Stand: 12.06.2022 22:48 Uhr
Bei der ersten Runde der Parlamentswahlen in Frankreich dürfte das Bündnis zwischen Präsident Macron und dem Bündnis um den Linkspolitiker Melanchon gleichauf sein. Bei der zweiten Abstimmung wird jedoch ein klarer Sieg für Macron erwartet.
Nach dem ersten Durchgang der Parlamentswahlen in Frankreich kommt es zum direkten Wettlauf zwischen dem zentralen Lager von Präsident Emmanuel Macron und der Linkskoalition des Oppositionspolitikers Jean-Luc Melanchon. Nach ersten Schätzungen kamen beide Wahlbündnisse auf etwa 25 bis 26 Prozent der Stimmen.
Beide Lager gelten als Gewinner
Frankreichs Premierministerin Elizabeth Bourne sieht nach der ersten Runde der Parlamentswahlen linke Rivalen um Macrons zentrales Bündnis chancenlos. „Wir sind die einzige politische Kraft, die eine Mehrheit in der Nationalversammlung bekommen kann“, sagte Borne in der ersten Erklärung. Gleichzeitig warnte sie indirekt vor einem weiteren Erstarken der Linken. “Wir können das Risiko einer Instabilität nicht eingehen”, sagte sie. Die mittlere Union hingegen bedeutet Verlässlichkeit.
Der Linke Melenchon sah das anders. In seiner ersten Reaktion sprach er von einer klaren Niederlage Macrons im ersten Wahlgang. “Die Wahrheit ist, dass die Präsidentenpartei in der ersten Runde besiegt und besiegt wurde.” Er hofft nun, dass auch die Franzosen Macrons Politik in einer zweiten Abstimmung am kommenden Sonntag ablehnen werden.
Macron wird im zweiten Wahlgang wohl vorne liegen
Dies gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich, da Beobachter fest davon ausgehen, dass Macron und sein liberales Bündnis die Sitzverteilung im zweiten Wahlgang klar für sich entscheiden werden. Prognosen zufolge könnte Macrons Lager dann etwa 255 bis 310 der 577 Sitze in der Nationalversammlung erhalten. Die Linke sieht Prognosen nur von 150 bis 210 Sitzen.
Die Unterschiede zwischen Stimmenanteil und Sitzverteilung lassen sich durch das komplexe Wahlsystem erklären. Gezählt werden am Ende nur die Stimmen für den Sieger im jeweiligen Wahlkreis.
Frankreichs erste Runde der Parlamentswahlen – eine weitere Beschwerde an Präsident Macron
Friedrich Hoffmann, ARD Paris, Tagesthemen 23.15 Uhr, 13. Juni 2022
Die absolute Mehrheit ist noch ungewiss
Für Macron stellt sich bei den Parlamentswahlen die Frage, ob er seine Pläne in seiner zweiten Amtszeit durchsetzen kann. Das dürfte trotz Wahlsieg schwierig werden, weil noch nicht klar ist, ob er am kommenden Sonntag die absolute Mehrheit erreichen kann. Gelingt Macron dies nicht, wird es ihm deutlich schwerer fallen, die geplanten Reformen durchzusetzen, insbesondere bei den Renten. Er muss dann eine größere Allianz bilden, was seinen Handlungsspielraum einschränkt. Ein Minderheitskabinett oder eine Koalitionsregierung gilt als unwahrscheinlich.
Niedrige Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung war dieses Jahr extrem gering. Schätzungen zufolge hat nur jeder Zweite im ersten Durchgang der Parlamentswahlen gewählt. Nach Schätzungen des renommierten Instituts Ipsos-Sopra Steria lag die Wahlbeteiligung am Abend bei 47,7 Prozent. Dies wäre etwas weniger als bei den vorangegangenen Wahlen im Jahr 2017, als nur 48,7 % der registrierten Wähler ihre Stimme abgegeben hatten.
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