Der frühere japanische Ministerpräsident Shinzo Abe (†67) wurde am Freitag vor vielen Menschen erschossen.
Der Mörder ist der 41-jährige Tetsuya Y.* Der ehemalige Marinesoldat schoss zweimal von hinten mit einer selbstgebauten Waffe auf Abe, während er in der Stadt Nara eine Wahlkampfrede hielt.
Fotos zeigen den Täter, der während der Rede im Hintergrund auf Abe wartet. Auf Videoaufnahmen von Reportern sind zwei Schüsse deutlich zu hören. Der Angreifer wurde am Tatort festgenommen. Der Mörder wird am Sonntag der Staatsanwaltschaft übergeben.
Attentat auf ehemaligen japanischen Premierminister: Schütze hier besiegt (00:38)
Galgen Zustimmung ist sehr hoch
Der Japan-Experte Takuma Melber erklärt nun gegenüber “Bild”, was Tetsuya Y. nun wohl vorhat.
In Japan gibt es immer noch die Todesstrafe. Es ist neben den USA die einzige Industrienation, in der dies durchgesetzt wird. Im Gegensatz zu den Amerikanern werden die Verurteilten nicht mit tödlichen Injektionen gespritzt, sondern an den Galgen gehängt.
Die Zustimmung zu dieser Strafe ist im Land der aufgehenden Sonne extrem hoch. Laut Melber liegt der Anteil der Gegner in der Bevölkerung bei weniger als zehn Prozent.
Daher glaubt der Historiker, dass dieses Schicksal auch Tetsuya Y bevorsteht. „Angesichts von Abes Größe als Staatsmann kann ich mir nicht vorstellen, dass es für dieses Verbrechen keine harte Strafe geben wird. Ich gehe davon aus, dass der Täter zum Tode verurteilt wird“, sagte er der Bild.
Die Polizei räumt mangelnden Schutz ein
Abe war von Dezember 2012 bis September 2020 Premierminister, zuvor von September 2006 bis September 2007. Er trat im September 2020 aus gesundheitlichen Gründen als Premierminister zurück.
Aber trotz seines Ausscheidens aus dem Amt blieb er weiterhin ein wichtiger Berater des Premierministers. Melber ist sich deshalb sicher, dass ein Todesurteil auf breite Zustimmung stoßen wird.
Wie es Tetsuya Y überhaupt gelang, Shinzo Abe so nahe zu kommen, muss geklärt werden. Inzwischen hat die japanische Polizei Versäumnisse beim Schutz ehemaliger Ministerpräsidenten eingeräumt. Mehrere Einschusslöcher wurden im Schild eines Wahlkampfautos gefunden, das dem lokalen Kandidaten gehörte, von dem Abe sprach, sagten Quellen am Samstag.
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Schuss für die Mondsekte?
Bei seiner Vernehmung sagte Y., er habe aus Hass auf eine religiöse Gruppe gehandelt, die Abe unterstütze.
Seine Mutter spendet große Geldsummen an die religiöse Organisation, die sie ruiniert. Weder die Polizei noch japanische Staatsmedien waren bisher bereit, die Gruppe zu nennen. Das Online-Magazin „Gendai Business“ will jedoch aus recherchierenden Quellen erfahren haben, dass es sich um die umstrittene Vereinigungskirche des verstorbenen Gründers der koreanischen Sekte San Myung Moon handelt.
Die auch als Mondsekte bekannte Vereinigungskirche hat Mitglieder in vielen Ländern, einschließlich Japan, und unterstützt konservative politische Anliegen. Politiker wie der frühere US-Präsident Donald Trump, 76, und Abe gelten ihr als freundlich.
Moon, der stark antikommunistisch war, gründete es 1954. Dank einer treuen Anhängerschaft baute er ein Unternehmensimperium auf, das ihn zum Milliardär machte. Er war bekannt für spektakuläre Shows, darunter Massenhochzeiten. Zuvor hatte es in japanischen sozialen Medien Spekulationen gegeben, dass Abes Mörder sich auf diese Gruppe bezogen haben könnte. Dafür gibt es keine Bestätigung.
Medienberichten zufolge bestreitet der geständige Mörder die Tat aus Groll über Abes politische Überzeugungen. Dabei hatte er es zunächst gar nicht auf einen rechtskonservativen Politiker abgesehen, sondern auf einen religiösen Gruppenführer.
Japan wählt das Oberhaus
Nach dem Mord waren die Wähler im Land am Sonntag aufgerufen, darüber abzustimmen, wer das Oberhaus des nationalen Parlaments besetzen wird. Schon vor Abes Ermordung zeigten Umfragen, dass seine Liberaldemokratische Partei (LDP) und ihr kleinerer Partner Komeito ihre bisherigen Mehrheiten wahrscheinlich festigen würden. Alle drei Jahre wird die Hälfte der 248 Sitze im House of Lords vergeben. Die Wahllokale schließen um 20:00 Uhr Ortszeit.
Ein klarer Sieg würde die Machtposition von Premierminister Fumio Kishida in einer Zeit stärken, in der Japans wirtschaftliche Erholung von der Coronavirus-Pandemie durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise bedroht ist. Angesichts des Einmarsches Russlands in die Ukraine und des Machtstrebens Chinas fordert seine Partei zudem eine deutliche Erhöhung der Militärausgaben. (Mensch/SDA)
* Der Name ist bekannt
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