmer vor homophoben Beleidigungen zu schützen.

auch lesen

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte der Verdächtige bei der Sitzung des Zentralen Strafgerichtshofs am 27. Der 25-Jährige habe die Situation bemerkt und den Mann gebeten, von Beleidigungen abzusehen, hieß es in der Mitteilung. Aber er schlug plötzlich, mindestens einmal.

auch lesen

Der 25-Jährige sei zu Boden gestürzt und dabei leider mit dem Kopf auf dem Asphalt aufgeschlagen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, später in ein künstliches Koma versetzt und starb am frühen Freitagmorgen. Am Montag wird die Leiche obduziert.

Bundesinnenministerin Nancy Feiser (SPD) zeigte sich entsetzt über den Tod der 25-Jährigen. Sie twitterte: „Ein junger Mann wird zu Tode geprügelt, weil er anderen helfen wollte. Beim #CSD. In der Mitte von Deutschland. Im Jahr 2022. Das macht mich fassungslos und unendlich traurig. „Solcher hasserfüllter Gewalt müssen wir mit aller Härte entgegentreten.

Der Fall sorgt bundesweit für Besorgnis

Rund 6500 Menschen versammelten sich nach Angaben der Polizei am Freitagabend in Münster zu einer Kundgebung gegen Gewalt gegen queere Menschen. Mit einer Schweigeminute gedachten sie der Toten.

Der Fall sorgte bundesweit für Aufregung. Viele Internetnutzer aus der LGTBTQ-Szene posteten Artikel und Kommentare dazu, zum Beispiel auf Twitter, und der Fall wurde immer wieder als offen homophobes Hassverbrechen bezeichnet. „Queere und transphobe Gewalt kann tödlich sein. Stell dich wenn möglich dagegen“, schrieb die Aktivistin Jorinde Wiese.

Auch die Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, drückte ihre Bestürzung aus, nachdem die Nachricht von seinem Tod bekannt wurde. „Meine Gedanken sind bei der Familie und den Freunden des Verstorbenen. Und an alle Verrückten da draußen, die sich unsicher und bedroht fühlen, wenn sie Nachrichten wie diese lesen. Es tut mir so leid”, twitterte sie.

Nennen Sie Hassverbrechen als solche

In einer Stellungnahme kritisierte der Deutsche Lesben- und Schwulenverband indirekt die Kommunikation der Behörden. „Wir fordern die Ermittlungsbehörden auf, diese Tat unverzüglich als Anti-LGBTI-Hassverbrechen zu benennen und einzustufen“, heißt es in der Erklärung.

Auslöser des Angriffs waren nicht die “Versöhnungsbemühungen” des jungen Mannes, wie es in der gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft Münster heißt, sondern, ich zitiere, “die zutiefst unmenschliche Behandlung der Täter”. Das Gesetz in Münster zeigt einmal mehr die Notwendigkeit von Aktionsplänen gegen Trans- und Homophobie.

auch lesen

Berichten zufolge handelte es sich bei dem Opfer um einen Transmann, auch die „taz“ bezeichnete den 25-Jährigen in seinem Bericht als solchen. Diese Information wurde auch von der Gruppe „Trans-Inter Münster“ auf ihrer Facebook-Seite bestätigt. Malte S. besuchte deshalb regelmäßig eine Selbsthilfegruppe des Vereins.