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United Patriots: Putins Fans und Leugner der Krone

Außergewöhnlich

Bis: 26. April 2022 16:26 Uhr

Neue Details im Fall der United Patriots, die offenbar Gesundheitsminister Lauterbach entführen wollten: Der Verdächtige trat als Putin-Anhänger auf und gab dem Mainzer Bericht zufolge Putinpläne zu. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Philipp Reichert, SWR

Hauptverdächtiger ist Sven B. aus Falkensee in Brandenburg: Bei einer Demonstration gegen die Maßnahmen für die Krone in Kassel im März 2021 sagte B. in die Kamera: „Wir wollen dieses System abschaffen!“ Das Interview steht exklusiv für zur Verfügung Bericht Mainz.

Putins Fanclub

An diesem Tag trug B. das sogenannte Georgsband und eine orange-schwarz gestreifte Fahne auf der Brust. Beide sind Symbole der Nationalen Befreiungsbewegung Russlands. Hinter der selbsternannten Bewegung steckt laut Journalistin und Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke “Putins Fanclub, der in Europa für Unruhe sorgen will”. Zudem steht die Gruppe den Ideen der Reichsbürgerbewegung nahe. Der deutsche Zweig der Nationalen Befreiungsbewegung weist die Vorwürfe gegen Report Mainz zurück.

Die Krone verweigern

Sven B. gehört der fünfköpfigen Kerngruppe der United Patriots an, die unter anderem einen Putsch und die Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplant haben soll. In seinem Haus im brandenburgischen Falkensee fanden Ermittler vor rund zwei Wochen unter anderem eine Kalaschnikow. B. soll ebenso wie Thomas O. aus Neustadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz einer der wichtigsten Planer und Organisatoren der Gruppe gewesen sein.

Laut einer Studie von Report Mainz ist O. seit etwa zwei Jahren in zahlreichen Telegram-Gruppen aktiv, wenn es um Proteste gegen die Corona-Politik geht. Er verglich die Maßnahmen mit einer Diktatur, die Pandemie sei eine Kampfansage. Außerdem verbreitete O. in Chatrooms Verschwörungslegenden.

Haldenwang: „Hass auf staatliche Institutionen“

Seit der Pandemie stellt das Bundesamt für Verfassungsschutz zunehmend fest, dass sich unter anderem Reichsbürger, Gegner der Politik der Krone und Anhänger von Verschwörungstheorien vernetzen. Auch diese Szenen wollten zusammenarbeiten, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang im Gespräch mit Report Mainz. Was diese Gruppen eint, ist die tiefe Enttäuschung über den Staat. “In einigen Fällen würde ich sagen, Hass auf staatliche Institutionen”, sagte Haldenwang. Er erwartet, dass es auch in Zukunft Themen geben wird, bei denen sich solche Gruppen zusammenfinden und radikalisieren können.

Vor etwa zwei Wochen zerschmetterten Ermittler die United Patriots in einer landesweit koordinierten Operation. Fünf Männer sollen der Kerngruppe angehören, vier davon sitzen in Untersuchungshaft. Es wird behauptet, dass sich die Gruppe über Telegram mit dem Netzwerk verbunden hat.

Die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen

Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen wegen mutmaßlicher Gründung einer terroristischen Vereinigung aufgenommen. Vorausgegangen seien intensive Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz und des Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Im Zusammenhang mit der Festnahme der Beschuldigten gebe es genügend Hinweise darauf, dass sie eine terroristische Vereinigung gründen oder Mitglied einer solchen sein könnten, hieß es in der Erklärung. Auch Thomas O. und Sven B. stehen im Verdacht, sich an einer Straftat beteiligen zu wollen.

Wann ermittelt die Staatsanwaltschaft?

Laut Gesetz ist der Generalbundesanwalt in Karlsruhe als Oberster Bundesanwalt immer zuständig, wenn der Verdacht auf eine „terroristische Vereinigung“ besteht (§ 129a StGB). Das bedeutet: Es muss eine Gruppe von mindestens drei Personen sein – mit einer festen Struktur und einem gemeinsamen Ziel, Straftaten wie Mord, Entführung oder Geiselnahme zu begehen.

Frank Groom, Jurist bei der ARD

Geplante Entführung von Lauterbach

Nach aktuellem Ermittlungsstand bestehe der Verdacht, “dass der Beschuldigte einer Gruppierung angehört, die darauf abzielte, bürgerkriegsähnliche Zustände zu provozieren und damit letztlich zum Sturz der Bundesregierung und der parlamentarischen Demokratie zu führen.” die Bundesanwaltschaft.

Dementsprechend plante die Gruppe, durch die Beschädigung oder Zerstörung von Stromversorgungen eine landesweite „Eklipse“ zu verursachen. Zudem müsse Gesundheitsminister Lauterbach „notfalls durch Tötung seiner Leibwächter gewaltsam entführt werden“.