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Necken, abschalten, Weltklasse in Frankfurt

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Erstellt: 08.08.2022 04:51

Von: Alexander Kindl

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Leroy Sané tut sich beim FC Bayern München weiter schwer. Gegen Eintracht Frankfurt zeigte er seine Klasse – und seine Fehler.

Frankfurt – was für eine Gala! Der FC Bayern München besiegte beim Bundesliga-Auftakt auswärts Eintracht Frankfurt mit 6:1. Der deutsche Serienmeister hatte keine Probleme mit dem Europa-League-Sieger und wies den Weg zu einem vernichtenden Sieg im Hinspiel. Diese Gier der Bayern, der Hunger, es allen zu zeigen – das ist fast schon unheimlich für die Liga. Und auch die internationale Presse feierte das Team aus München für sein Traumdebüt.

Im Mittelpunkt der Lobeshymnen natürlich Jamal Musiala. Das Schmuckstück des FCB sorgt derzeit bei Fans und Experten für Euphorie, wie es sie im deutschen Fußball schon lange nicht mehr gegeben hat. Seine Bewegungen, seine Dribblings, sein Mut zu unkonventionellen Entscheidungen – so einen Spieler hat man in München schon lange nicht mehr gesehen. Vor allem nicht mit 19. Musiala traf gegen Frankfurt zweimal und festigte erneut seinen Anspruch auf die Startelf.

FC Bayern München: Musiala überragend, Sane nur Joker

Leroy Sané ist ein Mann, der in diesem Alter ähnlich stürmisch gefeiert wurde. Jetzt, sieben Jahre später, kann er seine Rolle als Joker nicht mehr überwinden. Musiala liegt derzeit vor Sane und angesichts der starken Leistungen des Youngsters ist Trainer Julian Nagelsmann fast gezwungen, ihn zu verpflichten. Für den 26-Jährigen bleibt nur die Bank. Das Offensivproblem der Bayern wird noch komplizierter, da Kingsley Coman nach seinem Ausfall in der vergangenen Saison wieder spielberechtigt ist. Wer kann dann gehen? Nach seiner tollen Leistung dürfte Musiala am wenigsten Angst haben, seinen Stammplatz zu verlieren.

Und was kommt als nächstes für Sane? Aktuell wird in England darüber berichtet, dass Manchester United den Bayern ein Angebot unterbreitet haben soll. Auch Arsenal soll Interesse haben. Die Münchener Bosse werden ihren einstigen Wunschtransfer wohl noch in diesem Sommer nicht veröffentlichen, aber: Natürlich erwartet man mehr.

Necken, abschalten, Weltklasse: Drei Szenen in Frankfurt zeigen das Sane-Dilemma beim FC Bayern

Der Ex-Schalker wurde zum Saisonstart nach 65 Minuten eingewechselt. Drei Szenen stachen besonders heraus.

Beginnen wir mit dem Erfreulichsten aus Sanes Sicht: dem Assist in der 83. Minute. Die Nationalelf fand die Lücke von Musiala mit einem wunderbaren direkten Ball vor die Füße der Frankfurter Abwehr, die gekonnt zum 6:1 durchbrach. Ein außergewöhnlicher Pass, der einmal mehr zeigt: Sane hat Weltklasse-Potenzial. Sam: Er ruft es zu selten aus.

Zeigt seine Weltklasse nicht konsequent genug: Bayern-Star Leroy Sané. © Eibner / Imago

Warum so? Oft auf der zweiten und dritten Stufe.

Kurz vor dem Tor (82. Minute) leitete Sane eine aussichtsreiche Situation ein. Nach einem schönen Dribbling ging er in die Tiefe und wäre froh gewesen, wenn der Ball von Ryan Gravenberch zu ihm gepasst hätte. Er tauchte dann alleine im Strafraum vor Eintracht-Torhüter Kevin Trapp auf – eine Riesenchance, die er mit dem Fehlpass vergab. Denn Rookie Gravenberch entschied sich für einen Schuss aus 18 Metern, der abgeblockt wurde. Dann wurde Sane richtig wütend, breitete die Arme aus, stoppte seinen Sprint, blickte in den Himmel und achtete nicht mehr darauf, was hinter ihm passierte.

Der Ball prallte von Nusair Mazraoui ab, der ebenfalls einen Distanzschuss versuchte. Der Ball flog weit über ihn hinweg, Sane bemerkte es gar nicht mehr.

Sane verlässt die Szene, Musiala bleibt in der Situation

Im Gegensatz dazu: Musiala. Auch im Strafraum stand er völlig frei und hätte Gravenberch den Ball abnehmen können. Er breitete auch die Arme aus und winkte, als der Pass nicht kam. Der Unterschied: Musiala blieb im Geschehen, schaltete nicht ab, stellte sich weiter dem Spiel. Eine symbolische Szene?

Necken und ausgrenzen: Zwei Vorwürfe, die sich Sané zweifelsohne gefallen lassen muss. Die Frustration misslungener Situationen zeigt sich oft in seinem Spiel. Unzählige Male hat er bewiesen, wie gut er sein kann. Was er in seiner Zeit in München gelernt hat, zeigte sich auch in Frankfurt: Der ehemalige Manchester-City-Star hat im Spiel gegen den Ball eine unglaubliche Sprintintensität entwickelt und jagt nun Gegner über das halbe Feld.

Sane sprintet in die Mitte des Spielfelds, gewinnt den Ball und versucht dann, ein Foul zu machen

Diese Qualität führt uns direkt zur dritten Szene, in der Sanes Licht und Schatten sofort erkannt werden.

Die Rekordtorschützen des FC Bayern München

Siehe Fotogalerie

Die Bayern gingen in der 66. Minute direkt nach der Einwechslung von Sane in Führung. Der Offensivspieler steht etwa 35 Meter im Zentrum des gegnerischen Tores, als Musiala auf der rechten Seite den Ball verliert und die Eintracht kontert. Sane erkannte die Situation, sprintete zurück und erwischte Randal Kolo-Muani in der eigenen Strafraumecke.

Sané hält seinen Körper zwischen Ball und Gegner, die Szene sieht klar aus. Doch Kolo-Muany zieht den Bayern-Star ab, der sofort abbremst, abschaltet, die Arme hebt und auf das Freistoßsignal wartet. Aber das bleibt aus. Kolo-Muani läuft weiter und retourniert den Ball. „Leroy hat zu früh aufgehört zu spielen“, betonte DAZN-Experte Sandro Wagner im Live-Kommentar.

Leroy Sané im Fokus der Bayern-Fans: Kritik trotz Traumpässe und Traumtore

Es sind diese kleinen Szenen, die die Bayern-Fans Sane gegenüber äußerst kritisch sehen. Am liebsten wären ihnen natürlich Traumpässe wie vor dem 6:1 gegen Frankfurt oder Weltklasse-Tore wie beim 5:3 gegen Leipzig. Situationen wie diese gibt es bei Sané genug. Aber auch zu oft auf der anderen Seite, wie die 25 Minuten von Frankfurt erneut bewiesen. Daher gab es für seine Kollegen nur Bestnoten – tz Einzelkritik. (acl)