Marktbericht
Stand: 30.05.2022 16:17 Uhr
Angesichts der jüngsten Inflationsdaten kann der Aktienmarkt höhere Gewinne zunächst nicht verkraften. Aber der DAX bleibt im positiven Bereich. Die US-Börsen bleiben heute geschlossen.
Der deutsche Aktienmarkt konnte am Montagnachmittag seinen lebhaften Wochenstart nicht aufrechterhalten. Auf die Binneninflation von 7,9 % im Mai reagierten die Anleger zunächst mit Verkäufen. Ein Ausverkauf kann dies aber nicht sein, denn der DAX bleibt gut ein halbes Prozent im Plus und bewegt sich weiterhin in einer überschaubaren Handelsspanne zwischen 14.519 und 14.589 Punkten.
„Der Inflationsherd steht weiterhin unter Druck. Im Einzelhandel wird es weitere Preiszyklen geben. Daher muss davon ausgegangen werden, dass die Inflation auf noch höhere Niveaus steigen wird. Die EZB hat die Wetterzeichen zu spät erkannt“, kommentierte Thomas Gitzel von der VP Bank.
Für viele Experten ist die Zinserhöhung der EZB im Juli bereits beschlossene Sache. Ob die seit langem sehr zurückhaltende EZB das Inflationsgespenst wirksam bekämpfen kann, ist allerdings fraglich. Ohnehin steigt mit den Daten der Druck auf die europäischen Währungshüter. Daten für die gesamte Eurozone werden morgen erwartet.
War das der Rat?
Zukünftig wird es an den Märkten wohl noch mehr Diskussionen darüber geben, ob der Höhepunkt der Inflationswelle nun erreicht ist. „Die Inflation nähert sich ihrem Höhepunkt. Ab Mitte des Jahres wird die Inflationsrate nur noch aus statistischen Gründen sinken, weil dann die starken Preissteigerungen aus dem ersten Halbjahr 2021 nicht in den Jahresvergleich einfließen. “, erklärte ZEW-Experte Friedrich Heinemann.
Dieser prognostizierte Rückgang der Inflation sollte jedoch nicht als langfristige Entlastung missverstanden werden. Das Ziel der EZB von zwei Prozent Inflation sei noch weit von Deutschland und der Eurozone entfernt, so Heinemann weiter.
Chinas Hoffnungen bleiben
Im bisherigen Handelsverlauf wurde der DAX vor allem von Hoffnungen auf eine Normalisierung in China gestützt und legte zu. Experten der Credit Suisse sprechen von einer «Ersatzkundgebung». Denn in der Wirtschaftsmetropole Shanghai müssen ab Mittwoch die meisten Sperrmaßnahmen aufgehoben werden.
Aktualisierung der Wirtschaft vom 30.05.2022
Stefan Wolf, Personal, 30.5.2022 09:55 Uhr
Zu den größten Gewinnern im Leitindex zählen Aktien, die zuletzt so stark gefallen sind wie Delivery Hero oder Zalando. Anleger haben auf einer niedrigeren Ebene Zugang dazu. Börsenbetreiber Deutsche Börse tendiert dagegen eher schwächer, auch Linde macht einen Rückzieher und kämpft mit der 300-Euro-Marke. Letzteres jammert allerdings auf hohem Niveau, denn mit Preisen um die 300 Euro bewegt sich der Hersteller von Industriegasen nahe an seinem historischen Maximum.
DAX mit technischem Kaufsignal
Zuletzt ist das technische Bild im DAX deutlich klarer geworden. In der Vorwoche konnte das Börsenbarometer den seit Januar anhaltenden Abwärtstrend überwinden und übersprang dann die Widerstandszone bei 14.200 Punkten. Damit sendete der deutsche Leitindex ein technisches Kaufsignal, das die Aktien des DAX auch heute stützt.
Die Importpreise sind auf den höchsten Stand seit 1974 gestiegen
Ein negatives Indiz für die Märkte kommt derweil von den bereits am Morgen veröffentlichten Importpreisen. Demnach stiegen die deutschen Importe im April aufgrund höherer Energiepreise um 31,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat. “Letztmals gab es im September 1974 im Rahmen der ersten Ölkrise eine höhere Jahresveränderung”, teilte das Statistische Bundesamt mit.
Die US-Börsen bleiben geschlossen
Aus den USA kommen heute keine Impulse mehr, da die Märkte in den USA wegen des Remembrance Day geschlossen sind. Die Wall Street ist am Freitag stark gestiegen. Der Leitindex Dow Jones stieg um 1,76 Prozent auf 33.212 Punkte. Der Technologiemarkt der Nasdaq stieg um mehr als drei Prozent.
Der Euro bleibt dank Zinsspekulationen gefragt
Daten zur deutschen Inflation bringen den Euro nicht aus der Bahn. Die Gesamtwährung stieg auf 1,0780 $ und markierte damit den höchsten Stand seit fünf Wochen. Der Dollarindex fiel derweil um 0,3 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Tief. Marktwirtschaftliche Daten für die USA werden heute nicht mehr erwartet.
Ein schwächerer Dollar lässt den Goldpreis steigen
Gold ist einer der Nutznießer des schwächeren Dollars. 1.860 Dollar wurden am Nachmittag für eine Unze Gold gezahlt, ein Plus von knapp 0,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Der schwächere Dollar macht Gold im Nicht-Dollar-Bereich billiger und erhöht damit die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall.
Bitcoin auf einem Zwei-Wochen-Hoch
Die wachsende Risikobereitschaft vieler Anleger kommt nicht nur den Börsen, sondern auch dem Kryptowährungsmarkt zugute. Bitcoin stieg um 7,4 Prozent auf 30.859 US-Dollar, sein Zwei-Wochen-Hoch. Aktuell liegt der Zuwachs bei gut 3,5 Prozent. Äther …
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