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Schwere Vorwürfe gegen die Bahn nach einem Zugunglück mit fünf Toten

  • Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen: Regionalzug entgleist
  • Die Zahl der Todesopfer ist auf fünf gestiegen, darunter ein Teenager
  • Ermittlungen gegen drei Bahnangestellte wegen Totschlags
  • Schwere Vorwürfe gegen die Bahn Stark werden
  • Wie kam es zum Zugunglück in Oberbayern?

Nach dem schweren Zugunglück in Oberbayern bei Garmisch-Partenkirchen ist die Zahl der Todesopfer auf fünf gestiegen. Die Ursache des Vorfalls ist noch unklar – doch jetzt wachsen die Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn. Gegen drei Bahnangestellte ermittelt die Staatsanwaltschaft: Im Raum steht der Verdacht des fahrlässigen Mordes.

Update 08.06.2022, 09:25 Uhr: Schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn

Nach dem Zugunglück am Freitag mehren sich die Hinweise, dass eine technische Störung des Gleisbetts die Katastrophe verursacht haben könnte. Bei dem Vorfall in der Nähe von Garmisch-Pärtenkirchen in Oberbayern sind fünf Menschen ums Leben gekommen und viele weitere zum Teil schwer verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen den Streckenverantwortlichen, den Fahrer und den Disponenten – es bestehe ein „Anfangsverdacht“. Zudem stehen die Schienen im Mittelpunkt der Ermittlungen: „Sie werden derzeit jedenfalls genau begutachtet und vermessen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU). Die Absturzursache sei “mit Schwerpunkt auf technischen Mängeln gesucht” worden.

Nach Angaben der Bild-Zeitung berichteten Passagiere im Internet, dass es an der Absturzstelle “gelegentlich rumpelte”. Zudem wollte die Bahn offenbar ab dem 25. Juni Reparaturen an dem betroffenen Gleisabschnitt durchführen – Gleislage korrigieren und Gleis erneuern. Die Deutsche Bahn wollte sich aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht dazu äußern.

„Der Zug war gerettet, gerettet“

Sind die Eisenbahnen in Deutschland zerstört? Karl-Peter Naumann (71), Vorstandsmitglied des Eisenbahnverbandes Allianz Pro Schiene e. V. gegenüber Bild: „Der Reparaturstau beträgt jetzt 60 Milliarden Euro. Die Bahn wurde kaputt gerettet. Und in den nächsten Jahren wird es nicht besser, sondern noch schlimmer.“ Er befürchtet, dass der Zustand des Schienennetzes zu weiteren Entgleisungen führen könnte: “Es gibt zu viele Stellen im Schienennetz, die ausgebaut werden müssen.”

Noch deutlicher wird Willy Push, Leiter einer Bürgerinitiative gegen Umweltschäden durch die Bahn, gegenüber Bild: „Wenn Reparaturen immer wieder verschoben werden, führt das zu neuen Katastrophen. Die Eisenbahnen spielen hier mit Menschenleben!”

Update 07.06.2022, 11.39 Uhr: Ermittlungen gegen drei Bahnangestellte wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung

Nach dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen hat die Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen drei Personen eingeleitet. Bei den Beschuldigten handele es sich um Mitarbeiter der Deutschen Bahn, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Der Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München ist kurz nach der Abfahrt am Freitagnachmittag entgleist. Vier Frauen und ein 14-Jähriger aus der Region wurden getötet und etwa 40 verletzt. Eine Frau befindet sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Unter den ermordeten Frauen sind zwei Mütter aus der Ukraine, die mit ihren Kindern nach Bayern geflohen sind.

Die Unfallursache wird von der Soko Zug untersucht. Auch der Eisenbahnunfalluntersuchungsdienst des Bundes ist beteiligt.

Die Deutsche Bahn sagte, sie könne sich zu diesem Zeitpunkt aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht äußern. „Wir tun natürlich unser Bestes, um die Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung der Unfallursachen zu unterstützen“, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag.

Update vom 7. Juni 2022: Alle technischen Mängel müssen abgeklärt werden

Bei der Aufklärung der Ursachen des tödlichen Zugunglücks in Garmisch-Partenkirchen stehen Schiene und Fahrwerk im Mittelpunkt der Ermittlungen. Bayerns Innenminister Joachim Hermann sagte dem Bayerischen Rundfunk, die Ursache des Vorfalls werde “mit Schwerpunkt auf technischen Mängeln” gesucht. Die Fahrgestelle der Waggons seien gesichert, “und es wird geprüft, inwieweit die einzelnen Schienen oder Schwellen gesichert werden müssen. Auf jeden Fall werden sie derzeit genau begutachtet und vermessen”, sagte er am Montag (6 ).

Die Deutsche Bahn plant laut einem Bericht der Zeitung Die Welt Reparaturen an den Schienen entlang der Unfallstrecke durchzuführen. Demnach muss vom 25. Juni bis 9. Juli zwischen Oberau und Garmisch-Partenkirchen eine nächtliche Anpassung der Gleislage und die Erneuerung der Gleise durchgeführt werden. Auf Nachfrage der Welt sagte die Deutsche Bahn, sie könne sich dazu aufgrund laufender Ermittlungen derzeit nicht äußern.

Die Ermittlungen zu den Unfallursachen führt die Soko Zug unter Leitung der Staatsanwaltschaft München II, auch die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes ist beteiligt. Laut Herman liegt derzeit kein Fehler des Fahrers vor. Aber es wird noch in alle Richtungen bestimmt.

Update vom 06.06.2022: Bergungsarbeiten gehen weiter – Todesfälle wurden festgestellt

Mit großem, schwerem Gerät arbeiten die Einsatzkräfte weiter an der Unfallstelle des Zuges Garmisch-Partenkirchen. Die Arbeiten wurden am Sonntagabend eingestellt, sagte ein Polizeisprecher. Am Montag soll es weitergehen.

Der Unfallort sei „sicher, sicher und bewacht“, sagte er. Die Reinigungsarbeiten sind aufwändig – Kräne heben die entgleisenden Autos auf die Straße, dann werden sie demontiert und mit Billig-Lkw abtransportiert. Am Sonntag teilte ein Bagger das erste Auto in zwei Hälften, dann wurde eine Hälfte per Tieflader abtransportiert. Mit Hilfe eines 250 Tonnen schweren Spezialkrans musste die Lokomotive übrigens wieder aufs Gleis gebracht werden. Diese und weitere Waggons sollten dann möglichst per Bahn transportiert werden.

Die Arbeiten dürften noch einige Zeit in Anspruch nehmen, teilte die Polizei mit. Auch über die Freigabe der Strecke könne noch nicht entschieden werden, teilte die Bahn mit. Die Arbeiten werden sich weiterhin auf den Straßenverkehr auswirken. Der Verkehr in Sindelsdorf (Kreis Weilheim-Schöngau) weicht von der Autobahn A95 in Richtung Garmisch-Partenkirchen ab. Der Verkehr aus dem Raum Augsburg weicht von der Bundesstraße 17 nach Füssen in Richtung Fernpass ab. Der Verkehr aus Mittenwald / Innsbruck wird auf die Bundesstraße 11 bei Krün geleitet.

Neben den Aufräumarbeiten laufen Ermittlungen, die Soko Zug arbeitet unter Federführung der Staatsanwaltschaft München II. Die Identifizierung der fünf Toten endete am Sonntag weitgehend. Vier Frauen und ein 14-jähriger Mann aus der Region wurden getötet und 40 verletzt. Unter den ermordeten Frauen sind zwei Mütter aus der Ukraine, die mit ihren Kindern nach Bayern geflohen sind. Eine Person schwebt am Montag noch in Lebensgefahr. Mehrere der Verletzten seien noch im Krankenhaus, aber “über dem Berg”, sagte Innenminister Herman.

Update vom 5. Juni 2022: Vermisste Personen können abgeklärt werden

Nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen konnte die Polizei die jüngsten Vermisstenfälle aufklären. In der Zwischenzeit wissen Sie von all den Menschen, die seit Freitagnachmittag als vermisst gemeldet wurden, wo Sie sind. Das teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Sonntag mit. Am Samstagnachmittag werden noch sieben Personen vermisst.

Bei einem Zugunglück nahe Garmisch-Partenkirchen sind am Freitag fünf Menschen ums Leben gekommen. Auch viele Menschen blieben zunächst vermisst, da mehr als 40 Verletzte in verschiedene Krankenhäuser gebracht wurden und noch nicht klar war, ob sich weitere Personen unter dem umgestürzten Auto befanden.

Update vom 4. Juni 2022: Zahl der Todesopfer steigt – sieben Personen noch immer vermisst

Dutzende Tote, Vermisste und Verletzte: Am Tag nach dem schweren Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen ist die Zahl der Todesopfer auf fünf gestiegen. Die Leiche eines Mannes wurde am Samstag (4. Juni 2022) aus den Trümmern entfernt, teilte die Polizei mit. Medienberichte, dass er Student sein muss, wurden von der Polizei auf Anfrage nicht bestätigt. Bei den anderen vier Toten handelt es sich laut Polizei um ältere Frauen.

Da einer der zerstörten Waggons angehoben werden konnte, rechneten die Einsatzkräfte nicht damit, weitere Tote zu finden. Das könne aber nicht ausgeschlossen werden, sagte ein Polizeisprecher. Etwa sieben Personen sind noch unbekannt. Möglich ist aber, dass sie unter den mehr als 40 Verletzten sind – darunter laut Angaben mehrere Schwerverletzte.

Rettungsdienste kämpften mit den Fallstricken einer komplexen Rettung. Versuche, beispielsweise Waggons mit Hebekissen anzuheben, scheiterten zunächst. Die Waggons seien “verdreht und verdreht”, sagte ein Polizeisprecher. “Das macht die Rettung so schwierig. Man muss Schritt für Schritt vorgehen.”

„Das ist eine tolle Veranstaltung“, sagte Bayerns Ministerpräsident Marcus Söder (CSU) bei einem Besuch vor Ort. “Wir hoffen sehr, dass es keine weiteren Todesfälle geben wird.” Ein solcher Vorfall ist immer ein Schock und ein “Stich ins Herz”. Es war ein Zug, der für viele Studenten da war. Man muss sich das so vorstellen: Kurz vor den Feiertagen herrscht ausgelassene Stimmung im Zug, in einer der schönsten Regionen Bayerns – und dann passiert etwas Ähnliches und …