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Acht Stunden Wartezeit, abgewiesene Patienten: Notfallstationen sind auf “Maximalbelegung” – die Gründe sind unklar.
Im Notfall herrscht im Inselspital Bern fast jeden Tag die gleiche Situation: «Maximalbelegung», heisst es. «Wir sind nicht die Einzigen in der Region», sagt Aristomenis Exadaktilos, Chefarzt des Notfallzentrums Inselspital in Bern. Auch das Spitalzentrum Biel sagt: «In der Notaufnahme herrscht ein sehr grosses Arbeitspensum.» Dazu gehören schwere Fälle.
Basel: „Nur Notkapazität“
Überfüllte Notaufnahme – dieses Foto ist auch im Universitätsspital Basel zu sehen (USB). Am vergangenen heißen Wochenende lagen mitten in der Nacht noch 60 Patienten in der Notaufnahme. „Wir mussten andere Krankenhäuser und Sanitäter bitten, nicht mehr Menschen aufzunehmen, die anderswo keine medizinische Versorgung bekommen können“, sagte USB-Sprecher Nicholas Drexler.
„Sonst würde die Wartezeit völlig außer Kontrolle geraten.“ Drechsler schätzt, dass an diesem Wochenende mehr als 50 Prozent mehr Patienten kamen. Die Wartezeiten erreichten manchmal acht Stunden.
Bei Kindern gibt es zusätzliche Virusinfektionen
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Legende: Schlussstein
Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Notaufnahme des Universitäts-Kinderspitals Basel (UKBB). Seit Jahresbeginn seien deutlich mehr Kinder erkrankt als in anderen Jahren, sagt UKBB-Sprecher Martin Bruni. „Wir gehen davon aus, dass die Kinder während der Pandemie sehr gut vor Viren geschützt waren. Aber jetzt sind sie noch mehr infiziert.“
Beispielsweise würde das RS-Virus die Atemwege befallen. Aber Norovirus ist auch ein Problem, das Erbrechen und Durchfall verursacht. „Wir können Notfälle behandeln. Aber unser Personal ist an der Grenze. Und vor allem an den Wochenenden gibt es sehr lange Wartezeiten“, sagt Bruni.
Generell stellt das UKBB auch fest, dass Eltern in Notfällen oft mit ihren Kindern kommen, obwohl dies medizinisch nicht notwendig wäre.
Laut Basel hat der Anstieg etwas mit der Zunahme von Kronenfällen zu tun. In Biel und Bern betonen Beamte, dass ihre Patienten nicht an Covid erkrankt seien. „Das sind medizinische Fälle aus dem Alltag, etwa Unfälle oder Herz-Kreislauf-Probleme“, sagt Aristomenis Exadaktilos.
Hitze und Alkohol
Spielt die Hitze der letzten Tage eine Rolle? Der Berner Chefarzt schliesst es nicht aus. Hohe Temperaturen sind jedoch nicht entscheidend. Vielmehr liegt es wohl daran, dass immer mehr Menschen draußen bleiben.
So sieht man es in Basel: «Draußen gibt es mehr Zwischenfälle. „Auch Dinge wie Alkohol oder nächtliches Baden funktionieren“, sagte Krankenhaussprecher Nicholas Drexler. Auf der anderen Seite leidet das Krankenhauspersonal immer noch unter den Auswirkungen der Pandemie. Notfälle sind unterbesetzt. Die Einstellung neuer Spezialisten ist schwierig.
Legende: Gutes Wetter, hohe Temperaturen: Menschen sind gerne draußen – was zu Unfällen führen kann. Schlussstein
Doch neben der aktuellen Sommerzeit sind auch die Notrufstationen stärker ausgelastet als noch vor einem Jahr. Gemäss Aristomenis Exadaktylos müssen in Bern monatlich rund 500 Menschen mehr dringend behandelt werden als im Vorjahr.
Soforthilfe erbeten
Generell gibt es nach der akuten Phase der Pandemie eine Zunahme – auch international. Die Gründe sind Experten zufolge nicht ganz klar. Wahrscheinlich gibt es einiges nachzuholen; Viele Menschen haben während der Corona-Krise Gesundheitseinrichtungen gemieden. Zudem war die Kronenzeit für die Menschen anspruchsvoll, was sich noch heute auf ihre Gesundheit auswirken kann.
Daher ist der Bedarf an medizinischer Versorgung gestiegen. «Und dieser Bedarf wird grösstenteils durch Notfalleinrichtungen gedeckt», sagt Exadaktilos vom Universitären Notfallzentrum Bern.
Legende: Enge Zusammenarbeit: Krankenhäuser arbeiten eng zusammen – und versuchen, einen Teil der Arbeit an die medizinischen Dienste auszulagern. Schlussstein
Da in Notfällen Personal fehlt, müssen Spezialisten aus anderen Abteilungen helfen – aber das ist schwierig. Dort fehlen sie dann, weshalb nicht notfallmäßige Eingriffe immer mehr verschoben werden.
„Wir arbeiten eng mit verschiedenen anderen Notfallstationen und der medizinischen Polizei zusammen, um sicherzustellen, dass die Menschen im Notfall versorgt werden“, sagte Aristomenis Exadaktilos. Bisher funktioniert es noch ganz gut.
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