Germany

Warentransport nach Kaliningrad: Baerbock sieht die EU im Transitstreit in der Pflicht

Stand: 30.06.2022 20:49 Uhr

Außenminister Burbock unterstützt eine EU-Entscheidung im Streit um ein Transitverbot für bestimmte Waren nach Kaliningrad. Das Verbot aufzuheben bedeute nicht, Putin nachzugeben, sagte sie in einem Interview zu Tagesthemen.

Außenministerin Analena Berbock betonte in einem Interview mit daily topic, dass die EU-Kommission eine Lösung im Streit um das Transitverbot in die russische Exklave Kaliningrad finden müsse. Das von der EU mitbeschlossene Sanktionspaket berühre „Importe und Exporte nach Russland bzw. den Transit“ nicht, sagte sie. Deshalb ist es jetzt so richtig und wichtig, dass die Europäische Kommission, die diese Sanktionspakete auch koordiniert, eine gute Lösung bereitstellt.

Wenn das Transitverbot aufgehoben wird, werden die Sanktionen nicht gelockert und Präsident Wladimir Putin nicht nachgegeben. In „schwierigen Situationen“ sei es „immer richtig und wichtig, bei Missverständnissen nachzudenken“.

Die litauische Regierung hat ein Transitverbot für russische Waren verhängt und mit Sanktionen begründet. Russland protestiert scharf. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte zuvor auf eine Deeskalation des Konflikts bestanden.

Burbock hat angedeutet, dass er weiterhin alle Mittel für einen Waffenstillstand in der Ukraine einsetzen will. Doch die Entscheidung könne nur Russland treffen, was “leider bittere Realität” sei. Deutschland beteiligt sich beispielsweise an der Evakuierung von Zivilisten in zerbombten Städten, aber selbst das Internationale Komitee vom Roten Kreuz schafft es nicht, humanitäre Korridore zu schaffen. Die Aussetzung der Getreideexporte, die in anderen Ländern zu Hungersnöten führt, wird von Russland blockiert. Diese Situation ist unerträglich.

“Wir müssen weiterhin solidarisch mit der Ukraine stehen”, sagte Bundesaußenministerin Analena Burbock.

Tagesthemen 22:15, 30.6.2022

Zu den Kampfpanzern gibt es keine konkrete Aussage

Gleichzeitig betonte sie, dass Deutschland einen diktierten Frieden nicht hinnehmen werde. Denn in Bucha und anderswo wurde gezeigt, was die russische Besatzung bedeutete, nämlich die Erschießung von Zivilisten und die Vergewaltigung von Frauen. “Deshalb unterstützen wir die Ukraine so lange, wie es notwendig ist, damit die Menschen dort in Freiheit und Sicherheit leben können.”

Auf die Frage, ob Deutschland – wie von Kiew gefordert – auch Kampfpanzer liefern werde, erklärte Burbock, dies werde mit internationalen Partnern besprochen. Sie betonte, dass auch die Bundesregierung in der Verantwortung stehe, die eigene Bevölkerung zu schützen und sich deshalb nicht an einem Krieg beteiligen wolle. Zuvor hatte Spanien erklärt, es wolle untersuchen, ob deutsche Leopard-2-Panzer in die Ukraine geliefert werden könnten.