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Neue Energieformen verändern die Landschaft – vorarlberg.ORF.at

ORF: Herr Professor Weber, in Vorarlberg gibt es einige große Unternehmen wie Blum und Grass, die beklagen, dass sie im Land keinen Platz mehr haben, um zu expandieren. Gras zum Beispiel erfordert, dass Sie in Zukunft viel höher bauen können. Ist das ein geeignetes Mittel?

Weber: Dem würde ich grundsätzlich zustimmen. Was ich aber als Gefahr sehe ist, dass die einen sehr hoch bauen wollen und die anderen weniger und dadurch sehr große Nachteile in Sachen Belichtung etc. haben. Das bedeutet, dass Sie einen Gewerbe- und Industrieentwicklungsplan erstellen müssen, damit die Regeln für alle gleich sind. Aber im Hinblick auf die Flächeneinsparung ist es sehr wichtig, dass der Ausbaubedarf jetzt sozusagen in der dritten Dimension gedeckt wird.

ORF: Kommen wir zum aktuellen Thema Energie. Eine Studie aus dem Jahr 2020 hat gezeigt, dass Photovoltaik auf Gebäuden bei weitem nicht ausreicht, um die selbst gesteckten Energieziele zu erreichen. Bedeutet dies, dass die Photovoltaik flächendeckend sein sollte?

Weber: Naja, im Grunde würde das bedeuten, dass wir auch Grünflächen haben, oder wir sprechen eigentlich von alten Nutzungen wie Bergbaugebieten oder Steinbrüchen. Zum Beispiel, dass diese für andere Zwecke weniger attraktiven Flächen nun für den Bau größerer Photovoltaikanlagen genutzt werden. Ich denke, es ist nur eine Illusion zu glauben, dass wir die Landschaft von bestimmten Formen der Energiegewinnung freihalten können, wenn wir die Energiewende erreichen wollen.

ORF: Photovoltaik gibt es bereits im Grünen, auf Freiflächen, zum Beispiel in Deutschland. Glauben Sie, dass aus unserer Sicht auch bei uns wirklich klare Maßnahmen notwendig sein werden?

Weber: Natürlich wird die Flächenkonkurrenz zunehmen, und deshalb ist mein Appell, auch beim Bauen zu erkennen, dass hier Grenzen erreicht sind, die wir nicht überschreiten dürfen, um den neuen Ansprüchen gerecht werden zu können überhaupt zum Einsatz. Und eine der Voraussetzungen für die Nutzung ist natürlich die Stromerzeugung.

ORF: Unsere Regierung betont immer wieder, dass uns Wasserkraft und Photovoltaik sehr am Herzen liegen. Ist eine Windenergieanlage grundsätzlich mit raumplanerischen und stadtlandschaftlichen Anforderungen vereinbar?

Weber: Wenn man sich also in Vorarlberg Wohnbauten gönnt, die man als Betonwunde bezeichnen kann, ohne sie wirklich kränken zu wollen, dann ist das Windrad für mich wirklich viel ästhetischer und viel weniger störend. Aber es kommt natürlich auch darauf an, was die konkurrierenden Nutzungen wären, etwa der Tourismus, wo es heißt, Windräder sollten möglichst nicht in touristischen Gebieten gebaut werden. Damit dieser Eingriff hier überhaupt durchgeführt werden kann, muss die entsprechende Forschung betrieben werden und der Ertrag entsprechend groß sein.