Die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Verwaltungsratspräsident Thomas Jordan dürfte am Donnerstag die Zinsen weiter anheben. Damit gehören Negativzinsen in der Schweiz der Vergangenheit an. (Archivbild)
Volkswirte rätseln nur über die Höhe der Zinserhöhungen. Bei der Beurteilung der geldpolitischen Lage erwarten die meisten eine Anhebung des Leitzinses der SNB um 50 bis 75 Basispunkte. Einige sagen sogar einen Anstieg um 100 Basispunkte voraus.
Der Schweizer Leitzins liegt derzeit bei -0,25 Prozent. Sie wird bei allen drei Varianten im positiven Bereich liegen, d.h. +0,25, +0,50 oder +0,75 Prozent. Und es ist ziemlich historisch.
Denn seit dem 18. Dezember 2014 ist der Leitzins in der Schweiz negativ. Damals wurde er auf -0,25 Prozent gesenkt. Im Januar 2015 drückten ihn Währungsbeobachter dann auf ein Rekordtief von -0,75 Prozent, während sie den Euro-Mindestkurs aufgaben.
Dieses Niveau galt bis zum Sommer. Die SNB erhöhte damals überraschend ihren Leitzins um 50 Basispunkte und kündigte, wenn auch vage, die Möglichkeit weiterer Erhöhungen an.
Denn auch die SNB muss etwas gegen die Inflation tun. Zuletzt lag sie bei 3,5 Prozent und damit über dem Zielband der Nationalbank von maximal 2 Prozent.
“Eine straffere Geldpolitik soll verhindern, dass die Schweizer Inflation auf Waren und Dienstleistungen übergreift”, erklärte SNB-Präsident Thomas Jordan den überraschenden Schritt im Juni. Und seither habe er sich bei der Notenbanksitzung in Jackson Hole noch deutlicher geäußert, sagt Safra-Sarasin-Ökonom Carsten Junius.
Dazu kommt das internationale Umfeld. Die US-Notenbank und inzwischen auch die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhten die Zinsen kräftig – und reagierten damit auch auf deutlich höhere Inflationsraten in ihren Währungsräumen. Am Mittwochabend dürfte die US-Notenbank dann eine weitere kräftige Zinserhöhung ankündigen.
Dass die Inflation in der Schweiz tiefer liegt als in vielen europäischen Ländern oder den USA, hat auch etwas mit dem Schweizer Franken zu tun. Diese ist in den letzten Monaten stark gestiegen und hat damit einen Teil des Inflationsdrucks abgefedert.
«Die SNB sieht im starken Franken eine wirksame Massnahme im Kampf gegen die hohe Inflation», sagte UBS-Ökonom Alessandro Bi. Doch diese Aufwertung hat Grenzen, weil sie für Teile der Exportindustrie zum Problem werden kann.
Neben dem Zinsentscheid wird am Donnerstag von grossem Interesse sein, ob und inwieweit die SNB ihre Inflationsprognosen anpasst. Liegt dieser über dem Zielband für einzelne Jahre, signalisiert dies weitere Zinserhöhungen.
Zudem wird die SNB auch eine Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2022 abgeben, das zuletzt bei rund 2,5 Prozent lag. Für 2023 wird es keine konkrete Prognose geben. Allerdings dürften sich Währungsbeobachter in der Pressemitteilung oder auf der Medienkonferenz zum Risiko einer Rezession äußern.
(SDA)
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