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Obligatorische Krankenversicherung: Der Zusatzbeitrag wird 2023 deutlich steigen

Stand: 28.06.2022 15:21 Uhr

Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen haben 2023 deutlich höhere Kosten. Der Zusatzbeitrag steigt um 0,3 Prozentpunkte. Krankenkassen warnen davor, dass weiterhin ein finanzielles Defizit von 1 Milliarde Dollar droht.

Der Zusatzbeitrag für Versicherte der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (KVG) wird nächstes Jahr steigen – um 0,3 Prozentpunkte. Das teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mit.

Bei Krankenkassen setzt sich der Beitrag aus dem Gesamtbeitrag in Höhe von 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens und einem Zusatzbeitrag zusammen. Dies kann jede Kasse selbst einstellen. Beide Beitragsteile werden je zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer getragen. Der Zusatzbeitrag beträgt derzeit durchschnittlich 1,3 Prozent.

Die GKV rechnet mit einem Finanzierungsloch von rund 17 Milliarden Euro

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKVs) haben immer wieder davor gewarnt, dass ihnen im nächsten Jahr eine finanzielle Lücke in Milliardenhöhe droht. Doris Pfeiffer, Geschäftsführerin des GKV-Spitzenverbandes, rechnet nach aktuellen Schätzungen damit, dass den Krankenkassen im Jahr 2023 rund 17 Milliarden Euro nicht zur Verfügung stehen werden.

Verantwortung sieht sie auch in der Politik. Grundsätzlich brauche es eine nachhaltigere Regelfinanzierung statt “volatile Sonderfinanzierungen”, warnte Pfeiffer. In diesem Jahr müssen die gesetzlichen Krankenkassen vom Bund mit insgesamt rund 28,5 Milliarden Euro bezuschusst werden – auch um den Zusatzbeitrag auf dem bisherigen Niveau zu halten.

Gesetz zur schnelleren Terminvergabe – „Flop“

Wie Pfeiffer bezeichnete auch der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, den sogenannten Terminservice als politischen Fehler. Die Kosten dieser Regelung von rund vier Milliarden Euro “hätten eingespart werden können”, kritisierte Baas im SPIEGEL. Gesetzlich Versicherte müssen laut Gesetz schneller einen Arzttermin vereinbaren können. Doch am Ende habe sich die neue Berufungsordnung als “Misserfolg” herausgestellt, sagte Baas. Gleichzeitig beruhigt es die Ärzte, weil sie offensichtlich mehr Geld verlangen können“, sagte der Chef von Deutschlands größter Krankenkasse. Der Effekt ist “überschaubar”.

Lauterbach soll die Erhöhung des Zusatzbeitrags bis zu fünf Milliarden Euro einbringen. Zudem soll der erhöhte Steuerzuschuss von zwei Milliarden Euro dazu beitragen, das Defizit der Krankenkassen zu verringern. Außerdem will der Bund Kassen eine Milliarde Euro leihen. Weitere Milliarden sollen laut Lauterbach aus den Rücklagen der Krankenkassen und der Krankenkasse, aus einer Steuer von einer Milliarde Euro aus der Pharmaindustrie und aus Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem kommen

Der Bundesgesundheitsminister sagte, er habe lange mit Bundesfinanzminister Christian Lindner über eine Erhöhung des Zusatzbeitrags verhandelt – unter der generellen Prämisse, er wolle die Schuldenbremse einhalten und Steuererhöhungen vermeiden. Als Grund für das „historische Defizit“ der gesetzlichen Krankenkassen sieht Lauterbach auch politische Lücken. Allerdings schreibt er dies seinem Vorgänger Jens Spahn zu. Der HDZ-Politiker habe “kostengünstige Reformen” vorgenommen und halte von Strukturreformen ab. Daraus resultierte das Defizit während der Pandemie.

GKV fordert niedrigere Mehrwertsteuer auf Arzneimittel

Doch aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden der GKV Pfeiffer wird dies nicht ausreichen. Um den für 2023 erwarteten Fehlbetrag von 17 Mrd. € auszugleichen, muss der Zusatzbeitrag um 1,1 Prozentpunkte erhöht werden. Rein rechnerisch entsprechen 0,1 Beitragspunkte einem Einkommen von 1,6 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr verzeichneten die gesetzlichen Krankenkassen ein Defizit von 5,8 Milliarden Euro. In diesem Jahr ist laut Pfeiffer kein solcher Betrag zu erwarten.

Sie schlägt unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer auf pharmazeutische Produkte vor. Dies sind lebenswichtige Produkte, sagte Pfeiffer. Die Absenkung von vollen 19 Prozent auf den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent bringt sechs Milliarden Euro Entlastung. Der Verband forderte zudem, den regelmäßigen Zuschuss aus dem Bundeshaushalt, der bei jährlich 14,5 Milliarden Euro „eingefroren“ sei, bei steigenden Ausgaben regelmäßig aufzustocken. Zudem sind die Pauschalbeträge, die der Staat als Barzuschüsse an Hartz-IV-Empfänger zahlt, zu gering.