Die Affenpocken-Epidemie ist immer noch nicht unter Kontrolle. Mittlerweile sind in Deutschland fast 3.000 Fälle bekannt, Tendenz steigend. Die USA haben den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihn sogar als „Notfall von internationaler Bedeutung“ bezeichnet. Männer, die Sex mit anderen Männern haben, sind besonders wahrscheinlich mit dem Virus infiziert. Allerdings werden manchmal Infektionen bei Frauen und Kindern beobachtet. Die gute Nachricht ist, dass Infektionen mit dem Affenpockenvirus normalerweise recht mild verlaufen. Es kommt zu Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen sowie eitrigen Hautveränderungen.
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Auch wenn das Krankheitsbild zunächst harmlos erscheint, gilt es, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Sonst könnten sich Affenpocken hierzulande als Infektionskrankheit etablieren. Zusätzliche Infektionen werden die Folge sein; der Erreger kann mutieren und schwere Erkrankungen hervorrufen, beispielsweise bei besonders gefährdeten Gruppen wie Schwangeren, Kindern, älteren und immungeschwächten Personen.
Um dies zu verhindern, startete Deutschland eine Impfkampagne. Zum Einsatz kommt der Pockenimpfstoff „Imvanex“ des dänisch-deutschen Unternehmens Bavarian Nordic.
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1. Wie wirkt Imvanex?
Der Imvanex-Impfstoff wurde ursprünglich gegen Pocken, das sogenannte Variola-Virus, entwickelt. Seit 2013 ist es in der EU für Personen ab 18 Jahren zugelassen. Der Impfstoff enthält nach Angaben der Europäischen Arzneimittelagentur EMA eine abgeschwächte Form des Vacciniavirus. Bei einer Impfung stellt dieser Erreger jedoch keine Gefahr dar: Er kann sich nicht in menschlichen Zellen vermehren und somit keine schweren Erkrankungen verursachen.
Das Vacciniavirus ist auch eng mit den Pocken- und Affenpockenviren verwandt. Ema geht daher davon aus, dass die Antikörper, die bei der Impfung mit dem Lebendimpfstoff produziert werden, auch vor Affenpocken schützen.
Spanien meldet zweiten Todesfall durch Affenpocken
Eine zweite Person ist in Spanien an einer Affenpocken-Infektion gestorben.
© Quelle: Reuters
2. Wer sollte mit dem Impfstoff geimpft werden?
Im Juni hat die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Empfehlung zur Impfung gegen Affenpocken herausgegeben. Die beim Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelte Kommission rät derzeit zwei Gruppen zur Impfung:
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- Personen, die Kontakt zu einer an Affenpocken erkrankten Person hatten (Kontakte)
- Personen, die ein hohes Risiko haben, an Affenpocken zu erkranken – insbesondere Männer, die Sex mit anderen Männern haben und häufig den Partner wechseln (Risikopersonen)
Da der Impfstoff derzeit nur in geringen Mengen verfügbar ist, empfiehlt Stiko, vorrangig Kontaktpersonen zu impfen. Genau wie Risikopersonen benötigen sie zwei Dosen des Impfstoffs, um einen grundlegenden Immunschutz aufzubauen. Das Impfschema sieht wie folgt aus: Die erste Impfung muss innerhalb von 14 Tagen nach dem Kontakt mit der infizierten Person erfolgen; dann sollte die zweite Dosis mindestens 28 Tage folgen.
Der Mangel an Impfstoff veranlasste die Stiko im Juli zu einer erneuten Anpassung ihrer Empfehlung: Statt zwei Impfdosen soll zunächst nur eine Impfdosis verabreicht und die zweite Dosis später nachgeholt werden – sofern genügend Impfstoff vorhanden ist. Bereits eine einmalige Impfung bietet einen guten Basisschutz, der durch eine zweite Dosis noch verstärkt wird. „Um die Ausbreitung des Affenpockenvirus zu verhindern und einen Ausbruch zu kontrollieren, ist es wichtig, die verfügbaren Impfstoffmengen mit dem bestmöglichen Nutzen früh in der Impfkampagne zu verteilen“, sagte das Gremium in einer Pressemitteilung. Generell gilt: Menschen, die im schlimmsten Fall schwer erkranken können, etwa Menschen mit geschwächtem Immunsystem, sollten bei Impfungen Vorrang haben.
3. Wo kann ich mich gegen Affenpocken impfen lassen?
Die Impfung gegen Affenpocken ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Hier können Sie sich impfen lassen:
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- Schleswig-Holstein: in der Klinik für Infektiologie des UKSH in Lübeck, in der HIV-Klinik des UKSH Kiel und in der HIV-Klinik des Städtischen Klinikums Kiel
- Hamburg: in Praxen für Infektionskrankheiten
- Mecklenburg-Vorpommern: in Universitätsmedizin Rostock
- Niedersachsen: in HIV-Fachpraxen
- Bremen: Die Impfungen werden von den Gesundheitsämtern in Bremen und Bremerhaven organisiert
- BrandenburgOrganisiert werden die Impfungen vom Gesundheitsamt, der HIV-Praxis Blankenfelde-Mahlow und der Infektionsambulanz des Ernst-von-Bergmann-Klinikums
- Berlin: in HIV-fokussierten Praxen, in der Sexualmedizinischen Beratungsstelle „Checkpoint BLN“, im Zentralen Gesundheitsamt, in den Spezialambulanzen der Charité und den Infektiologischen Kliniken St. Joseph Krankenhaus Tempelhof und Vivantes Auguste-Victoria-Klinik Schöneberg
- Sachsen-Anhalt: Impfungen werden durchgeführt Gesundheitsbehörden
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- Nordrhein-Westfalen: in HIV/Infektionsschutz-Ambulanzen der Universitätskliniken Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Münster und Köln sowie in teilnehmenden HIV/STI-Facharztpraxen
- Thüringen: in den Praxen von HIV-Spezialisten und von Gesundheitsbehörden
- Sachsen: am Städtischen Klinikum Dresden – Zentrum für Infektions-, Reise- und Tropenmedizin, am Klinikum St. Georg Leipzig – Klinik für Infektiologie/Tropenmedizin, Nephrologie und Rheumatologie und am Klinikum Chemnitz – Klinik für Infektions- und Tropenmedizin
- Hessen: Im Impfzentrum des Gesundheitsamtes Frankfurt werden Impfungen von HIV-Spezialisten durchgeführt
- Rheinland-Pfalz: in Kliniken und Ambulanzen für HIV-Spezialisten und in Gesundheitsämtern
- Saarland: am Universitätsklinikum des Saarlandes (Bestellung erfolgt durch das Gesundheitsamt)
- Badenwürttemberg: in Praxen und Ambulanzen, die eine HIV/PrEP-Versorgung anbieten
- Bayern: in Facharztpraxen und Ambulanzen zur HIV-Versorgung und HIV-Prävention (PrEP)
Es ist notwendig, dass: Da die Menge der Impfdosen in den Bundesländern derzeit begrenzt ist, kann es bei Terminbuchungen zu Wartezeiten kommen.
4. Welche Impfreaktionen und Nebenwirkungen können auftreten?
Wie bei jeder Impfung können Impfreaktionen auftreten, die darauf hindeuten, dass der Körper den Impfstoff verarbeitet. Dazu gehören Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und Juckreiz an der Injektionsstelle, laut Informationsblatt zur Affenpocken-Impfung. In klinischen Studien traten diese Symptome normalerweise innerhalb weniger Tage nach der Impfung auf, hielten aber nur eine Woche an, bevor sie verschwanden.
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Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelschmerzen sind ebenfalls sehr häufig. Muskelsteifheit, Schüttelfrost, Fieber oder Schüttelfrost, Appetitlosigkeit und Gliederschmerzen sind häufig. Symptome wie Brustschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Durchfall, Schlafstörungen, Erbrechen, Migräne, Schwindel und Herzrasen treten selten oder sehr selten auf.
Affenpocken-Ausbruch: Warum Stigmatisierung jedermanns Problem ist
Die aktuelle Affenpocken-Epidemie kann homophobe und rassistische Vorurteile schüren. Der amerikanische Epidemiologe Greg Gonsalves sagt, dass die Täter bei neuen Infektionskrankheiten oft falsch identifiziert werden. Wie kann Stigmatisierung verhindert werden, ohne die Gesundheitserziehung zu vernachlässigen?
Die Komplikationen der Impfung – dh. Impfreaktionen, die schwerer als üblich sind – dazu gehören allergische Hautreaktionen wie Nesselsucht, periphere Ödeme (Flüssigkeitsansammlung in Armen und Beinen) und sogenannte Angioödeme mit Schwellungen, zum Beispiel der Lippen und Wangen. Störungen des peripheren Nervensystems wie Parästhesien, Taubheitsgefühl und Schmerzen wurden ebenfalls beobachtet.
Es ist notwendig, dass: Dies sind sehr seltene Komplikationen der Impfung. Dies bedeutet, dass diese Reaktionen bei weniger als 1 von 10.000 geimpften Personen auftraten.
5. Wie wirksam ist der Affenpocken-Impfstoff?
Genaue Daten dazu gibt es nicht. Stiko bezieht sich in seiner Impfempfehlung nur auf Tierversuche. Es zeigte sich, “dass die Impfung mit Imvanex eine ähnliche Immunantwort und Schutzwirkung hervorruft wie herkömmliche Pockenimpfstoffe”. Die Wirksamkeit von Imvanex gegen Affenpocken soll dann etwa 85 Prozent betragen. Das ist der Wert, den das RKI auf seiner Website angibt.
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Das bedeutet, dass Sie als geimpfte Person um 85 Prozent seltener krank werden als bei einer ungeimpften Person. Das bedeutet jedoch nicht, dass die restlichen 15 Prozent an Affenpocken erkranken. Oder dass alle ungeimpften Menschen Affenpocken bekommen. Es wird immer Menschen geben, die sich nicht mit dem Erreger infizieren.
6. Nach der Impfung: Ab wann wirkt die Impfung?
Das RKI schreibt, dass bereits 14 Tage nach der ersten Impfung ein guter Grundschutz gegen Affenpocken bestehe. Allerdings reicht eine Impfdosis auf Dauer nicht aus, da die Schutzwirkung nach zwei Jahren nachlässt. Eine zweite Dosis ist erforderlich, um einen länger anhaltenden Schutz aufzubauen.
7. Sind Sie nach der Affenpockenimpfung dauerhaft immun gegen den Erreger?
Es ist nicht klar, ob Imvanex-Impfungen Menschen dauerhaft immun gegen Affenpocken machen. Bisher scheinen zwei Dosen des Impfstoffs auszureichen, um einen guten Schutz vor dem Virus zu bieten. Klar ist aber auch, dass der Impfstoff keinen hundertprozentigen Schutz bieten kann.
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