Gespräch in “Maybrit Illner”: Von links: Katerina Mishchenko, Olaf Scholz, Ralf Berning, Maybrit Illner, Rifka Lambrecht. (Quelle: Svea Pietschmann/ZDF/dpa-Bilder)
Die Krankenschwester ist grausam zu Scholz
Schwester Ralph Berning war nicht überzeugt. Er empfahl Scholz, in Sachen Kommunikation dem Beispiel von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) zu folgen. Er spricht so, dass man ihn versteht. Scholz hingegen antwortete in einem Interview mit einem knappen „Nein“, als er gefragt wurde, ob er irgendwelche Energiespar-Ideen habe.
„Dann fühlt sich der Bürger betrogen. Vielleicht sollte man sich vorher etwas besser vorbereiten und konkrete Ideen einbringen“, sagt der ehemalige Vertragssoldat, der in Kunduz als Ausbilder diente.
Während Berning, der oft in Talkshows eingeladen wird, derzeit einen Teil seines Urlaubsgeldes für Jahresendrechnungen zurücklegt, stand die Familienbäckerei von Cornelia und Steffen Stiebling im Januar wegen horrender Verzögerungen vor dem Aus.
Energie- oder Verpackungskosten hätten sich teilweise verdreifacht, sagt das Ehepaar aus Thüringen, das seinen Familienbetrieb in dritter Generation mit 30 Mitarbeitern führt. Die Preiserhöhung könne jedoch nicht an die Kunden weitergegeben werden: “Das wird niemand mehr kaufen.”
Auch Steffen Stiebling beschäftigt in seiner Bäckerei inzwischen drei Flüchtlinge aus der Ukraine. Bei aller Anteilnahme für die Kriegsopfer warf er Scholz eine unverantwortliche Politik gegenüber Russland vor: “Deutschland kann einem Land, von dem es so abhängig ist, nicht Sanktionen auferlegen und damit das Feuer anfachen.” Der 58-Jährige plädierte dafür, die Gaspipeline Nord Stream 2 ans Netz zu bringen. “Ich kann dieses Land nicht komplett zerstören, weil ich gegen Krieg bin. Der Schaden ist unermesslich”, warnte er. “Wenn kein Gas mehr da ist, können wir nicht mehr backen, dann ist der Ofen aus.”
„Wie lange regieren Sie gegen die Stimmung?“, fragte Illner die Kanzlerin. „Ich glaube, dass man nur mit der Unterstützung der Bürger handeln kann, aber ich glaube, dass das noch sehr lange möglich sein wird“, entgegnete der Regierungschef. Er erwartet, “dass wir so lange wie nötig solidarisch mit der Ukraine bleiben können”.
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