500 Gigawattstunden als Sicherheit
Stromkunden müssen eine Wasserkraftreserve zahlen
Im Kampf gegen die winterliche Stromknappheit hat der Bundesrat am Mittwoch die Details der Wasserkraftreserve geregelt. Ab Oktober können Tankbetreiber Vorschläge zur kostenpflichtigen Vorratshaltung einreichen. Diese zahlen die Stromkunden.
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Die Stauseen der Schweiz – der Stausee Zervreila – sind die wichtigste Energiereserve der Schweiz.
Die Schweizer Stauseen sind die einzigen echten Stromspeicher unseres Landes – und in einem Krisenjahr wie diesem besonders wertvoll. Niemand weiss, ob die Schweiz im Winter genug Strom importieren kann, um hier alle Lichter anzulassen. Russland liefert derzeit kein Gas, in Frankreich stehen zahlreiche Atomkraftwerke still – Strom könnte also knapp werden, so Energieministerin Simonetta Somaruga (61). Der Bundesrat tut alles, um eine Verknappung zu verhindern. Aber: “Es gibt keine Garantien.”
Um eine Sicherheitsreserve zu haben, will der Bundesrat in den Stauseen eine Wasserreserve vorhalten. Das sollen 500 Gigawattstunden (GWh) sein – genug, um einen 24-tägigen Stromausfall zu überbrücken. Dies aber nur, wenn alle Schweizer Kernkraftwerke normal produzieren. Fällt das Kernkraftwerk Leibstadt aus, wird diese entsprechend reduziert, wie Werner Luginbühl (64), Präsident der Elektrizitätskommission, am Mittwoch in Bern erklärte.
Nur wenn es keine Importe mehr gibt
Die Reserve dient lediglich der Sicherstellung der Stromversorgung während der kritischen Phase am Ende des Winters. Konkret: Es soll nur dann gerufen werden, wenn aus Deutschland und Frankreich kein Strom mehr kommt, aus Italien und Österreich nur noch wenig importiert werden kann und der Stromverbrauch wegen Kälte um zehn Prozent steigt.
Anfang Oktober wird die Netzgesellschaft Swissgrid die Wasserkraftreserve ausschreiben. Anschließend können interessierte Speicherkraftwerksbetreiber ihre Gebote abgeben. Wer den Auftrag bekommt, muss eine bestimmte Menge Wasser bis zum Ende des Winters vorhalten. Laut Luginbühl sind etwa sieben Stauseen in verschiedenen Landesteilen nötig, um 500 GWh zu erreichen. Reserven müssen vom 1. Dezember 2022 bis zum 15. Mai 2023 gehalten werden.
Die Kilowattstunden steigen um 1,2 Rappen
Tankbetreiber werden dafür entschädigt. Wie Somaruga sagte, schätzt der Bundesrat die Kosten auf 650 bis 750 Millionen Franken. Diese Kosten werden an die Verbraucher weitergegeben. Eine Kilowattstunde soll etwa 1,2 Rappen teurer sein.
Liegen nach Auktionsende zu wenige oder zu teure Gebote vor, kann Sommarugas auch eine Gebühr festlegen und Kraftwerke zur Vorhaltung von Reserven verpflichten. «Aber der Bundesrat erwartet, dass die Elektrokonzerne ihrer Verantwortung gerecht werden», sagt Somaruga.
Die zweite Absicherung, die der Bundesrat gegen mögliche Stromengpässe vorsieht, sind Ersatzkraftwerke, die mit Gas, Öl oder Wasserstoff betrieben werden. Dazu hat der Bund letzte Woche mit der Firma GE Gas Power einen Vertrag über den Betrieb von acht entsprechenden Turbinen bei der Birr AG unterzeichnet. (sf/SDA)
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