Stand: 22.08.2022 17:35
Der Vorstand des rbb entließ den angeklagten Geschäftsführer des rbb Schlesinger fristlos. Sie erhält keine Abfindungen oder Ruhegelder. Darüber hinaus befürwortete der Ausschuss, dass sie durch einen Interimsdirektor ersetzt wird.
Nach der Vertragsauflösung von Intendantin im Ruhestand Patricia Schlesinger hat der Vorstand des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) ihre fristlose Kündigung angekündigt. Das teilte die amtierende Vorstandsvorsitzende des Fernsehbetreibers ARD Doret König nach einer Vorstandssitzung mit.
Schlesinger erhält auch keine Zuwendungen oder Pensionszahlungen. Die Entscheidung sei mit Stimmenmehrheit gefallen, so Koenig weiter. Das Vertrauen zwischen Schlesinger und dem Sender ist schwer beschädigt.
Anke Hahn, RBB, zur fristlosen Kündigung des ehemaligen RBB-Geschäftsführers Schlesinger
Tagesau 17:00, 22.08.2022
Er muss zunächst die Funktion des Interimsdirektors übernehmen
Der Vorstand gab außerdem die Ernennung eines Interimsdirektors bekannt. Laut rbb führt derzeit der krankgeschriebene Geschäftsführer Hagen Brandstetter den Betrieb, der auch für seinen Umgang mit der Krise um Vetternwirtschaftsvorwürfe gegen Schlesinger in die Kritik geraten ist. Um einen geordneten Übergang zu gewährleisten, wolle sich der Sender auch Unterstützung von außen holen, sagte Koenig.
Der derzeitige rbb-Vorstandsvorsitzende Koenig sieht das Vertrauen weitgehend zerstört. Bild: dpa
Wegen mehrfacher Vorwürfe zurückgetreten
Vor einer Woche wurde Schlesinger vom Radio- und Fernsehrat, dem zweiten Kontrollgremium, abberufen. Der 61-Jährige wird seit Ende Juni mehrfach wegen Straftaten und Vetternwirtschaft angeklagt. Sie ist seit Anfang des Jahres Vorsitzende der ARD und seit 2016 Intendantin des rbb. Beide Ämter legte sie nieder.
Im Zentrum des Skandals steht der abberufene Intendant und zurückgetretene rbb-Vorstandsvorsitzende Wolf-Dieter Wolf. Beide haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Unter anderem geht es um umstrittene Beraterverträge für ein Bauprojekt des RBB, um Vereinbarungen zwischen den beiden über Gehalt und Prämien für Schlesinger. Und für die Arbeit von Ehemann und Ex-Spiegel-Journalist Gerhard Spörl auf dem Berliner Messegelände – wo Wolff bis vor Kurzem auch Chefinspektor war.
Gegen alle drei ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen Vertrauensmissbrauchs und Vorteilsannahme. Das ist die Unschuldsvermutung. Auch eine externe Prüfung einer Anwaltskanzlei ist im Gange. Noch keine Ergebnisse verfügbar.
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