Veröffentlicht am 23. Juni 2022, 21:52 Uhr
Nahezu jedes Schweizer Unternehmen hat bereits einen Cyberangriff erlitten. Krieg erhöht die Gefahr. Der Branchenverband Swissmem warnt nun vor militärischen Aktionen.
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Der Branchenverband Swissmem meldet häufige Cyberangriffe auf Schweizer Unternehmen.
IMAGO / Panamabilder
Für Unternehmen kann der Schaden in die Millionen gehen und existenzbedrohend sein.
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Besonders gefährdet sind kleine Unternehmen, die keine Erfahrung in der Selbstverteidigung haben.
20 Minuten / Celia Nogler
Schweizer Unternehmen sind ständig von Cyberangriffen bedroht. Gemäss einer Umfrage von Mitgliedern des Branchenverbands Swissmem hatten 70 Prozent der Industrieunternehmen des Landes in den letzten zwei Jahren mindestens einen Angriff – einige Unternehmen waren in den zwei Jahren mehr als 20 Mal betroffen.
Der Schaden gehe in die Millionen und bedrohe die Existenz einiger Unternehmen, teilte der Verband in einer Mitteilung mit. «Cyberangriffe sind das grösste Sicherheitsrisiko für Unternehmen», sagte Swissmem-Präsident Martin Hirzel bei der Präsentation der Studie an der Jahrestagung am Donnerstag.
Cyberangriffe im Rahmen einer Militäraktion
Besonders gefährdet sind laut Hirzel kleine Unternehmen, die nicht über das Spezialwissen verfügen, um sich zu verteidigen. Doch viele von ihnen arbeiten im Hightech-Bereich und benötigen daher besonderen Schutz für sensible Daten. Wird ein anderes Unternehmen gestohlen oder manipuliert, ist die Wettbewerbsposition des Unternehmens gefährdet.
Der Krieg in der Ukraine verschärft die Bedrohungslage zusätzlich. „Cyberangriffe auf kleine Zulieferer großer Unternehmen können Teil einer militärischen Kampagne sein, und wir sehen ein großes Risiko“, sagte Hirzel.
Wie gross die Gefahr durch russische Hacker nach dem Krieg war, ist jedoch nicht ersichtlich, so Professor Welly Hostetler von der Universität Bern, der die Umfrage unter den Unternehmen durchführte. „Wir wissen nicht, woher die Angriffe kommen, das ist ein großer Nachteil“, sagt Hostetler.
Ein Problem sieht der Experte darin, dass viele Unternehmen nur ungern Cyberangriffe melden. Unternehmen befürchten einen möglichen Imageverlust. Es gibt bereits viele Vorkehrungen von Schweizer Unternehmen, aber die Aufmerksamkeit sollte nicht ausgelassen werden.
Jedes Unternehmen müsse technisch und organisatorisch stets darauf vorbereitet sein, Angriffe abwehren zu können, sagt Swissmem-Präsident Hirzel. „Sicherstellen, dass es die Frage des Chefs ist“, sagte Hirzel. Aus diesem Grund hat Swissmem zusammen mit den Verbänden Asut und Swisstnet ein spezielles Angebot für Industrieunternehmen im Bereich Sicherheit geschaffen.
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