Bis zur 69. Minute des sechsten und letzten Spieltags in der Gruppe A1 blieben die Hoffnungen der Österreicher auf den Verbleib in der Königsklasse der Nations League am Leben. Bis dahin stand es nach einem spannenden Start 1:1 dank Luka Modric (6. Minute) und Christoph Baumgartner (9.). Doch dann führte Marco Livaya den Vizeweltmeister auf den Weg zum Sieg. Dejan Lovren traf die Entscheidung weniger als drei Minuten später zur Freude von mehr als 20.000 kroatischen Fans unter den offiziellen 45.700 Zuschauern.
Der 3:1-Endstand wurde dem, was in den 60 Minuten zwischen dem Ausgleich und der erneuten Führung der Kroaten passierte, jedoch nicht gerecht. Denn die Österreicher waren einem zweiten Tor deutlich näher als die Gäste. Baumgartner und Marko Arnautovic, der mit 104 Länderspielen nun alleiniger Rekordhalter vor Andreas Herzog (103) ist, zeichneten die vielzitierten Spieler der Königsklasse aus. Die Kroaten schnitten besser ab, holten sich als Gruppensieger das Ticket für das Final Four und schickten die Österreicher in die Gruppe B.
Lovren trifft die Entscheidung
Dejan Lovren sicherte Kroatien im Ernst-Happel-Stadion einen 3:1-Sieg
„Abgesehen von den ersten Minuten, in denen wir ein kleines Problem hatten und in Rückstand geraten sind, waren wir ab dem Ausgleich richtig gut“, analysierte Teammanager Rangnick. Sein Kapitän David Alaba sah das ähnlich: „Wenn man sich die erste Halbzeit anschaut, haben wir das sehr gut gemacht und alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben.“ Doch aus österreichischer Sicht seien in entscheidenden Momenten die falschen Entscheidungen gefallen: Hinten und auf der Bank.
Falscher Winkel am Ende
Ausgerechnet Torschütze Baumgartner beging die Fehlentscheidung. Der Hoffenheimer Nationalspieler, der unter Rangnick erst zum zweiten Mal in sechs Spielen nominiert wurde, kämpfte in der 23. Minute mit einer Riesenchance. Der Ball flog nur wenige Zentimeter am langen Eck vorbei. „Ich hätte aus der kurzen Ecke schießen sollen, die mir der Torhüter angeboten hat“, wünschte sich der 23-Jährige mit einer Zeitmaschine an diesen Moment zurück.
Baumgartner vergibt knapp
Nach guter Kombination schoss Baumgartner über Arnautovic und Gregoric nur knapp am langen Pfosten vorbei
Auch bei der Riesenchance von Arnautovic kurz vor der Pause, als Torhüter Dominik Livakovic eine Glanzparade ablieferte, hätte der offensiv unterlegene Torschütze laut Baumgartner “in eine noch bessere Endposition” gebracht werden müssen. Dass diese hochkarätigen Spieler ungenutzt blieben, werde am Ende zum Stolperstein, sagte der Niederösterreicher. Teamchef Rangnick stimmte zu: „Das kann man auch und muss man auf diesem Niveau machen, wenn man solche Spiele gewinnen will.“
Rangnick geht zu früh All-in
Der Deutsche verpflichtete auch, dass die Kroaten das alte Fußball-Sprichwort „Wer keine Tore schießt, bekommt man“ anwenden konnten. Denn mit seinem dreifachen Wechsel nach rund 60 Minuten zerstörte Rangnick am Ende das bis dahin gut funktionierende Gefüge mehr, als dass er frischen Wind brachte. “Vielleicht sind wir mit diesen Änderungen etwas zu früh All-in gegangen.” Im Nachhinein – hinterher ist man immer schlauer – würde ich das nicht noch einmal machen“, gab Rangnick zu.
APA/Eva Manhart Der Wechsel nach etwas mehr als einer Stunde wurde zum Eigentor der Teamchefin
Die Wechsel seien aber nötig gewesen, so der 64-Jährige: „Trimmy (Christopher Trimmel, Anm.) konnte nicht mehr und musste gehen, Poskey (Stefan Posch, Anm.) hatte eine Gelbe. Deshalb war für mich klar, dass wir diese beiden Positionen verändern werden.” Doch mit der Einwechslung von Posh löste der Teamchef die bis dahin gut funktionierende Dreierkette mit Posh rechts, Kevin Danso in der Mitte und Alaba links auf.
Blackout-Schutz
Auch die neu formierte Abwehr traf im entscheidenden Moment denkbar schlechte Entscheidungen. Denn sowohl das zweite als auch das dritte kroatische Tor gerieten am „zweiten Balken“ in Vergessenheit. Beim 2:1 von Livaya passte der für Posh eingewechselte Maximilian Weber nicht auf und fand auch in dieser Situation keine Unterstützung im Torwart Heinz Lindner. Lovren stand alleine auf dem Platz und hatte laut Lindner „ein paar Meter Platz, um sich auf einen Kopfball vorzubereiten“.
1:2 von Marko Livaya
Nach einer präzisen Hereingabe war der eingewechselte Marco Livaya zur Stelle
Der fast deckungsgleiche Fehler innerhalb von Minuten wurde vom Vizeweltmeister gebührend bestraft und brach den Österreichern schließlich das sprichwörtliche Genick. „Die Mannschaften, gegen die wir in dieser Gruppe gespielt haben, sind eiskalt“, resümierte Baumgartner mit einem Anflug von Neid die wichtigste Erkenntnis aus dem Gruppenfinale.
Die nächste Verbesserungsmöglichkeit besteht beim nächsten Teammeeting im November. Anschließend folgt ein Trainingslager in Spanien in Malaga am 16. November gegen Andorra, bevor am 20. November als Alternative zum WM-Auftakt in Katar ein Testspiel gegen Europameister Italien im Ernst-Happel-Stadion ansteht.
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