Vandalismus, Raubbau, Verwahrlosung – die Leiden des Weißen Sees
So 03.07.22 | 10:28 Uhr | Von Lisa Schwezig
Bild: imago images/Bernd Friedel
Der Weiße See in Berlin-Pankow ist seit Jahren zusehends übernutzt. Das Badeverbot wird nicht eingehalten, das Gebiet kann keine ständige Überwachung durchführen. Ein geplanter Zaun kann den See vor wilden Badegästen und Vandalismus schützen. Von Lisa Schwezig
Zwei verunglückte Schwimmer, ein Fall von Vandalismus an einem Schwanennest und eine öde, überbaute Landschaft: Die Missstände am Weißen See im Berliner Bezirk Pankow sind deutlich sichtbar. Seit Jahren mahnt der Bezirk zur Einhaltung des Badeverbots im beliebten Innenstadtsee im Norden Berlins, doch wilde Badegäste haben es schwer, sich aus dem Wasser herauszuhalten.
Das Bezirksamt Pankow habe bereits einen privaten Sicherheitsdienst, „der sich an die Bürger wendet und die Regeln aufstellt“, erklärte die zuständige Stadträtin Manuela Anders-Granicki (HDS) auf Anfrage von rbb|24. Zudem ist das Ordnungsamt mehrmals wöchentlich und teilweise gemeinsam mit der Polizei vor Ort. „Die Überwachung eines frei zugänglichen Gewässers ist aus Kapazitätsgründen nicht rund um die Uhr möglich“, sagt Anders-Granicki.
Abschließend sollen Besucher aus der Umgebung auf die grundsätzlichen Verhaltensregeln in der Grünanlage rund um den See mit grünen Schildern mit Piktogrammen an Pfählen und Badeverbotsschildern in den Wildbadestellen hingewiesen werden – unter anderem, dass Hunde an der Leine geführt werden müssen, Abfall Entsorgung in den dafür vorgesehenen Behältern und das Badeverbot außerhalb des Strandbades Weißensee. Bei hohen Temperaturen strömen jedoch Dutzende Menschen an die unbewachten Ufer links und rechts des kostenpflichtigen öffentlichen Badestrandes.
Zwei Badeunfälle in kurzer Zeit
Vor einer Woche starb ein 17-jähriger Junge beim Schwimmen außerhalb des ausgewiesenen Bereichs, und wenige Tage später starb auch ein 26-jähriger Besucher des Strandes. Die Ursachen der beiden Todesfälle sind noch unklar. Sie werden immer wieder vor dem starken Algenwachstum im See und davor gewarnt, zu nahe an dem dort installierten Brunnen zu schwimmen.
Stadtrat Anders-Granicki sagte: „Natürliche Gewässer, die nicht von Rettungsschwimmern überwacht werden, bergen immer gewisse potenzielle Risiken. Auch wenn die konkreten Todesursachen nicht bekannt sind oder bekannt sein werden, sollte das Baden in freier Wildbahn tabu sein.”
Immer wieder wird davor gewarnt, zu nahe an der Fontäne im See zu schwimmen.
Kann ein Zaun helfen?
Bezirksbürgermeister Soren Behn (links) hatte im vergangenen Juli angekündigt, dass ein Zaun um den See errichtet werde. Gebiete mit besonders hohem Schutzbedarf und die am intensivsten genutzten Badestellen sollten eingezäunt werden, sagte Ben damals im rbb-Abendprogramm. Fast genau ein Jahr später passierte nichts.
Bisher gibt es am Weißen See nur an einer Stelle einen Schutzzaun. Dies dient jedoch weniger der Abschreckung von Wildbadern als vielmehr dem Schutz der Brutgebiete der dort lebenden Vögel. In der Walpurgisnacht raubten Fremde ein Schwanennest aus und zerstörten oder stahlen bereits gelegte Eier. Die Empörung war groß, Umweltschützer suchten daraufhin mit Plakaten nach Informationen über die Verantwortlichen.
Idee für kontrolliertes Wildbaden
Laut “Tagesspiegel” [tagesspiegel.de, Bezahlangebot] und “Berliner Morgenpost” [morgenpost.de] Neben dem Zaunszenario gibt es weitere Überlegungen seitens des Landkreises und des Strandbadbetreibers, eine legale Wildbadestelle zu schaffen. Dieses darf Berichten zufolge bewacht und mit einer Toilette ausgestattet sein und kostet weniger Eintritt als das offizielle Strandbad.
Anders-Granicki erklärte gegenüber rbb|24 zu den Plänen: „Der Landkreis wird in den nächsten Jahren viel Geld ausgeben, um unter anderem den durch Überbeanspruchung, vor allem aber durch Überbeanspruchung stark geschädigten Bankenbereich wieder instand zu setzen Wildbaden desinfiziert.“ Dazu soll die Natur im Bereich des Ufers temporär geschützt werden, eventuell mit einem Zaun. — Das ist Teil unserer Überlegungen. Ob es die Möglichkeit einer zweiten Badestelle gibt, wird geprüft Sachverständigenkontext bei der Sanierung des Parks, doch der Gemeinderat stellte klar: „Wir haben nicht die Absicht, den Weißen See abzuriegeln.“
Neben Vandalismus und Wildbaden bereiten verlandete Küstenbereiche und der stetig sinkende Wasserspiegel dem Weißen See zusätzliche Probleme. Der eigens gegründete Verein „Parkfreunde Weißensee eV“ sammelt seit mehreren Jahren in Zusammenarbeit mit dem Strandbadbetreiber Spenden, um die fehlenden Wassermengen in Eigenregie ergänzen zu können. Bis zu zehn Zentimeter mehr Wasser seien das Ziel, heißt es auf der Vereinshomepage [parkfreunde-weissensee.de].
Ein Tiefbrunnen mit Filteranlage, der im Juni 2021 in Betrieb genommen wurde, versorgt den See derzeit mit Frischwasser, was jedoch für einen konstanten Pegel nicht ausreicht. Der Landkreis hat den See bereits mehrfach mit Trinkwasser versorgt und die Betriebszeiten des Brunnens begrenzt, um den Wasserverlust durch Verdunstung auszugleichen und so die Küstenbereiche und den Wasserstand des Beckens zu sichern. Derzeit gibt es jedoch keine langfristige Lösung.
Die Kommentarfunktion wurde am 3. Juli 2022 um 16:12 Uhr geschlossen. Kommentare dienen dem Austausch zwischen Nutzern und Redakteuren zu gemeldeten Themen. Unter anderem schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Anzahl der Kommentare so hoch ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Wir schließen die Kommentarfunktion auch, wenn die Kommentare für das Thema nicht mehr relevant sind oder eine große Anzahl der Kommentare gegen unsere Seitenregeln verstößt. Kommentarregeln es tut weh
Beigetragen von Lisa Schwezig
Add Comment