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Sophie Karmasin: „Bitte noch nicht aufladen, gewinnen kann man nichts“

Die frühere Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) soll trotz Gehaltsfortzahlung durch lukrative Verträge Geld verdient haben. Diese Nebeneinkünfte sind gesetzlich verboten.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hat in einem Gutachten die Zusammenarbeit der ehemaligen ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin und der Soziologin Sabine Beinshab bewertet. Der Bericht liegt der Presse vor: Karmasin Beinshab soll bei der Rechnungsstellung abgeschlossener Projekte am 2. Februar 2018 geschrieben haben: „Aber bitte noch nicht abrechnen, erst im Juni. Ich kann nichts gewinnen’.

Ein Gesetz erlaubt es Politikern, nach ihrem Ausscheiden für maximal sechs Monate 75 Prozent ihres Monatsgehalts weiter zu beziehen. Im Falle von Karmasin sind das insgesamt 74.000 Euro. Am 18. Dezember 2017 legte sie ihr seit 2013 ausgeübtes Ministeramt nieder.


Profitable Projekte als Minister


Das bestehende Verbot hinderte Karmasin jedoch nicht daran, gemeinsame Projekte mit Beinschab durchzuführen und daraus Einnahmen zu erzielen. Das zeigen Schätzungen von Rechnungseingängen und Projektankündigungen, die auch der „Presse“ zur Verfügung stehen. Dazu gehören eine Studie für Red Bull Mobile, eine Rechnung an Red Bull Media House, ein Projekt mit Pulse 4 und mehrere Vorträge. Karmasin soll auf diese Weise mehrere zehntausend Euro verdient haben.


Für Karmasin als Ministerin galt das Nebenspielverbot, das sie ebenfalls missachtete. So präsentierte sie Bainschab als ihren Nachfolger – Karmasin erhielt 20 Prozent der Auftragssumme für gemeinsame Projekte, unter anderem mit dem Finanz- oder Sportministerium oder der Tageszeitung „Österreich“.


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Die Politische Akademie hat eine Berichtigung beantragt


Karmasin soll Beinshab angewiesen haben, die entsprechenden Beträge erst im Juni 2018 zu überweisen, da ihr laut Gesetz nach wie vor kein Verdienst zusteht, wenn sie ihr Gehalt weiter zahlt. Dann verlangte Karmasin Ende Mai eine Liste mit Rechnungen für Vorträge. Auf der Liste steht unter anderem ein Vortrag an der Politischen Akademie der ÖVP im März 2018 – Karmasin hat die Rechnung erst im Juni vorgelegt.


Der Adressat forderte jedoch eine Berichtigung und wies darauf hin, „dass die Politische Akademie vom Rechnungshof geprüft wird und sie sich daher an sehr genaue Weisungen halten muss“. Der Anwalt von Karmasin, Norbert Vess, sagte gegenüber The Press: „Wir kennen den Bericht und werden ihn im Detail prüfen.“


Die laufende Zahlung hat Karmasin übrigens nach Bekanntwerden der Affäre zurückgezahlt. Für sie gilt ebenso wie für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.