Germany

Patricia Schlesinger: Tom Burrow fordert vom RBB ‘vollständige Aufklärung’

Deutschland Schlesinger Affäre

Tom Burrow fordert vom RBB “vollständige Aufklärung”.

Stand: 07:37 | Lesezeit: 3 Minuten

„In der Chefetage scheinen die Dinge wirklich aufzurütteln“

RBB-Geschäftsführerin Patricia Schlesinger tritt zurück, es stehen zahlreiche Vorwürfe im Saal. Derzeit wird die Frage der Abfindung diskutiert. „An den Rentenzahlungen von 15.000 Euro im Monat kann der RBB nicht rütteln, sie gehören Ihnen“, sagt Annette Dovidait vom WELT-Ermittlungsteam.

Tom Burrow, kommissarischer ARD-Vorsitzender und WDR-Intendant, befürchtet, die Vorwürfe gegen die frühere RBB-Chefin Patricia Schlesinger könnten „die gute Arbeit Tausender Mitarbeiter“ überschatten. Unterdessen fordert die CDU in Berlin eine Deckelung der Vorstandsgehälter.

Tom Burrow, derzeitiger Vorsitzender der ARD und Intendant des Westdeutschen Rundfunks, hat zur Affäre beim Rundfunk Berlin-Brandenburg und der zurückgetretenen Intendantin Patricia Schlesinger klar Stellung bezogen. „Wir erwarten jetzt vom RBB eine vollständige und transparente Information“, erklärte Burrow gegenüber WELT AM SONNTAG und äußerte sich damit erstmals zu Schlesingers Anliegen.

„Tausende ARD-Mitarbeiter leisten täglich gute Arbeit für unsere Programme, und das sollte von diesen Vorwürfen, auch wenn sie sehr schwerwiegend sind, nicht überschattet werden. Gleichzeitig müssen wir jetzt in die Zukunft blicken.”

Tom Burrow, kommissarischer Vorsitzender der ARD

Quelle: pa/dpa/Oliver Berg

Burrow folgt Schlesinger als Vorsitzender der ARD nach, nachdem sie auch von diesem Posten zurückgetreten ist. „Wir werden unsere Strukturen in der ARD weiter überprüfen, die begonnenen Reformen mit Blick auf digitale Technologien fortsetzen und gemeinsam noch mehr Synergien schaffen, um das beste Programm für die Menschen zu machen, die bei uns zahlen“, erklärte er.

Der Fall Schlesinger

Direktor RBB Schlesinger Affäre um Direktor RBB Schlesinger

Die Ermittlungen im Fall Schlesinger wurden bereits von der Berliner Staatsanwaltschaft übernommen. Als Grund wird die Bedeutung des Falles angegeben.

CDU in Berlin stellt Stellung

Unterdessen fordert die Berliner CDU unter dem Motto „Aufklären, reformieren, Vertrauen wiederherstellen“ weitreichende Veränderungen beim Rundfunk Berlin-Brandenburg. In einem Positionspapier, das WELT AM SONNTAG exklusiv vorliegt, macht Landes- und Fraktionsvorsitzender Kai Wegner fünf „Vorschläge zur Zukunftsfähigkeit des RBB“.

„Der Schaden für den RBB und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt ist enorm“, erklärt Wegner mit Blick auf die Affäre Patricia Schlesinger, auch im Interesse der Mitarbeiter, die nicht für das Fehlverhalten Einzelner gesamtschuldnerisch haftbar gemacht werden sollten.

Hier finden Sie Inhalte von Drittanbietern

Zur Anzeige eingebetteter Inhalte ist Ihre widerrufliche Einwilligung zur Übermittlung und Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich, da die Anbieter der eingebetteten Inhalte als Drittanbieter diese Einwilligung benötigen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Durch Einschalten des Schalters erklären Sie sich damit einverstanden (jederzeit widerrufbar). Dies umfasst auch Ihre Zustimmung zur Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten an Drittländer, einschließlich der USA, gemäß Artikel 49 (1) (a) der DSGVO. Hier finden Sie weitere Informationen dazu. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit über den Schalter und über den Datenschutz unten auf der Seite widerrufen.

Konkret regt Wegner an, angesichts des Spardrucks „bei kleinen und mittleren Einkommen auch die Vergütung von Vorständen, Vorständen und leitenden Angestellten zu berücksichtigen“. Warum die Vorstände höher bezahlt werden als der Bundespräsident, ist nicht zu erklären. Die Landesverträge der Landesrundfunkanstalten müssen entsprechend angepasst werden.

Zudem soll bei Vorstandsvergütungen und Pensionsansprüchen „künftig volle Transparenz“ gelten. Leistungsprämien, “die falsche Anreize setzen könnten, sollten verboten werden.” Dies gilt insbesondere für Prämien, die im Austausch gegen Entlassungen gewährt werden.

Zudem soll die Kontrolle des RBB durch die Rechnungshöfe in Berlin und Brandenburg gestärkt und der Vorstand in seiner Funktion professionalisiert werden. Sie muss künftig „mindestens einen zertifizierten Wirtschaftsprüfer“ umfassen. Eine „unabhängige interne Revision“ solle eingerichtet und die „bestehende Compliance-Abteilung der RBB“ gestärkt werden. „Zur Stärkung der Kontrollfunktion der Allgemeinheit“, so der Wille der CDU, soll es künftig möglich sein, Anträge nach dem Informationsfreiheitsgesetz bei der Geschäftsstelle des RBB zu stellen. Dies ist vorerst nicht möglich.

Wegner forderte auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giphy (SPD) und Brandenburgs Ministerpräsidenten auf, bis Ende des Jahres eine partei- und länderübergreifende Kommission einzusetzen, die konkrete Reformvorschläge vorlegen soll.

auch lesen