Die Elbe, Deutschlands drittlängster Fluss, fließt derzeit ruhig durch Dresden. Üblicherweise beträgt der Wasserstand zwei Meter, beim Jahrhunderthochwasser 2002 waren es 9,40 Meter. Teile der Altstadt wurden überflutet, berühmte Wahrzeichen wie die Zemperoper oder die Frauenkirche waren in Gefahr.
Bis zur nächsten Jahrhundertflut würden es nur noch elf Jahre sein. 2013 standen ganze Landstriche Sachsens unter Wasser und Zehntausende Menschen mussten aus ihrer Heimat fliehen. Freiwillige wurden gebraucht.
„Wir müssen mehr Menschen in das Ehrenamt einbeziehen“
Allerdings ist das Ehrenamt in Sachsen nicht so stark ausgeprägt wie in Niederösterreich. Die beiden Bundesländer sind ähnlich groß, Sachsen hat eine Fläche von 18.400 Quadratkilometern, Niederösterreich 19.200 Quadratkilometer, Sachsen hat mit rund vier Millionen Einwohnern mehr als doppelt so viele Einwohner wie Niederösterreich (1,7 Millionen).
Allerdings hat Niederösterreich mehr als doppelt so viele Freiwillige im Feuerwehr- und Rettungsdienst. 107.000 Feuerwehrleute und 20.000 Freiwillige im Rettungsdienst in Niederösterreich stehen 42.000 Feuerwehrleuten und 9.000 im Rettungsdienst in Sachsen gegenüber.
„Die Zahl der Naturkatastrophen nimmt zu: der Jahrhundertwaldbrand in Niederösterreich, hier das große Hochwasser an der Elbe, in Niederösterreich an der Donau. „Der Bedarf ist groß, wir müssen mehr Menschen in das Ehrenamt einbeziehen und sehr früh, in der Schule, ansetzen“, sagte Sachsens Landespräsident Matthias Rössler (CDU) gegenüber noe.ORF.at.
Die ORF-Elbe fließt derzeit ruhig an der Dresdner Altstadt vorbei, der durchschnittliche Wasserstand liegt in der Regel bei etwa zwei Metern
Der Kommandant der sächsischen Landesfeuerwehr, Andreas Rümpel, sprach von ähnlichen Herausforderungen in Niederösterreich und Sachsen. „Wir konkurrieren mit Sportvereinen und anderen Vereinen. Die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde, eine Dienstleistung von gemeinsamem Interesse. Deshalb muss es unsere Pflicht sein, viele einzubeziehen, Mädchen ebenso wie Jungen, Frauen und Männer. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.”
Seit 30 Jahren tauschen sich die Landtage von Niederösterreich und Sachsen über aktuelle Themen aus. Die seit 1992 bestehende Partnerschaft wird nun im Katastrophenfall bezahlt. „Was uns sehr freut, ist, dass sich die Einsatzkräfte sehr gut kennen. Der Kommandant der sächsischen Feuerwehr weiß genau, wer sein Kollege in Niederösterreich ist, und die Rettungskräfte auch. Das bedeutet, dass hier eine hervorragende internationale Zusammenarbeit besteht“, sagte Niederösterreichs Landtagspräsident Karl Wilfing (ÖVP).
Was Niederösterreich von Sachsen lernen will
„Wir sagen immer: ‚Lernt die Köpfe in der Krise kennen.’ „Je schneller das Kabel, je besser ich weiß, wie das andere funktioniert, desto besser kann ich Einsätze machen“, sagt Rüdiger Unger, Präsident des Sächsischen Roten Kreuzes.
Verschiedene Möglichkeiten im Sirenensystem
Auch bei künftigen Einsatzszenarien wollen Niederösterreich und Sachsen eng zusammenarbeiten. „Wir haben bereits ein Folgetreffen vereinbart und werden Sie (die Sachsen; Anm. d. Red.) in die Feuerwehr- und Sicherheitsschule nach Tulln einladen, um gemeinsam an der Thematik Stromausfälle zu arbeiten“, sagte der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts Niederösterreichischer Zivilschutzverband Landtag Bernhard Heinreichsberger (ÖVP) im Anschluss an die Dresdner Debatte.
Im Bereich der Alarmierung gehen Sachsen und Niederösterreich jedoch unterschiedliche Wege. In Deutschland wurden in der Vergangenheit viele Sirenen demontiert und andere Alarmsysteme verwendet, wie zum Beispiel Handyalarme. Die Erfahrung war jedoch, dass man mit dem Handy nur einen viel kleineren Teil der Bevölkerung erreichen kann.
„Wir arbeiten jetzt mit Hochdruck daran, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen“, sagte Landtagssprecher Matthias Rössler. „Wir kommen um den guten alten Käse nicht herum. Sie ist überall in Niederösterreich und wird bald wieder überall bei uns sein.“ 2450 Sirenen gibt es in 573 Gemeinden in Niederösterreich – mehr dazu im Bevölkerungsschutz-Testalarm: Neun Sirenen defekt (noe.ORF.at; 1. Oktober , 2021).
Add Comment