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Vorab US-Inflationsdaten: Anleger sind nicht mehr risikoscheu

Marktbericht

Stand: 08.09.2022 16:27

Anleger ziehen sich vor den wichtigsten Inflationsdaten aus den USA aus dem Aktienmarkt zurück. Weitere Hinweise auf den Zinssatz der Federal Reserve werden morgen erwartet.

Wiederkehrende Zins- und Inflationsängste schränkten am Nachmittag die Risikobereitschaft der Anleger ein. Der DAX blieb den ganzen Tag über im Minus und weitete seine Aufschläge im weiteren Handelsverlauf aus.

Der deutsche Leitindex notiert derzeit etwa 1,1 Prozent unter dem Vortagesschluss bei rund 13.530, nahe dem Tagestief von 13.514. Der höchste Wert lag heute bei 13.715 Punkten. Die relativ große Handelsspanne von rund 200 Punkten ist ein Indiz für die hohe Nervosität des Marktes. Auch der Mid-Cap-Index MDAX steht unter Druck und liegt mit rund 1,8 Prozent noch deutlicher im Minus als der Leitindex DAX.

Wir warten auf neue Inflationsdaten

Die Anleger richten ihren Blick erneut auf die USA, wo die Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) in vollem Gange ist. Über die Geschwindigkeit und das Ausmaß wird jedoch viel spekuliert und diskutiert. Daher sind die Kursdaten von morgen von besonderer Bedeutung. Die Federal Reserve lässt keinen Zweifel daran, dass sie die Inflationsrate, die zuletzt bei 9,1 Prozent lag, entschlossen bekämpfen will und wird.

Nach dem starken Arbeitsmarktbericht vom Freitag, dem zweiten Hauptziel der US-Notenbank, rechnet der Markt fest mit einer weiteren größeren Zinserhöhung um 75 Basispunkte bei der nächsten Sitzung der Fed im September.

„Die US-Inflationsrate für Juli sollte richtungsweisend für die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank sein“, sagte Portfoliomanager Thomas Altman vom Vermögensverwalter QC Partners. In der Vorwoche ließen unerwartet starke Daten zum US-Arbeitsmarkt Erwartungen einer weiteren großen Zinserhöhung durch die US-Notenbank zur Inflationsbekämpfung aufkommen und belasteten die Aktienmärkte.

„Was dem Aktienmarkt jetzt gut tun würde, wäre eine Entspannung an der Inflationsfront“, sagte CMC Markets-Analyst Jochen Stanzl. „Da die Zinsen nicht enden, wird die Fed dank starker Beschäftigungsdaten ihre Serie schneller Zinserhöhungen wahrscheinlich nicht beenden.“

Experten erwarten eine durchschnittliche Juli-Inflation von 8,7 %, was hoch wäre, aber eine Verlangsamung bedeuten würde. In diesem Fall könnte der Markt positiv auf die Zahlen reagieren und argumentieren, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat.

Wirtschaftsupdate vom 09.08.2022

Anne-Catherine Beck, HR, 08.09.2022 09:47

Nasdaq für einfacheres Öffnen

In New York beginnen die wichtigsten Aktienindizes ungleichmäßig zu handeln. Während der führende Dow Jones mit seinem Schlusskurs kämpft, tendiert vor allem der zinssensitive Technologieaktienmarkt nach unten. Das ist ein Verlust von fast einem Prozent. Auch die Wall Street blickt gespannt auf die Verbraucherpreise von morgen. Nur noch wenige neue Quartalsberichte stehen an und die Berichtssaison der Unternehmen neigt sich dem Ende zu.

Die Produktivität in den USA sinkt

Die Produktivität der US-Wirtschaft ist im Frühjahr erneut stark zurückgegangen. Das Verhältnis von Leistung zu geleisteten Arbeitsstunden sank im zweiten Quartal um annualisierte 4,6 Prozent, so eine vorläufige Schätzung des Arbeitsministeriums in Washington. Analysten hatten mit einem moderaten Rückgang gerechnet. Im ersten Quartal sank sie jedoch noch stärker auf 7,4 Prozent. Der Winterabfall war der steilste seit 1947.

Die Lohnstückkosten stiegen in den Monaten April bis Juni im Jahresvergleich um 10,8 Prozent. Erwartet wurde lediglich ein Plus von 9,5 Prozent. Der deutliche Anstieg der Lohnstückkosten im zweiten Quartal spiegelt Experten zufolge den sehr angespannten Arbeitsmarkt in den USA wider. Ein starker Anstieg der Lohnstückkosten dürfte ebenfalls zu einer hohen Inflation führen.

Euro- und Ölpreise steigen

Die europäische Gemeinschaftswährung durchbrach am Nachmittag die 1,02 $-Marke und handelte bei 1,0241 $, dem Tageshoch.

Die Ölpreise sind jetzt positiv. Ein Barrel Nordsee-Rohöl der Sorte Brent lag etwa 1,5 Prozent höher als am Vortag. Am Ölmarkt gingen die Marktteilnehmer zuletzt von einer schwächeren weltwirtschaftlichen Entwicklung und damit einer geringeren Nachfrage aus. Diese Befürchtungen wurden durch Chinas mehrfache Abriegelungen immer wieder geschürt. Seitdem bewegen sich die Preise auf einem niedrigeren Niveau.

Die Münchener-Rück-Aktie ist positiv

Zunächst mit Verlusten eröffnet, stieg die Münchener-Rück-Aktie am Nachmittag um rund 1,3 Prozent und gehört damit gegen den Trend zu den größten Gewinnern im DAX. Die Analysten von UBS bekräftigten ihre Kaufempfehlung für den Rückversicherer trotz eines Gewinnrückgangs im zweiten Quartal.

In diesem Zeitraum erhielten die Aktionäre einen Überschuss von 770 Millionen Euro, 30 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vorstandschef Joachim Wenning rechnet für 2022 nun wegen hoher Abschreibungen mit einer geringeren Kapitalrendite, peilt aber weiterhin einen Konzerngewinn von 3,3 Milliarden Euro an. Allerdings sind die Ziele aus Sicht des EZB-Rates mit einer erhöhten Unsicherheit behaftet.