Seit Freitagnachmittag versammeln sich Trauernde vor dem Gesundheitsministerium in Wien, um das Andenken an den verstorbenen Arzt zu ehren. Blumen werden gespendet, Kerzen angezündet. Hausärztin Lisa-Maria Kellermayr hat sich in ihrer geschlossenen Praxis am Attersee das Leben genommen – nach monatelangen massiven Drohungen unbekannter Impfgegner.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen forderte in einer Nachricht auf Twitter ein Ende „dieser Einschüchterung und Angst“: „Hass und Intoleranz haben in unserem Österreich keinen Platz. Lasst uns am Ende immer einen Weg finden, friedlich zusammenzuleben stärken wir den Zusammenhalt.“
Auch Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), dessen Rücktritt die Ärztin vor zwei Tagen forderte, zeigte sich beunruhigt über die Nachricht von Kellermayrs Tod: Sie „hat ihr Leben der Gesundheit und dem Wohlergehen anderer gewidmet. Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeiter waren brutale Realität. Hass auf Menschen ist unverzeihlich. Dieser Hass muss aufhören“, schrieb er auf Twitter.
Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) reagierte auf den Tod des Arztes mit einem Tweet, der darauf hinwies, dass „wir Hass und Intoleranz in unserer Gesellschaft keinen Platz räumen dürfen. Respektvolles Miteinander und gesellschaftlicher Zusammenhalt müssen angesichts dieses tragischen Ereignisses wieder an erster Stelle stehen.“ Auch SPÖ-Chefin Pamela Randi-Wagner, selbst Ärztin, zeigte sich auf Twitter tief betroffen: „Sie hat nur ihre medizinische Sichtweise vertreten und wurde Opfer von Hass. Ärzte wie sie brauchen Schutz und Unterstützung.“
Die Österreichische Ärztekammer zeigte sich „zutiefst erschüttert“ über die Nachricht vom Tod des Kollegen. Dieses tragische Ereignis zeige auf erschreckende Weise die Folgen von Hass im Internet, sagte der Präsident der Ärztekammer, Johannes Steinhart, in einer Aussendung. Medizinisches Personal in Krankenhäusern und Praxen ist seit langem zunehmender Gewalt ausgesetzt.
Trauer um Dr. Lisa-Maria Kellermayr © APA/HERMAN WAKOLBIGER
Die Ermittlungen dauern an
Im Juni stellte die Staatsanwaltschaft in Wales die Ermittlungen gegen einen deutschen Tatverdächtigen ein – mit der Begründung, nicht sie sei verantwortlich, sondern die deutschen Behörden. Ein Hacker-Aktivist fand jedoch zwei Deutsche, die angeblich die Droh-E-Mails geschrieben hatten.
In Österreich ermittelt die Polizei nach wie vor gegen unbekannte Täter, da sich die Vorwürfe laut Ermittlern auf mehrere Personen beziehen sollen. Der Tod der Frau ändere nichts an den Ermittlungen, die nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft noch auf den Abschlussbericht der Polizei warteten.
Kritik an Ermittlungen
Die Journalistin Ingrid Brodnig twitterte ihr Beileid: „Auch die Exekutive muss in diesem Fall ihr eigenes Handeln oder Unterlassen aufklären.“ Während der Ermittlungen wurde der Polizei vorgeworfen, nicht genug getan zu haben. Ein Sprecher des Landespolizeipräsidiums Oberösterreich bestritt dies gegenüber der APA: Man sei seit November in ständigem Kontakt mit der Ärztin und habe versucht, ihr Schutz zu bieten. Sie haben sowohl in Bezug auf die Sicherheit als auch die Ermittlungen „ihr Bestes gegeben“. Letztere laufen noch, bestätigte er.
Der oberösterreichische Gesundheitsminister LHStv. Christine Haberlander (ÖVP) drückte in einer Sendung nicht nur ihr Beileid aus, sondern forderte auch schnelles Handeln, „denn Hass, Intoleranz und Gewalt sind nie die Antwort, sondern immer die hässliche Seite der Gesellschaft.“ In einem vereinten Europa die Verfolgung von Verbrechen grenzüberschreitend möglich sein, sondern sie sollten möglich sein.“
Auch viele internationale Medien berichteten über den Tod des Arztes.
Für Montag ist in Wien eine Gedenkveranstaltung für Kellermayr geplant. Daniel Landau, Organisator und Initiator von #YesWeCare, gab auf Twitter bekannt, dass er eine Veranstaltung für 20 Uhr am Stephansplatz angemeldet hat.
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