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Niedrigwasser: Der Rheinpegel in Emmerich ist auf einem Rekordtief

Stand: 15.08.2022 13:45 Uhr

Niedrigwasser bereitet der Binnenschifffahrt in Deutschland Probleme. Der Verkehr ist noch nicht vollständig zum Erliegen gekommen. Laut Bundesverkehrsminister Wissing könnte sich das Problem in Zukunft noch verschärfen.

Entlang des Rheins, Deutschlands wichtigster Wasserstraße, nimmt der extrem niedrige Wasserstand mangels Niederschlag kein Ende – im Gegenteil: Im nordrhein-westfälischen Emmerich nahe der Grenze zu den Niederlanden herrscht ein Rekordtief von nur vier Zentimeter gemessen.

Damit werde der bisherige Tiefstand von sieben Zentimetern im Herbst 2018 in den Schatten gestellt, teilte die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) mit. Laut Prognose kann das Nullniveau bereits morgen erreicht werden. Die Endtiefe des für die Schifffahrt entscheidenden Emmericher Fahrwassers betrug knapp zwei Meter.

Schifffahrt auf dem Rhein: Der Wasserstand bei Kaub beträgt 32 Zentimeter

Auch der Wasserstand in der Nähe der Kaub zwischen Mainz und Koblenz in Rheinland-Pfalz ist zum Wochenstart weiter gesunken: von 37 Zentimetern am Sonntag auf nur noch 32 Zentimeter zum Wochenstart. Kaub gilt als wichtiges Zentrum der Binnenschifffahrt auf dem Oberrhein. „Schiffe fahren immer noch, aber weniger und mit weniger Ladung“, sagte Florian Krekel, Sprecher der Rheinischen Wasserstraßen- und Schifffahrtsbehörde, gegenüber Reuters über die Folgen. “Die Bewegung ist noch nicht vollständig zum Stillstand gekommen.”

Kaub gilt als wichtiges Zentrum der Binnenschifffahrt auf dem Oberrhein. Bild: dpa

In den nächsten drei bis vier Tagen sollen die Wasserstände weiter flussabwärts am Niederrhein um weitere fünf bis zehn Zentimeter sinken, teilte der Dienst mit. Am Mittelrhein dürfte der Pegel weitgehend konstant bleiben. „Die 14-Tage-Prognose deutet weiterhin auf einen leichten Anstieg der Wasserstände ab Mitte dieser Woche hin“, hieß es. „Dies ist jedoch nicht signifikant, die Wasserstände bleiben auf niedrigem Niveau. Der bisher niedrigste Pegel wurde am 22. Oktober 2018 mit 25 Zentimetern gemessen.

Die Rheinfähre bei Nirstein stellte am Morgen vorübergehend den Betrieb ein. Grund sei der extrem niedrige Wasserstand des Flusses, teilte das Unternehmen in der Region Mainz-Bingen mit. Wann die Fähre wieder verkehren kann, ist ungewiss. Autofahrer müssen nun erhebliche Umwege in Kauf nehmen, um auf die andere Rheinseite zu gelangen.

Die Schifffahrt auf dem Oberrhein weitgehend eingestellt

Das Logistikunternehmen Contargo Rhein-Neckar GmbH hat die Schifffahrt auf dem Ober- und Mittelrhein weitgehend eingestellt. Mehrere Schiffe sind noch in Betrieb, können aber nach Angaben von swr-Geschäftsführer der Contargo Rhein-Neckar, Marco Spexnaider, nicht nennenswert beladen werden.

Daher müssen Lastwagen und Züge zum Transport von Gütern eingesetzt werden. Container werden per Landbrücke zu einem Terminal in Duisburg transportiert und an den Niederrhein geschickt. Dort ist derzeit noch ein Inlandsversand möglich. Laut Speksnijder ist die Kapazität für den Landcontainertransport jedoch begrenzt.

Die Schiffe sind mit nur 600 Tonnen beladen

Auch in Köln nähert sich der Wasserstand einem Rekordtief seit 2018. „Das hat extreme Auswirkungen auf die Wasserstraße Rhein“, sagte Christian Lorenz, Sprecher der Kölner Häfen und des Güterverkehrs, gegenüber Reuters. Als Beispiel verwies er auf die Salzversorgung aus Heilbronn. Über den Rhein wird das für die chemische Industrie wichtige Steinsalz transportiert. „Anfang März konnten Schiffe noch mit rund 2.200 Tonnen beladen werden“, sagte Lorenz. „Aufgrund des Niedrigwassers waren zuletzt nur 600 Tonnen möglich.“ 2018 seien teilweise nur 300 Tonnen machbar gewesen. „Dem nähern wir uns“, sagte der Sprecher.

Wissing: Rechnen Sie in Zukunft immer mit Niedrigwasser

Laut Bundesverkehrsminister Volker Vissing könnte sich das Niedrigwasserproblem in Zukunft noch verschärfen. „Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass wir uns langfristig auf extreme Niedrigwassersituationen aufgrund des Klimawandels einstellen müssen“, sagte Vissing der Rheinischen Post.

Der Rhein ist Deutschlands wichtigste Wasserstraße. Aufgrund des Niedrigwassers können Schiffe derzeit deutlich weniger Fracht transportieren. Das erhöht die Transportkosten für die Industrie und verschärft die ohnehin angespannte Logistiksituation. Verkehrsminister Vissing sprach sich für den Ausbau der Infrastruktur aus. „Es ist wichtig, Maßnahmen wie die Optimierung der Engpässe am Mittelrhein so schnell wie möglich umzusetzen“, sagte er der Zeitung.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) forderte kürzlich eine zügige Umsetzung der geplanten Baumaßnahmen. Besonders notwendig ist die Fahrrinnenvertiefung in Rhein und Donau.

Niedrigwasser erhöht das Rezessionsrisiko

Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands. Auf ihr werden Rohstoffe wie Getreide, Chemikalien, Mineralien, Kohle und Erdölprodukte per Frachtschiff transportiert.

Volkswirte befürchten nun weitere Einbußen für die ohnehin schwächelnde deutsche Wirtschaft. Laut Experten der Deutschen Bank, der Landesbank Baden-Württemberg und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft steigt bei weiter sinkenden Wasserständen das Risiko einer Rezession. Zunächst ist die Versorgung der Kohlekraftwerke gefährdet. Sie werden zunehmend zur Stromerzeugung benötigt, da Russland die Gaslieferungen eingestellt hat.

“Leichtes Ansteigen der Wasserstände”

In den kommenden Wochen sei mit einer leichten Entspannung der Lage zu rechnen, sagte Wissing. Die jüngste Sechs-Wochen-Prognose der Experten seines Unternehmens “zeigt einen leichten Anstieg des Wasserstands und eine Stabilisierung der Wasserstände auf niedrigem Niveau”. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) prognostizierte zuletzt einen „leichten Anstieg der Wasserstände“.

Allerdings seien die zu erwartenden Niederschlagsmengen zu gering, „um zu einer dauerhaften Entlastung des Niedrigwassers der größeren Flüsse zu führen“. Daher ist künftig mit Einschränkungen beim Versand zu rechnen.