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Ungarn verschiebt EU-Sanktionen gegen Russland

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Erstellt: 2022-06-02 05:02

Aus: Tobias Utz, Lucas Meyer, Tanja Koch

Trennung

Auf dem Gipfel beraten die EU-Staaten über die weitere Strategie im Ukraine-Konflikt – und einigen sich auf einen Kompromiss beim Ölembargo gegen Russland.

+++ 23.20 Uhr: Das geplante EU-Sanktionspaket und das damit verbundene Teilölembargo gegen Russland konnten laut AFP (afp) am Mittwoch (1. Juni) nicht verabschiedet werden. Nach Angaben von EU-Diplomaten hat Ungarn detaillierte Gespräche verschoben. Ungarn wollte den Angaben zufolge die Sanktionen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill nicht mittragen.

Botschafter der 27 Mitgliedsstaaten trafen sich, um die rechtlichen Details der Sanktionen zu klären. Auf der Sanktionsliste stehen neben dem Patriarchen etwa 60 Kreml-nahe Personen. Zudem müssen laut afp drei weitere russische Banken vom Swift-Zahlungssystem ausgeschlossen werden.

Enger Vertrauter von Wladimir Putin: Moskauer Patriarch Kirill I. (Archivfoto) © Alexander Nemenov / dpa

„Heiße Debatte“ über Putins Anrufe: Estnischer Premierminister erläutert EU-Gipfel

Update vom Mittwoch, 1. Juni, 12.00 Uhr: Beim EU-Gipfel wurde offenbar heftig darüber diskutiert, ob und inwieweit Telefongespräche mit Wladimir Putin geführt werden sollen und sollen. Dies erklärte die estnische Ministerpräsidentin Kaya Kallas im Fernsehen: „Wir hatten eine sehr hitzige Debatte über Putins Anruf.“ Sie äußerte sich zu den “sogenannten Vorteilen” von Telefongesprächen seit Kriegsbeginn in der Ukraine. Callas hat Gespräche mit Putin wiederholt kritisiert.

Bundeskanzler Scholz hat seit Beginn der russischen Invasion mehrfach mit Putin gesprochen. Das letzte Telefonat fand am Samstag (28. Mai) statt. Davor herrschte zwischen Berlin und Moskau mehrere Wochen Funkstille.

Der Premierminister von Estland Kaya Kalas. © Madis Weltmann / Imago Images

+++ 23 Uhr: Der Energiestreit zwischen Russland und der EU eskaliert weiter. Während der russische Energiekonzern Gazprom zuvor angekündigt hatte, die Lieferungen an das niederländische Unternehmen Gasterra einzustellen, sind laut afp nun zwei weitere gefolgt. Ab Mittwoch (1. Juni) schließt Russland den Gashahn des dänischen Unternehmens Orsted und des britisch-niederländischen Konzerns Shell.

Der Grund ist die Weigerung der Unternehmen, Zahlungen in Rubel zu akzeptieren. Aufgrund von EU-Sanktionen gegen Russland forderte Wladimir Putin von “feindlichen” Ländern Zahlungen in Rubel. Da Verträge in Dollar und Euro abgeschlossen werden, wird der Bedarf in den meisten EU-Ländern nicht gedeckt. Zuvor hatte Russland die Lieferungen nach Finnland, Bulgarien und Polen eingestellt.

Ölembargo gegen Russland: Orban spricht von “enttäuschter Atombombe”

+++ 13.00 Uhr: Familien können heute Nacht ruhig schlafen“, sagte Victor Orbán, denn: „Wir haben die innovativste Idee abgelehnt.“ Der ungarische Ministerpräsident hat sich gleich nach der Kompromissentscheidung zum Ölembargo gegen Russland auf Facebook geäußert. „Wir haben eine Vereinbarung getroffen, die besagt, dass Länder, die Öl durch Pipelines erhalten, ihre Volkswirtschaften unter den gleichen Bedingungen weiter betreiben können“, fuhr Orban fort. Die EU-Entscheidung muss bis Ende des Jahres mehr als zwei Drittel der russischen Ölimporte abdecken.

Während der Verhandlungen gab es offensichtlich großen Widerstand seitens der ungarischen Regierung. Ein totales Verbot russischer Ölimporte wäre für Ungarn “inakzeptabel” und “wie eine Atombombe”, sagte Orban in einer Erklärung. „Aber wir haben es geschafft, das zu verhindern.“ Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach jedoch von „drastischen“ Sanktionen gegen Russland. Allerdings gibt es inzwischen heftige Kritik an seiner Politik im Ukraine-Konflikt.

+++ 10.30 Uhr: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andriy Melnik, bezeichnete den Kompromiss beim Ölembargo gegen Russland als “halben Schritt”. Melnik spricht nach dem gemeinsamen Beschluss des EU-Gipfels mit dem Deutschlandfunk. Auch mit der Entscheidung seien Lieferungen von russischem Öl noch möglich, beklagte der ukrainische Botschafter.

Auf diese Weise erhalte Wladimir Putin weiterhin Millionen von Euro aus Europa, um Russlands Aggressionskrieg gegen die Ukraine zu finanzieren, sagte Melnik. Der russische Präsident bietet beispielsweise viermal so viele Soldaten an, um sie als Söldner für den Krieg in der Ukraine anzuheuern. Das ist Russlands Strategie, um schwere Verluste auszugleichen. Melnik betonte die Notwendigkeit eines sofortigen Ölembargos in vollem Umfang, um Putin zu stoppen.

Update Dienstag, 31. Mai, 12.30 Uhr: Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich auf ein Ölembargo für einen Großteil der russischen Ölimporte geeinigt. Die Entscheidung werde bis Ende des Jahres mehr als zwei Drittel der russischen Ölimporte abdecken, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel am späten Montag (30. Mai) in Brüssel. Damit schneide die EU dem Kreml „eine riesige Finanzierungsquelle für seinen Militärapparat ab“, sagte er in einer ersten Stellungnahme.

+++ 20.30 Uhr: Pläne für ein vollständiges europäisches Ölembargo gegen Russland werden derzeit wegen einer Blockade Ungarns abgesagt. Bei einem Gipfeltreffen in Brüssel am Montagabend wurde deutlich, dass die 27 EU-Staaten nur dann einem begrenzten Importstopp für russisches Öl zustimmen werden, wenn sie überhaupt zustimmen. Dementsprechend werden nur Lieferungen auf dem Seeweg behindert. Pipelinebestellungen wären aber weiterhin möglich. Somit kann Ungarn weiterhin auf dem Landweg durch die riesige Druschba-Pipeline versorgt werden.

Die Europäische Kommission unter Führung ihrer Präsidentin Ursula von der Leyen hatte den Kompromiss kurz vor dem Gipfel angesichts der vorangegangenen Blockade von Budapest vorgeschlagen. Ungarns rechter Staatschef Viktor Orbán begrüßte dies, stellte aber neue Forderungen. Aufgrund des seit mehr als drei Monaten andauernden Angriffskriegs in der Ukraine hat die EU bereits massive Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Europäer versuchen, in Moskau geschlossen aufzutreten.

EU-Gipfel: Ungarn blockiert vollständiges Ölembargo

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte zu den jüngsten Ereignissen: „Alles, was ich höre, klingt nach einem Konsens. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Deutschland ebenso wie Polen die Ausnahmeregelung für Pipelineöl nicht in Anspruch nehmen wolle. Auch EU-Ratspräsident Charles Michel und andere Teilnehmer des Gipfels zeigten sich optimistisch, dass nach wochenlangen Kontroversen ein Kompromiss gefunden werden könne. Laut dem niederländischen Premierminister Mark Rutte wird das Embargo trotz der Freigabe dazu beitragen, die russischen Ölverkäufe in die EU um etwa 90 Prozent zu reduzieren.

Ungarns Ministerpräsident Orbán bezeichnete den Kompromissvorschlag als guten Ansatz, stellte aber gleichzeitig neue Forderungen. Er bat um Garantien, wenn zum Beispiel Pipelineöl wegen eines Unfalls nicht mehr in sein Land geliefert werden könne. Ungarn sollte dann das Recht haben, Öl auf See zu erhalten. Darüber hinaus hat Ungarn finanzielle Zusagen für den Umbau seiner Ölinfrastruktur beantragt. Die Regierung in Budapest hat die Kosten für die Umstellung von Raffinerien auf nicht-russisches Öl auf bis zu 550 Millionen Euro festgesetzt. Außerdem müssen 200 Millionen investiert werden, um das Land künftig über eine von der Adriaküste ausgehende Pipeline zu versorgen.

EU-Gipfel: Streit um Ölembargo gegen Russland – Ungarn blockiert erneut Kompromiss

Erstmeldung Montag, 30. Mai, 9.28 Uhr: Brüssel – Der EU-Gipfel, der am Montag (30. Mai) in Brüssel beginnt, könnte überschattet werden vom anhaltenden Streit um das Ölembargo der EU gegen Russland. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur hat die Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán am Sonntag (29. Mai) die Einigung auf einen neuen Kompromissvorschlag vereitelt und dessen Zustimmung von EU-Finanzzusagen abhängig gemacht. Auch Länder wie die Niederlande standen dem Kompromissvorschlag kritisch gegenüber.

Um die seit Wochen andauernde Blockade in Ungarn aufzulösen, hatte die EU-Kommission zuvor vorgeschlagen, nur noch den Import von per Schiff transportiertem Öl zuzulassen. Ungarn, das stark von russischen Energiequellen abhängig ist, kann weiterhin Öl aus Russland über die riesige Druschba-Pipeline beziehen.

An die Leitung sind Raffinerien in der Slowakei und Tschechien sowie in Polen und Ostdeutschland angeschlossen. Allerdings haben Deutschland und Polen bereits signalisiert, dass sie sich trotz des Embargos noch in diesem Jahr von russischen Öllieferungen unabhängig machen wollen. Davor dürfte das Ölembargo ohnehin nicht vollständig in Kraft sein.

EU-Gipfel: Sorge um ungleiche Bedingungen für Ölexporte aus Russland

Nach Informationen aus EU-Kreisen handelt es sich bei den derzeit geforderten finanziellen Zusagen Ungarns vor allem um Gelder, die das Land für den mittelfristigen Umbau seiner Ölinfrastruktur will. Die Regierung in Budapest schätzt die Kosten für die Umwandlung von Raffinerien in nicht-russisches Öl auf bis zu 550 Millionen Euro. Zudem sollen 200 Millionen Euro investiert worden sein, um das Land künftig über eine von der Adriaküste ausgehende Pipeline zu versorgen.

Diplomaten zufolge haben die Niederlande jedoch erhebliche Probleme mit dem Kompromissvorschlag. Sie befürchten, dass es in der EU zu ungleichen Bedingungen kommen könnte, wenn einige Länder weiterhin relativ billiges Öl für Pipelines verwenden …