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Reisebüros tragen finanzielle Kosten durch annullierte Swiss-Flüge

Zum Glück fahre ich diesen Sommer mit dem Auto in den Urlaub, würden viele jetzt sagen. Fluglinien nach der anderen sorgen mit gestrichenen Ferienflügen für schlechte Laune, vor allem bei der Schweiz. Die Lufthansa-Tochter streicht rund 100 Sommerflüge, weil sie zu wenig Personal und Flugzeuge hat. Zehntausende Passagiere sind betroffen.

Vor allem die kleineren Reisebüros stöhnen bei all den Umschreibungen, und die Kunden machen ihrem Ärger Luft. Im Reisecocktail-Geschäft von Geschäftsführerin Barbara Wolfart, 38, laufen derzeit die Telefonleitungen heiß. «Allein am Dienstag hatte ich zwanzig Kunden am Telefon», sagt Wolfart gegenüber «Blick». Es kostete sie einen halben Tag Arbeit. Sie weiss: «In der Tourismusbranche wächst die Schweizer Unzufriedenheit.»

Wohlfarth ist seit rund 20 Jahren in der Tourismusbranche tätig. Ihr kleines Reisebüro mit Sitz in Affoltern am Albis ZH beschäftigt elf Teilzeitangestellte, die nun mit den Schweizern einen riesigen Berg an Mehrarbeit haben. Viele andere Reisebüros kämpfen derzeit mit dem gleichen Problem.

Zusatzkosten von 100 bis 150 Franken pro Kunde

Mit der Buchung eines neuen Fluges ist der Job jedoch nicht abgeschlossen. „Wir müssen per Hand ein neues Ticket ausstellen und ggf. Hoteltransfer, Mietwagenreservierung und Hotelreservierung anpassen und den Kunden dann informieren. Das dauert schnell eine Stunde pro Kunde und kostet uns zwischen 100 und 150 Franken», sagt Wolfart.

Zusätzliche Kosten, die von der Swiss nicht übernommen werden. Für ihr kleines Reisebüro sei das finanziell nicht machbar, sagte Wolfart. „Es tut uns jedes Mal leid, wenn wir unseren Kunden die zusätzlichen Kosten für Fehler der Fluggesellschaft in Rechnung stellen müssen.“

Der Flug wurde gestrichen – was nun? Betroffene Passagiere haben diese Möglichkeiten (02:23)

„Andere Fluggesellschaften sind viel freundlicher“

Wolfart ist gegenüber dem Schweizer unnachgiebig: „Das ist nicht das erste Mal, dass wir zahlreiche Reisen einstellen müssen. In den letzten Monaten mussten wir einige Schweizer Flugtickets bis zu 20 Mal revidieren. Auch der Besitzer eines Touristencocktails kritisierte den Service für Reisebüros: «Die Schweizer haben das in den letzten Jahren stark reduziert.»

Was Wohlfarth besonders irritiert. „Wenn ein Reisebüro einen kleinen Fehler macht und die Passagierdaten korrigieren muss, verlangt die Swiss jedes Mal mindestens 20 Franken. Andere Fluggesellschaften sind da viel geneigter.“

Wolfarts Enttäuschung sitzt tief. „Ich würde meinen Kunden lieber davon abraten, mit Swiss und ihrer Lufthansa-Mutter zu fliegen. Aber dafür sind diese Anbieter zu wichtig für die Tourismusbranche.“

Auf gestrige Nachfrage lehnte Swiss eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab und verschob das Thema auf einen späteren Zeitpunkt.

Kunden von Reisebüros können beruhigt sein

Große Büros können dies besser bewältigen und verfügen über mehr finanzielle Ressourcen. Flugplanänderungen oder Annullierungen sind natürlich schlechte Nachrichten für Reisebüros, sagt Kuoni-Sprecher Marcus Flick: „Das verursacht uns viel Mehrarbeit. Aber die Kunden müssen sich um nichts kümmern. Alternativen, die in der Regel nicht mit Mehrkosten für unsere Kunden verbunden sind, klären wir ab. »

Auch beim Reiseveranstalter Tui haben sich besorgte Kunden gemeldet. Die Streichung von Flügen betreffe vor allem Stadtverbindungen, nicht klassische Touristenrouten, sagte Sprecherin Constance Andrianello. „Aktuell sehen wir nur wenige Flüge, bei denen wir bereits Gäste buchen konnten.

Kommt es im Sommer wieder zu Chaos an den Flughäfen?

Jörg Waldvogel, 55, ist Geschäftsführer von Chrisway Travel in St. Gallen. Die teils brutale Kritik an den Schweizern kann er nicht ganz nachvollziehen. „Das schafft natürlich zusätzliche Arbeit für das Reisebüro. Aber Swiss übernimmt zumindest die Mehrkosten der Umbuchung, wenn der neue Flug teurer ist. »

Waldvogel hingegen sieht die Flughafenkapazität deutlich kritischer. „Mir graut es, wenn viele Kunden im Sommer wegen der langen Wartezeit ihren Flug verpassen.“

Er empfiehlt Kunden daher, drei oder noch besser vier Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein. Schon in den Tagen vor Pfingsten und am Pfingstwochenende waren viele europäische Flughäfen mit dem Passagieraufkommen völlig überfordert.