Nachdem Smartphones schnell den Markt erobert haben, wächst nun der Wunsch nach Nachhaltigkeit. Aber wo ist das Problem?
Smartphones tauchten schnell und plötzlich auf. Doch mit der nachlassenden Innovationskraft dieses Marktes wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. Damit Geräte länger halten, bedarf es jedoch mehr als nur recycelter Verpackungen.
Smartphone-Haltbarkeit als beliebtester Haltbarkeitsfaktor
Nachhaltigkeit ist ein heißes Thema. Und Smartphone-Hersteller wissen es auch. Immer mehr Smartphone-Hersteller investieren in ESG-Programme, recyceln Verpackungen, verpflichten sich zu einer emissionsfreien Produktion und verkaufen ihre Produkte ohne Ladegeräte. Besonders der westeuropäische Markt ist von einem extremen Nachhaltigkeitsbewusstsein geprägt.
In einer kürzlich veröffentlichten Studie untersuchte Canalys das Interesse westeuropäischer Verbraucher an gebrauchten und generalüberholten Smartphones. Es zeigte sich, dass die Mehrheit der Befragten der Langlebigkeit der Geräte unter allen Nachhaltigkeitsfaktoren die höchste Bedeutung beimisst. Ein Faktor, der von Geräteherstellern oft übersehen wird. Fest verbaute Akkus und eine teilweise sehr dubiose Update-Politik sprechen für sich. Aber dazu später mehr.
Jüngere Verbraucher greifen eher zu gebrauchten Smartphones
Darüber hinaus bekundeten 5 % der Befragten an dieser Umfrage Interesse an einem generalüberholten Gerät. 10 % geben an, immer noch bereit zu sein, ein gebrauchtes Smartphone zu verwenden.
Was zunächst klein erscheint, beläuft sich schließlich auf mehrere Millionen Smartphones pro Jahr. Zumal laut Canalys das Interesse an diesen Geräten vor allem bei Verbrauchern unter 30 Jahren deutlich gestiegen ist. Daher ist zu erwarten, dass der Anteil mit dem Vorrücken der jüngeren Generationen weiter steigen wird.
Um jedoch weitere Teile der verbleibenden 85 % des Marktes zu erschließen, müssen auch zusätzliche Anreize geschaffen werden. Dies können finanzielle Vorteile, robustere Geräte mit längerer Lebensdauer und Abonnementmodelle ähnlich Device-as-a-Service sein.
Alte Geräte verkaufen sich schlecht, wenn sie in der Schublade verschwinden
Um gebrauchte und generalüberholte Geräte überhaupt kaufen zu können, muss es Menschen geben, die ihre Altgeräte spenden. Schließlich muss die Nachfrage schließlich bedient werden. Doch wie die Umfrage von Canalys zeigt, behalten viele Nutzer ihr altes Smartphone als Ersatzgerät. Zumindest wenn man sich die Grund- und Mittelstufe anschaut. Das dürfte nicht zuletzt am geringen Wiederverkaufswert dieser Geräte liegen.
High-End-Modelle hingegen werden viel häufiger durch Inzahlungnahmen oder auf andere Weise weitergegeben und erhalten so ein zweites Leben. Im Allgemeinen sollte das Angebot die Nachfrage nach wiederverwendbaren Geräten übersteigen. In der Praxis gibt es oft einen Überschuss an gebrauchten Smartphones. Sie können aber zumindest vom Handel effektiv recycelt werden, wenn er keinen Abnehmer findet.
Software ist oft ein Engpass
Dass Langlebigkeit bei Smartphones eine immer wichtigere Rolle spielt, liegt wohl nicht zuletzt an der Entwicklung der Gerätepreise. Konnte man vor einigen Jahren ein neues High-End-Gerät für unter 400 Euro kaufen, werden heute für diese Geräteklasse oft vierstellige Summen verlangt. Darüber hinaus hat die Innovation in diesem Sektor an Dynamik verloren.
Ein Samsung Galaxy S2 wäre allein aus technischer Sicht nach 6 Jahren nahezu unbrauchbar, da dem verbauten Prozessor einfach die Power für moderne Anwendungen fehlte und auch die geringe Auflösung des Displays mit der Zeit zu einem großen Hindernis wurde.
Aber das OnePlus 3, dessen Release-Datum bereits mehr als 6 Jahre zurückliegt, war bereits mit einem FullHD-AMOLED-Bildschirm ausgestattet und hat mit seinem Snapdragon 820 und 6 GB RAM noch genug Power, um moderne Anwendungen nutzen zu können ohne große Einschränkungen. Doch ein Manko bleibt: die Software.
Gebrauchte Smartphones machen in puncto Hardware mehr denn je Sinn. Aber noch mehr lohnt es sich, immer den Stand der Software zu überprüfen und zu prüfen, wie viele Updates vom Gerätehersteller noch zu erwarten sind. Denn früher oder später wird Software immer zum Flaschenhals.
Garantie aktualisieren oder nicht. Versprechen eines 4-Jahres-Updates sind ein Tropfen auf den heißen Stein, da Hardware auch in Zukunft langsamer altern wird. Und versprochene Updates sind keineswegs gelieferte Updates, wie die Vergangenheit oft gezeigt hat.
Dass Hersteller von technischen Geräten oft gar kein Interesse daran haben, diese auf eine lange Lebensdauer auszulegen, zeigte zuletzt die Firma Epson, die einige ihrer Drucker vorzeitig absetzte, obwohl diese technisch noch voll funktionsfähig waren.
Deine Meinung zählt
Was denkst du über dieses Thema? Findest du auch die Software die größte Hürde oder ärgerst du dich eher über fest eingelegte Akkus?
Und welche Erfahrungen haben Sie mit der Update-Richtlinie Ihrer bisherigen Smartphones gemacht? Du nimmst die Sache selbst in die Hand und setzt auf alternative Betriebssysteme wie LineageOS?
Und was würden Sie sich konkret von den Smartphone-Herstellern wünschen, damit Sie Ihre Smartphones länger nutzen und eher auf Gebrauchtgeräte zurückgreifen?
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