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Personalmangel in Hotels: Kein Topf draußen

Stand: 19.06.2022 04:53 Uhr

Während der Pandemie wanderten viele Hotel- und Gastronomiemitarbeiter aus. Jetzt sind sie kurz vor dem Sommergeschäft weg. Manche Unternehmen sind kreativ.

Von Marcus Pfalzgraf, SWR

Das Wasser aus der Donauquelle bei Furtwangen im Schwarzwald ist trinkbar – kühl und klar sprudelt es aus dem Felsen. Wer noch etwas trinken möchte, muss sich an diesem Sommertag gedulden, denn die Terrasse des nahe gelegenen Hotelrestaurants ist noch geschlossen. Wegen Personalmangel.

Der Kolmenhof in Furtwangen wird als Familienbetrieb in dritter Generation geführt. Vor 35 Jahren übernahm Seniorchef Franz Dold das Hotel und Restaurant von seinen Eltern. Heute führt sein Sohn Christoph die Geschäfte. Franz Dold berichtet, dass es in der Region schon immer Personalmangel gegeben habe. Die starke Industrie in der Region hat schon immer Arbeitskräfte aus öffentlichen Gastronomiebetrieben angezogen und angezogen. Aber eine Situation wie die jetzige hat er noch nie erlebt: Firmen stellen manchmal Leute ein, ohne sich zu bewerben, so groß ist der Bedarf.

Tatsächlich gab es eine Entscheidung über den Personalmangel im Unternehmen: Zwei Mitarbeiter aus Rumänien wurden eingestellt. Doch nun wurden sie aus familiären Gründen abgesagt – kurz vor der Sommersaison. Nun hat Familie Dold zwei Ukrainer eingestellt, die (noch) kein Deutsch sprechen. Die Induktion laufe gut, sagt Franz Dold. Auch in Baden-Württemberg sind Hoteliers in Marokko fündig geworden und rekrutieren dort gezielt Köche.

Ob Schwarzwald oder Bodensee, überall die gleichen Probleme

Hotels sollten nicht nur mit ihren Mitarbeitern kreativ sein, sondern auch mit ihren Vorschlägen. Der Kolmenhof ist nur nachmittags für Restaurantgäste geöffnet und schließt abends früher. Davor konnten nur Hotelgäste bedient werden. Außerdem gibt es bereits zwei freie Tage. „Früher hatten wir eine Sieben-Tage-Woche und drei Schichten am Tag“, sagt Franz Dold. An der Qualität will er definitiv nicht sparen. Er reduziert die Speisekarte lieber oder bietet einfachere Gerichte an.

Horst Müller von der Winzerstube Hagnau am Bodensee bestätigt das: „Ich kenne niemanden, der genug Personal hat“, sagt er. Es gibt keine Einschränkungen für die Aktivitäten der Hotels und Teilschließungen können nicht vorgenommen werden. Infolgedessen schränkten viele den Betrieb des Restaurants ein. Beispielsweise können in Restaurants zusätzliche Wochenenden eingeführt werden, nicht aber in Hotels – hier muss der Gast jederzeit und so lange buchen können, wie er möchte. Das berichten viele Hoteliers am Bodensee und im Schwarzwald.

Bürokratie abbauen oder im Ausland rekrutieren?

Vor allem in industriestarken Regionen ein Problem: Facharbeiter sind Wilderer. Der DEHOGA Hotel- und Gaststättenverband beklagt gezielte Aktionen vor allem während der Corona-Zeit. Viele Beschäftigte, die während der Pandemie, auch aufgrund der Schließung, andere Jobs gesucht haben, kehren nicht mehr zurück. Viele Unternehmen melden dies. Aber auch die Arbeitszeiten sind für manche ein Problem. Viele Arbeitnehmer achten verstärkt auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit.

Und auch wenn Interessenten kein Problem mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten haben, sind sie womöglich an ihre Grenzen gestoßen: Für Roland Birkenmeier, der den Dorfgasthof Löwe im Breisgau bei Freiburg betreibt, sind Arbeitszeiten und -bedingungen zu eng. Wenn die Mitarbeiter ihre wöchentliche Stundenzahl erreicht haben, muss sie unter Umständen früher schließen – auch am Sonntag.

Das ist schlecht fürs Geschäft für ihn und seinen Kollegen Dold in Furtwangen. Beide vermuten, dass die Gastronomie vor allem für junge Leute nicht mehr interessant ist. Und das, obwohl es sich um einen abwechslungsreichen Job handelt, in dem man viel herumkommen kann, finden Dold und Birkenmeier. Sie wollen weniger Bürokratie – und es wird mehr für die duale Ausbildung getan.

Denken Sie nicht einmal an den Ruhestand

Das sieht auch der Verband der Hoteliers und Gastronomen so. DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges betont die Bedeutung der dualen Ausbildung. Es bringt auch Qualifikationen mit sich, die man später woanders braucht. Außerdem fordert sie eine Vereinfachung der Anwerbung von Fachkräften außerhalb der EU.

In Furtwangen im Schwarzwald wird die Familie Dold von zwei ukrainischen Beamten unterstützt. Doch der Seniorchef und seine Frau müssen noch mit anpacken – obwohl sie eigentlich in Rente sind. Und jetzt steht uns die Sommersaison bevor. Franz Dold sagt: “Jetzt geht es richtig los.”