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RBB-Geschäftsführerin Interim – Kathryn Vernau plant das

Von Michael Sauerbier

Der RBB ist nicht mehr führerlos! Vier Wochen nach dem Sturz der Skandal-Regisseurin Patricia Schlesinger (61) wählte der Rundfunkrat eine neue Frau an die Spitze des Senders: Mit 16 zu 3 Stimmen (eine Enthaltung) ernannten die Vorgesetzten Catherine Vernau (49) zur WDR-Verwaltungsdirektorin. ) bei der Zweitwahl zum Interimsdirektor für maximal ein Jahr. Am Dienstagabend stellte sich die Managerin in einer Videokonferenz dem Rundfunkvorstand vor.

Bei der ersten Abstimmung scheiterte der WDR-Manager mit nur 12 Ja-Stimmen. Es wurden 14 Stück benötigt.

Vernau war der einzige Kandidat

Es darf am Mittwoch in keiner Zeitung erscheinen. Erst um 21 Uhr trafen sich am Dienstagabend die 30 Rundfunkräte des RBB zu einer vertraulichen Internetkonferenz. 19 Stunden vor der Wahl eines neuen Intendanten tobt das Skandalfernsehen.

Verbands- und Parteivertreter aus Berlin und Brandenburg erfuhren aus der Zeitung, wen sie am Mittwochnachmittag zur Interims-Chefin des RBB wählen sollten: Kathryn Vernau (49), Volkswirtin und Verwaltungsdirektorin des WDR seit 2015.

Sie ist die rechte Hand von ARD-Chef Tom Burrow. Er wolle sie für das Jahr im RBB halten, sagt Vernau, „ein Signal, das der WDR sendet, um deutlich zu machen: Er trägt zur Bewältigung der Krise bei. Das schadet nicht nur dem RBB, sondern dem ganzen System!“

Systemretter muss Systemknacker Patricia Schlesinger folgen.

Die Zeit wird knapp. Seit Protz- und Kungel-Geschäftsführerin Patricia Schlesinger Anfang August abgesetzt wurde, ist der RBB führungslos. „Das ist ein langsamer Start“, mahnte Wirtschaftsvertreter Christian Amsink und mahnte zur Eile: „Morgen sollten wir sehen, dass wir eine Tour für ein Jahr bekommen.“ Die Ausschreibung dauere zu lange.

Patricia Schlesinger musste gehen Foto: dpa/picture-alliance

Nach einem kurzen, heftigen Streit über die fehlende Auswahl durfte Vernau seine Dankesrede halten. Aus ihrem Kölner WDR-Büro auf Schwäbisch: „Ich bin 49 Jahre alt, bin Wirtschaftswissenschaftler und habe in Potsdam promoviert.“ Das klingt regional verwurzelt. Doch auf Nachfrage muss Vernau zugeben: Sie hat nur im Westen gelebt und gearbeitet: Ulm, Hamburg und Köln.

Enttäuschung rundum. Brandenburgs GSDP-Politiker Erik Ston: „Meine Regierung will einen Direktor mit ostdeutschem Hintergrund!“ Wechselt sie im Falle einer Wahl? Vernau: „Das muss ich mir überlegen. Das macht in zwölf Monaten keinen Sinn.“ Aber: „Danach kann ich mir vorstellen, mich als Intendant zu bewerben – wenn es gut läuft.“ Autsch!

Doch wie funktioniert das und was will der neue Chef?

Vernau präsentiert sich als erfahrener Top-Manager „mit 16 Jahren Erfahrung auf Senior-Management-Ebene. Ich war schon immer Vertriebsleiterin.“ „Die Herrin der Zahlen, Hauptbuchhalterin.

„In Ulm habe ich die Strategie- und Strukturentwicklung gemacht“, zählt sie auf, „in Hamburg das SAP-Projekt, als die Uni nicht mehr rechnungsfähig war.“ In Köln habe sie „500 Stellen in der WDR-Verwaltung gestrichen“.

Speichern, löschen, umstrukturieren. Vernau sprach von Stakeholder- und Change-Management, ihrem „strategischen Hintergrund mit starken analytischen Fähigkeiten“. Sie erfuhr, dass Vernau als Unternehmensberater nicht sehr gut mit Mitarbeitern und ihren Gewerkschaften umgehen konnte. Verdi-Rundfunkreferent Bernd Lammel: „Zu Ihrer Bewerbung habe ich keine Glückwunschtelegramme meiner Düsseldorfer Kollegen erhalten.“ Vernau räumt ein, die WDR-Tarifverhandlungen zum Scheitern gebracht zu haben. Wegen 250 Euro Homeoffice-Zuschuss: „Das können wir einmal zahlen, aber nicht jeden Monat!“

Vernau hingegen findet die Bossboni „nicht schlecht. Aber sie wurden geheim gehalten.“ Dann gibt sie zu: „Ich habe das Filmhaus in der Kölner Innenstadt geleitet.“ Die Kosten seien von 80 Millionen auf eine Viertelmilliarde explodiert. Vernau kleinlaut: „Das hätte billiger sein können. BILD wird immer wieder schreiben, dass wir dort ein Protz-Projekt haben.

Vernau will den von Schlesinger geplanten RBB-Protzbau, das „Digital Media House“, „auf die Probe stellen“. Stationschefs auch. Es gebe „nur bruchstückhafte“ Transparenz. Von “Management nicht ernsthaft an Klärung interessiert”. Vernau: „Ich habe das mit Wut, Frust und Unzufriedenheit gemerkt. Ich dachte: hört das nie auf?“ Jetzt will sie sehen, „ob die richtigen Leute am richtigen Ort sind“.

Nach anderthalb Stunden hatte Vernau den Rundfunkvorstand offenbar weitgehend überzeugt. Auch die beiden RBB-Personalvertreter. Denn die Neue will, dass der Personalrat feste und freie Mitarbeiter hat. Andere Ratsmitglieder blieben skeptisch bis ablehnend. „Jetzt springt hier der WDR ein“, sagte der brandenburgische CDU-Rundfunkrat Ingo Senftleben (48), „um unseren ostdeutschen RBB wieder auf Kurs zu bringen.“