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Strompreisbremse: AK glücklich, SPÖ und FPÖ sauer, ÖVP-Vorarlberg kritisiert

Nach Angaben der Bundesregierung muss jeder Haushalt für diesen Anteil am Stromverbrauch, der 80 Prozent des durchschnittlichen Verbrauchs eines österreichischen Haushalts im Vorjahr entspricht, einen geringeren Strompreis zahlen. Die Grenze sollte also bei 2900 kWh liegen. Alles darüber hinaus muss zum aktuellen Marktpreis bezahlt werden. Details des Modells sollen am Mittwoch enthüllt werden.

AK fordert „Strompreisdeckel plus“

AK begrüße die angekündigte Strompreissperre, die bereits veröffentlichten Eckpunkte würden im Wesentlichen der von AK und ÖGB geforderten Obergrenze für Haushaltsenergiepreise entsprechen, hieß es in einer Aussendung am Montag. Für rund 780.000 einkommensschwache Haushalte fordert die AK jedoch einen „Strompreisdeckel plus“, der entweder eine Erhöhung der geförderten Strommenge oder einen niedrigeren Strompreis vorsieht. Außerdem will AK die Strompreisbremse auf Erdgas und Zentralheizung ausweiten, um Wohnungskälte im Winter zu verhindern. „Um diese Maßnahmen gegenzufinanzieren, müssen allerdings die Gewinne jener Unternehmen abgezogen werden, die enorm von der Energiekrise profitieren“, bestätigt Tobias Schweitzer, Wirtschaftsdezernent der Arbeiterkammer Wien.

Geringere Kosten in Westösterreich

Die Kritik kommt von der ÖVP selbst. Die ÖVP-Vorarlberg beklagt, dass „die Kunden Vorarlbergs praktisch nicht entlastet werden“ und fordert eine „Überarbeitung des Modells“. Westliche Bundesländer sollten nicht für niedrige Strompreise bestraft werden. Hintergrund: Die Bundesregierung will 2,5 Milliarden Euro für die Strompreisbremse ausgeben. Aufgrund der relativ niedrigen Strompreise in Vorarlberg käme dieses Geld den Haushalten in Vorarlberg nur in sehr geringem Umfang zugute.

16 Cent gegenüber 42 Cent

Laut Christoph German, Geschäftsführer des Landesenergieversorgers Illwerke/VKW, kostet eine Kilowattstunde Strom für einen durchschnittlichen Haushalt in Vorarlberg derzeit 16 Cent (Gesamtpreis; Verbraucherpreis: 9,68 Cent netto), in Wien sind es über 42 Cent .

Für IHS-Geschäftsführer Klaus Neusser ist das geplante Modell „gar nicht so schlecht“, wie er dem Ö1-Mittagsjournal sagt. “Eine genaue Option wäre langsam und sehr kompliziert.” Es sei „eigentlich unmöglich“, die komplexen Lebenssituationen aller Menschen in einen Tarif zu übertragen.

Model kommt für SPÖ zu spät und entlastet „zu wenig“

„Mit der lange angekündigten und nun zu spät versprochenen Strompreisbremse setzt die türkis-grüne Bundesregierung die Fehler der Vergangenheit im Kampf gegen die Inflation unverfroren fort“, kritisiert SPÖ-Vizechef Jörg Leichtfried . „Die Regierung ist weder in der Lage noch willens, unserer Bevölkerung und unserem Land in dieser Krise wirksam und nachhaltig zu helfen.“ Die Strompreissperre werde erst im Winter in Kraft treten und sei zudem „zu gering“. Auch SPÖ-Sprecher Christoph Matznetter beklagte, dass es keine Entlastung für Gaserhöhungen gebe. “Noch schlimmer”, sagten Leichtfried und Matzneter, “ist, dass die Strompreisbremse selbst bezahlt wird” – man brauche direkte Eingriffe in die Energiepreisgestaltung.

Kickl zieht einen Vergleich mit der DDR und fordert eine Volksabstimmung über die Sanktionen

Die Strompreisbremse kommt zu spät und zu kompliziert für FPÖ-Chef Kickle, der erneut einen Ausstieg aus den wegen des Angriffs auf die Ukraine verhängten Sanktionen gegen Russland fordert. „Mit den Sanktionen haben die ÖVP, die Grünen, die SPÖ und die NEOS den Keller geflutet, sie lassen immer noch Wasser rein und die Regierung gibt der Bevölkerung ein Sieb zum Ablassen, das sie auch selbst bezahlen muss. Das ist ein Strompreisbremssystem und erinnert durch die Quotenregelung eher an die Mangelwirtschaft zu DDR-Zeiten“, fauchte Kickle. Die FPÖ will beim Nationalrat einen Ausstieg aus den Sanktionen oder eine Volksabstimmung in dieser Angelegenheit beantragen – bei Scheitern kann man auch über eine Volksabstimmung nachdenken.

Neos vermissen die Nachhaltigkeit und finden das Gießkannenprinzip

Der Regierung sei nichts eingefallen, “außer teure Einmalzahlungen an die Gießkanne zu stecken”, zeigte sich auch Neos Wirtschafts- und Sozialsprecher Gerald Locker unzufrieden mit der Übergabe. Es fehlen nachhaltige Hilfsmaßnahmen und Einsparungen im Gegenzug. „Hohe Preise werden uns leider noch lange begleiten, aber der Staat kann nicht jahrelang alle Rechnungen decken und bezahlen – und gleichzeitig nichts am System ändern und keinen Cent weniger ausgeben.

NGOs mangelt es an Präzision, Österreichs E-Business lobt das Modell

GLOBAL 2000 hat deutlichen Verbesserungsbedarf festgestellt, der Umweltorganisation fehlte es beim aktuellen Vorschlag an Präzision. Nach einer ersten Einschätzung der Nichtregierungsorganisation würden vor allem Haushalte mit wenigen Personen und relativ hohem Energieverbrauch profitieren. Auch die Nichtregierungsorganisation “Attac” bewertete die “Strompreisbremse” als “asozial und klimaschädlich”. Der Vorschlag berücksichtigt weder die Haushaltsgröße noch progressive Tarife für „verschwenderischen Luxuskonsum“. Außerdem fehlt für die große Zahl kleiner Haushalte der Anreiz, Energie zu sparen.

Dagegen bezeichnete Österreichs Energie, die E-Business-Lobbygruppe, die bisher bekannten Eckpunkte als „unbürokratische und kundenfreundliche Lösung“. Lobenswert ist, dass keine gesonderte Bewerbung erforderlich ist. Nun müssen auch „praktische Lösungen“ für die Umsetzung gefunden werden. Der Start am 1. Dezember sei „ziemlich ehrgeizig“.