Der Bestand der 1735 gegründeten Stiftsbibliothek umfasst mehr als 100.000 Bände, darunter 1.800 Handschriften und 750 Inkunabeln aus der Frühzeit des Buchdrucks zwischen etwa 1470 und 1500. Das älteste Werk stammt aus dem frühen 9. Jahrhundert und befasst sich mit Naturkunde . Unter der Leitung von Papierrestauratorin Bettina Dräxler werden nun jährlich rund 10.000 Bände gereinigt, mit dem Bestand abgeglichen und auf Beschädigungen untersucht. „Ziel ist es, bis 2032 mehrere tausend Bücher zu restaurieren“, sagt Drexler.
Am meisten fürchten sie den Holzwurm
In den für Besucher zugänglichen Räumen der Bibliothek mit großem und kleinem Saal ist nur ein kleiner Teil der Bestände einsehbar. Der Rest verteilt sich auf mehrere Stockwerke und ist über eine Wendeltreppe zu erreichen. Beim Durchsuchen der Regale werden oft ungedeckte Bücher entdeckt. Einige Mängel sind weniger offensichtlich und fallen erst bei genauerem Hinsehen auf, wie z. B. Schimmel. Schädlingsüberwachungsfallen werden auf dem Boden vor den Bibliotheken aufgestellt. “Der Holzwurm ist am gruseligsten”, sagte Drexler.
APA/Helmut Fohringer Vom Holzwurm perforierte Bücher, Schimmel und fehlende Einbände: Auf die Restauratoren im Stift Melk wartet in den nächsten Jahren viel Arbeit
Der Experte schätzt, dass etwa zehn Prozent des Inventars beschädigt sind und wiederhergestellt werden können. Konstante Temperaturen und eine Luftfeuchtigkeit unter 60 Prozent seien für Bücher wichtig, so Drexler. „Durch gute Lagerung sind nur sehr wenige Bücher von Schimmel befallen“, sagt der Papierrestaurator. Manchmal richten „gut gemeinte Reparaturen“, etwa bei unsachgemäßer Verklebung, große Schäden an.
Eine Buchrestaurierung kann bis zu 10.000 Euro kosten
Zusammen mit vier Praktikanten wird das Inventar im Rahmen der Restaurierung jeden Sommer kontrolliert und gereinigt. Dazu werden die Volumina zunächst einzeln von Staub gereinigt. Anschließend werden die Bücher von allen Seiten mit einem Latexschwamm abgewischt.
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Bei Schimmelbefall – meist durch Wasserschaden – wird das Klebeband desinfiziert. Bei Verlust von Seiten oder des Umschlags wird die Arbeit in einen Kartonumschlag gesteckt. Geprüft wird die Qualität von Papier und Einband sowie ob die Werke von Schädlingen befallen sind. Schäden werden protokolliert.
Anhand der Schadenskartierung wird entschieden, welche Bücher restauriert werden – diese Aufträge werden an spezialisierte Firmen vergeben. Das ist ein aufwändiges und teures Unterfangen: Fehlt zum Beispiel die Hülle, müssen Sie mit mindestens 500 Euro rechnen. Eine Restaurierung kann bis zu 10.000 Euro kosten, auch wenn sie lange dauert.
Die Sanierung soll auch den Wissenschaftsstandort stärken
Der Großteil der Investitionskosten entfällt jedoch auf bauliche Maßnahmen in der Stiftsbibliothek als Teil des UNESCO-Welterbes. Die Restaurierung umfasst unter anderem die Erneuerung der Türen und Fenster inklusive Verglasung mit UV-Schutz, das Raumklima soll verbessert werden. Auch ein Brandschutz ist installiert, der den Brand mit Wassernebel löschen soll.
APA/Helmut Fohringer Etwa zehn Prozent der Bücher in der Stiftsbibliothek sind vermutlich beschädigt und können restauriert werden. Konstante Temperaturen und eine Luftfeuchtigkeit unter 60 Prozent sind für Bücher wichtig.
Außerdem werden die Räumlichkeiten der Bibliothek erweitert und ein neues Handschriftenzimmer und Archiv eingeweiht. Der Bodenaufbau der Altane – der Balkon, von dem aus Besucher das Donautal und die Stadt Melk sehen können – wird erneuert. Außerdem wird die Fassade des Bibliotheksflügels saniert. Die Arbeiten werden im laufenden Betrieb durchgeführt.
Bei der Restaurierung gehe es darum, „das Gebäude für künftige Generationen zu schützen und den Abnutzungserscheinungen entgegenzuwirken“, erklärt Dable. Das Know-how, alte Bücher zu schützen – zum Beispiel mit UV-Schutzglas – nimmt zu. Bei der Arbeit liegt der Schwerpunkt auf eigenen Handwerkern und lokalen Lieferanten. Es kam auf den Auftrag an, seit der Klostergründung 1089 das Gelände zu pflegen und als Bildungszentrum zu fungieren. Durch die Restaurierung wird laut Dable auch der Wissenschaftsstandort gestärkt.
Die Kosten für die erste Stufe der Sanierung belaufen sich auf 500.000 Euro, davon gehen 47 Prozent zu Lasten des Klosters. 25 Prozent kommen vom Land, 15 Prozent vom Bund und drei Prozent von der Stadt Melk. Der Verein „Ex litteris immortalitas“ („Durch Bücher unsterblich“) – benannt nach der Inschrift am Westeingang der Stiftsbibliothek – will sich mit zehn Prozent an den Gesamtkosten beteiligen.
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1000 Besucher weniger pro Tag als vor der Pandemie
Das barocke Stift Wachau mit seiner weltberühmten Bibliothek verzeichnet seit Ausbruch der Pandemie deutlich weniger Touristen. In diesem Jahr wurden seit Mai jeden Monat etwa 30.000 Besucher weniger registriert als in den Jahren vor der Pandemie. So waren es im Juli etwa 47.500 Gäste statt durchschnittlich 78.000 vor der Pandemie. Pater Ludwig Wenzl, Kultur- und Tourismusdezernent von Stift Melk, teilte auf Nachfrage mit, dass es einen starken Rückgang asiatischer Reisegruppen gegeben habe.
Für die dem Kloster wichtigen Flusskreuzfahrtgäste spielen laut Wenzl die eingeschränkten Reisemöglichkeiten auf der Donau aufgrund des Krieges in der Ukraine und des aktuellen Niedrigwassers eine Rolle. Der Busfahrgastmarkt erholt sich langsam und es gibt auch kurzfristige Absagen von Gruppen aus Österreich und den Nachbarländern.
Von einer “Vor-Corona”-Normalität sei nicht auszugehen, sagte er. Das Virus hat das Reiseverhalten stark verändert, hinzu kommen die aktuelle Weltwirtschaftslage, der Krieg in der Ukraine, Preiserhöhungen und Personalengpässe. „Wir denken, dass wir uns an eine neue Realität anpassen und unser Angebot an diese neue Realität anpassen müssen, aber dies sollte unbedingt als Chance gesehen werden“, blickt das Unternehmen dennoch optimistisch in die Zukunft.
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