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Zweiter Versuch für Shirin Neshat

13. August 2022

Neshat verdeutlicht die Wiederaufnahme stärker © APA/BARBARA GINDL

Salzburgs Aida ist zurück. Mit Shirin Neshats erstem Opernwerk – das 2017 erstmals im Festspielhaus zu sehen sein wird – gibt es in diesem Jahr nach Die Zauberflöte eine zweite Chance für eine weitere Produktion aus den Vorjahren. Mit einem dicken Stift zeichnete Neshat ihre Handschrift nach, die einst als zu schwach kritisiert wurde. Dies sorgt für üppigere Illustrationen, poetische Kommentare und manchmal Einblicke in die Arbeit. Aber die Bilder machen nicht den Regisseur.

Fünf Jahre ist es her, dass Neschat, der als Künstler und Regisseur bekannt ist, zum ersten Mal eine Oper in Salzburg aufführte. Aida von Giuseppe Verdi, so seltsam, so logisch. Eine iranische, weibliche Sichtweise, bekannt für ihre engagierte Bildsprache im poetisch-politischen Spannungsfeld, als modernes erfrischendes Heilmittel für die heute problematische exotische Verdi-Oper. Was nach einem Erfolgsrezept klang, wurde 2017 zum schmerzlich einfallslosen Bühnenbild für Anna Netrebkos fulminantes Hauptdarsteller-Debüt. Sie habe sich damals nicht genug getraut, sagt Neshat heute. Man kann vermuten, dass Riccardo Muti mit seinen glasklaren Ideen eine etwas hemmende Rolle gespielt haben mag.

Also jetzt ohne Muti, auch ohne Netrebko, aber mit Alen Altinoglu und Elena Stikhina. Der schlichte White Cube, der die Drehbühne dominiert, bleibt ebenso wie die folkloristischen Kostüme der Geistlichen, aber vieles ist auch neu, lebendiger, choreographierter, mit Videokunst illuminiert und mit symbolischen Handlungen, Ritualen und Gesten aufgeladen. Zwischen den Akten werden riesige Porträtaufnahmen und weibliches Flüstern gezeigt. Statt großer Roben wie einst La Anna trägt diese Aida ein schlichtes schwarzes Kleid. All das schlägt sich gut in der Inszenierung nieder und lässt einen in die eigenwillige Symbolwelt von Neshat eintauchen. In ihren poetischen Gegensatzpaaren, Schwarz und Weiß, Mann und Frau, Gewalt und ihre Opfer.

Gut für Aida ist auch, dass seine kriegerischen und kolonialen Töne und Untertöne in Neshats meditativem Bild, das zwischen Ritus und Individuum kreist, auf sich selbst zurückgekehrt sind und auch hier – wie 2017 – in den meisten starken Szenen gelingen . Aber sie alle passieren parallel zur Oper, zur Handlung, zu den Charakteren, nicht zu ihnen. Und auch diesmal sucht man vergeblich nach einem Moderator, der Gesang ist wieder statisch auf der Rampe, andere, aber nicht die Hauptdarsteller, sorgen für Lebendigkeit auf der Bühne.

Mit Yves-Maud Jubo, der kurzfristig Anita Rachvelishvili als Amneris eindrucksvoll ablöst, Piotr Betsala als zuverlässig strahlender Radames und Elena Stikhina in der Titelpartie, ist auch diese Aida reich mit stimmlichen Schätzen ausgestattet. Stichina, die 2019 in Salzburg als „Medée“ vertont wurde, besticht durch eine intensive emotionale Klavierkultur und ein warmes Farbenspiel in allen Registern, bleibt aber als Figur mangels eines so obskur wie Amneris und Radames Gliederung vom Regisseur.

Klare Konturen und frische Akzente waren selten aus dem Orchestergraben zu hören. Mit den Wiener Philharmonikern werden vor allem in den schwachen Kammermusik- oder Solistenparts wertvolle Verbindungen zwischen Stimmen und Instrumenten erzielt, und Altinoglu schafft auch die Balance der Massenbühnen ohne Gefahr – aber im großen, von Verdi so farbenfroh gestalteten Raum dazwischen , man wünscht sich mehr Dynamik.

Dass Festspielleiter Markus Hinterhauser mit „Die Zauberflöte“ und „Aida“ zwei Inszenierungen wieder aufleben ließ, die beim ersten Mal aus unterschiedlichen Gründen nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen konnten, ist ein unkonventioneller Gnadenakt, wie er in der Oper so oft zelebriert wird . Diese Überarbeitung kam den Tracks zweifelsfrei zugute – ob dies alleine ihre Neuauflage rechtfertigt, ist allerdings fraglich. Im Fall von Aida konnte das Publikum die Frage zwischen freundlicher Zustimmung und ein paar hartnäckigen Buhrufen nicht beantworten.

Aida von Giuseppe Verdi. Musikalische Leitung: Alen Altinoglu, Regie: Shirin Neshat. Mit Elena Stikhina, Yves-Maud Eubo, Piotr Betsala, Erwin Schroth, Luca Salsi und anderen. Nächste Termine 15., 19., 23., 27., 30. August. Eine große Festhalle. salzburgerfestspiele.at