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Weinernte: Trauben überstehen Dürre – noe.ORF.at

Die tiefen Wurzeln helfen den Reben, die aktuelle Trockenheit in Ostösterreich gut zu überstehen. Im Gegensatz zu anderen Kulturpflanzen profitiert Wein sogar von den aktuellen Wetterbedingungen und hat nur vereinzelte Schäden. Was jedoch Eindruck macht, ist das Erntedatum, denn die ersten Farmen haben bereits mit der Ernte begonnen. Mitte August, also viel früher als noch vor etwa 20 Jahren – damals wurden die Trauben Mitte oder Ende September geerntet.

Das vergangene Jahr brachte eine besonders gute Ernte

Im Vergleich zu den Vorjahren sei derzeit in Niederösterreich mit einer durchschnittlichen Ernte zu rechnen, so Johann Grassl, Fachbereichsleiter Weinbau bei der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Im Vorjahr war die Ernte im größten Weinbau-Bundesland mit 1,63 Millionen Hektoliter besonders gut.

Die Voraussetzungen für eine qualitativ gute Ernte sind laut Graßl gegeben, aber Regen in den letzten zwei Wochen vor oder während der Ernte könnte das noch ändern. Bei jungen Reben könne man dieses Jahr nicht mit einem großen Ertrag rechnen, auch wenn es mehr regne, sagte er. Übrigens werden in Niederösterreich fast keine Flächen bewässert.

APA/Helmut Fohringer Experten der Landwirtschaftskammer NÖ erwarten in diesem Jahr keine großen Erträge von Jungreben

In Niederösterreich werde derzeit mit dem Lesebeginn „etwa in der zweiten Septemberwoche“ gerechnet, sagte Grassl. Dies beginnt später als zum Beispiel 2018, 2011 oder 2003, wenn die Trauben ab August geerntet werden.

Die aktuelle Wetterlage ist nach wie vor nicht negativ

Aufgrund der menschengemachten Klimakrise rechnet die Wissenschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit zunehmend extremen Hitzewellen und längeren Dürreperioden. Die burgenländische Landeshauptfrau-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf (SPÖ) hat kürzlich im Zusammenhang mit der Grundwasserproblematik im Seewinkel davor gewarnt, dass der Weinbau unter sinkenden Grundwasserständen leiden könnte. Obwohl die Reben tief verwurzelt sind, geraten sie unter Druck, wenn der Grundwasserspiegel sinkt.

Laut Verena Klökl, Koordinatorin der Weinbaubeiräte bei der Landwirtschaftskammer Burgenland, gibt es damit derzeit keine größeren Probleme. Sie erklärte im Gespräch mit der APA: „Die Wurzel der Rebe geht sehr tief, sodass die Trockenheit keinen großen negativen Einfluss auf die Qualität hat.“ Nur bei jungen Reben, bis zu drei Jahren alt, könne das schon mal vorkommen mit braunen Blättern.

APA/Helmut Fohringer „Wein ist eine Kulturpflanze, die sehr lange ohne Regen auskommen kann“, sagt Weinbaureferentin Verena Klökl für das Burgenland

Zu viel Regen ist schlecht für die Blattgesundheit, da zu viel Feuchtigkeit zu Pilzinfektionen führt. Das Worst-Case-Szenario für Reben ist ein Klima mit Regen alle paar Tage, in dem die Blätter ständig nass sind und nicht trocknen können. „Wein ist eine Kulturpflanze, die sehr lange ohne Regen auskommen kann“, sagte der Koordinator mit Blick auf die großen Weinbauländer Spanien, Italien und Frankreich.

Im Burgenland wird nur gelegentlich bewässert

„Dieses Jahr ist das Wetter nicht negativ. Es gibt fast keine kranken, infizierten Blätter“, erwartet Klökl eine gute Weinqualität im Burgenland. Bewässert wird der Wein laut ihr nur gelegentlich: „Im Weinberg versuchen sie zu lernen, dass sie Wurzeln entwickeln und nicht auf Bewässerung angewiesen sind.“

Noch ist das zu erwartende Volumen der Ernte 2022 schwer einzuschätzen, im vergangenen Jahr waren es im Burgenland 582.000 Hektoliter und Klökl erwartet dieses Jahr ein ähnliches Volumen. Zeitlich findet die Ernte aber früher statt als noch vor rund 20 Jahren, da die ersten Betriebe im Raum Neusiedl am See bereits damit begonnen haben.