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Warum Apple jetzt 35 Kilogramm Werkzeug liefert

Der Akkuwechsel in einem modernen Smartphone ist eine mühsame Sache. Die Geräte sind zusammengeklebt, alles ist auf engstem Raum untergebracht und ohne Spezialwerkzeug kommt man nicht weit.

Das Bedürfnis, sein Smartphone selbst reparieren zu können, ist jedoch weit verbreitet. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, hat Apple im Herbst 2021 die sogenannte „Self-Service-Reparatur“ angekündigt. Wer sein iPhone reparieren möchte, muss die nötigen Ersatzteile samt Reparaturanleitung und Werkzeug bei der bestellen können Online-Shop.

Zwei iPhone Mini Hüllen

In den USA ist der Reparaturservice bereits angelaufen. Das Online-Fachmagazin The Verge testet es mit dem iPhone Mini – mit überraschenden Ergebnissen. Statt – wie erwartet – ein kleines Reparaturset schickte Apple zwei wuchtige Koffer mit 35 Kilogramm Werkzeug und einer 80-seitigen Anleitung an die Redaktion.

Unter anderem, um das Display des iPhones freizulegen, befand sich in der Schachtel eine professionelle Heizung, die wie Hightech-Laborgeräte aussah, aber laut The Verge nicht richtig funktionierte. Außerdem wurden drei verschiedene Schraubendreher und Drehmomentschlüssel benötigt, um das Glas zu entfernen.

Der Dritte muss helfen

Das Ärgerlichste an dem ganzen Vorgang war, dass der Ersatzakku des iPhones nach dem Einbau nicht als Original-Apple-Ersatzteil erkannt wurde. Verge musste zunächst ein externes Logistikunternehmen kontaktieren, um die Batterie zu bestätigen. Das geht aber nur, wenn Sie dem Unternehmen den Fernzugriff auf das iPhone erlauben. Auf diese Weise verlieren Sie die Kontrolle über Ihr eigenes Gerät.

Auch finanziell hat sich der Aufwand nicht gelohnt. Für den Akku verlangt Apple von The Verge umgerechnet 67 Franken. Sie würden den gleichen Betrag im Apple Store bezahlen, aber ohne selbst mit dem iPhone herumspielen zu müssen und das Risiko einzugehen, das Gerät zu beschädigen.

Für das zur Verfügung gestellte Instrument kamen 47 Franken hinzu. Und: Wird es nach sieben Tagen nicht zurückgegeben, behält Apple ein Pfand von knapp 1200 Franken ein. Letztlich trägt der Hersteller die Kosten für die Anlieferung der beiden schweren Koffer.

Nutzloser Service – mit Absicht?

Generell empfiehlt The Verge den Reparaturservice nicht; Das Verfahren ist zu kompliziert, der Aufwand zu groß und das Risiko, dass etwas schief geht, zu groß. Das Magazin spekuliert, dass dies für Apple durchaus richtig sein könnte. Schließlich hat sich das Unternehmen lange gegen die Idee gewehrt, eigene Produkte zu reparieren und zu modifizieren. Jetzt kann er zumindest sagen: Wir haben es versucht.

Der Gang zum Apple Store bleibt die einfachste Lösung für ein kaputtes iPhone. Auch The Verge findet deutliche Worte zum neuen Dienst: “Apple hat sich hier wohl Schwerz geleistet.”

(Osc)