Veröffentlicht 12. Juli 2022, 04:20 Uhr
Wie lange sollten Sie sich nach einem Todesfall in Ihrer unmittelbaren Umgebung ausruhen? Dieses Thema sorgt gerade auf Linkedin für hitzige Debatten. Zwei Arbeitspsychologen kommentieren.
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Gemäss Arbeitspsychologin Nicole Kopp gewähren die meisten Schweizer Unternehmen ihren Mitarbeitenden ein bis drei Tage Urlaub bei einem Todesfall in unmittelbarer Nähe.
20 Minuten/Celia Nogler
Es sei völlig unrealistisch, einen solchen Todesfall so schnell verarbeiten zu können, sagt Kopp. Jeder ist anders mit der Trauer umgegangen. Die Lehre sagt jedoch, dass es ein bis sieben Jahre dauert.
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Die Arbeitspsychologin Laura Jau vom Berner Unternehmen Valion sagt, Trauer sei sehr individuell. Im Idealfall lässt sich eine einvernehmliche Lösung finden, doch viele Unternehmen sind sich der Problematik nicht ausreichend bewusst.
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„Jeder, der glaubt, zwei Tage nach dem Verlust eines geliebten Menschen wieder richtig arbeiten zu können, verpasst etwas“, schrieb Kathryn Erasmus von der Talentagentur Perspective auf LinkedIn. “Heilung hat keinen allgemeinen Zeitrahmen, es ist für jeden anders.”
Dieser Beitrag hat über 270 Kommentare generiert. Reichen zwei Tage aus, um sich vom Tod zu erholen? Oder braucht es mehr Freitage? Dazu äußerten sich zwei Arbeitspsychologen auf Nachfrage.
Schweizer Unternehmen regeln die arbeitsfreien Tage im Todesfall meist in den Statuten oder Arbeitsverträgen der Firma. Soweit keine Regelung besteht, gelten die Bestimmungen des Schweizerischen Obligationenrechts. Hier sprechen wir von „üblichen freien Stunden und Tagen“, die Mitarbeiter erhalten sollten.
In der Praxis bedeutet dies laut Arbeitspsychologin Nicole Kopp von der Firma Gobeyond, dass die meisten Unternehmen ein bis drei Tage freigeben. Es ist völlig unrealistisch, den Tod in unmittelbarer Nähe so schnell verarbeiten zu können. Laut Lehre dauert dies zwischen einem und sieben Jahren.
„Jeder geht anders mit Trauer um“, sagt Kopp im Gespräch mit der Redaktion. Denn auf den Tod eines nahestehenden Menschen könne man sich nie vorbereiten: „Akute Trauer ist immer ein Notfall.“ Aus diesem Grund hält sie es für sinnvoll, den Menschen mehr Freistellung als nur ein bis drei Tage zu gewähren.
Einfach weiter zu arbeiten kann funktionieren, weil es Normalität impliziert und manche Menschen die Stabilität genießen. Aber viele konnten auf diese Weise auch schlechte Ereignisse unterdrücken. Ob die Schweiz die gesetzlichen Vorgaben jemals ändern wird, ist fraglich: «Es hat Jahre gedauert, bis der Vaterschaftsurlaub eingeführt wurde.»
Ein Tabuthema in Schweizer Unternehmen
Laut Kopp sprechen Schweizer Unternehmen selten offen über die Trauer nach dem Tod. „Aber gerade Führungskräfte müssen wissen, wie man mit Trauer umgeht.“ Kopp rät Chefs, ihre trauernden Mitarbeiter immer wieder zu fragen, wie es ihnen heute geht. Das „Heute“ im Satz ist wichtig: Es erlaubt dem Subjekt zu sagen, dass es ihm heute den Umständen entsprechend gut geht.
Menschen leiden oft körperlich, wenn sie sterben und haben Probleme beim Essen oder Schlafen, sagt Kopp. Es ist also nicht möglich, produktiv zu arbeiten. Aber die Mitarbeiter müssen dies auch ihren Chefs mitteilen, um gegenseitiges Verständnis zu schaffen.
Catherine Erasmus schreibt in ihrem Artikel auf Linkedin, dass es auch Unternehmen gibt, die im Todesfall sieben bis 14 Tage Sonderurlaub gewähren – allerdings nur, wenn man schon lange im Unternehmen ist. “Das ist absurd”, sagt Kopp. „Trauer hat nichts damit zu tun, wie lange man in einem Unternehmen arbeitet.“
Manager sind überfordert
Die Arbeitspsychologin Laura Jau vom Berner Unternehmen Valion sagt, Trauer sei sehr individuell. Im Idealfall lässt sich eine einvernehmliche Lösung finden, doch viele Unternehmen sind sich der Problematik nicht ausreichend bewusst. „Dass Betroffene zum Arzt gehen müssen, um sich krankschreiben zu lassen, darf nicht sein“, sagt Zhao.
Viele Manager seien mit diesem Thema überfordert, sagt Zhao. Das hängt auch damit zusammen, dass am Arbeitsplatz noch zu wenig über Emotionen gesprochen wird. Veränderung braucht Zeit. Sie rät Mitarbeitern, sich an die Personalabteilung oder an jemanden ihres Vertrauens zu wenden, wenn ihr Vorgesetzter unvernünftig ist.
Trauern Sie oder jemand, den Sie kennen, trauert?
Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
Pro Senectute, Beratung für Senioren in schwierigen Lebenssituationen
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