Allianz: Alle Häfen sind überlastet. Schiffsstaus in Shanghai dürften noch Monate andauern
10. Mai 2022, 08:26 Uhr
Anlagen stehen still, Waren werden knapp: Die Corona-Pandemie sorgt für enorme Verzögerungen im weltweiten Lieferverkehr. Die Schiffsversicherer der Allianz warnen: Der Krieg in der Ukraine und die Blockade in Shanghai sorgen weltweit für überlastete Häfen.
Der Megastau am weltgrößten Containerhafen in Shanghai wird nach Ansicht der Allianz-Schifffahrtsexperten die globalen Lieferketten auch in den kommenden Monaten durcheinander bringen. Die Sperrung der Krone in der chinesischen Metropole hat den Hafen weitgehend lahmgelegt. „Das lässt sich nicht auf die Schnelle lösen“, sagt Justus Heinrich, der bei der Allianz AGCS-Tochter für die Schifffahrt weltweit zuständig ist. Es wird mindestens ein bis drei Monate dauern, bis die Situation unter Kontrolle ist. Ohnehin erlebt die Schifffahrt derzeit eine noch nie dagewesene Überlastung des Hafens, die die Besatzungen und das Personal des Hafens unter großen Druck setzt.
Seit Beginn der Corona-Pandemie leidet die Branche unter teilweise langen Verzögerungen bei der Lieferung von Rohstoffen und Teilen an Zulieferer. Allerdings ist laut Allianz die Ladekapazität in der Handelsschifffahrt generell sehr knapp. Deshalb haben große internationale Reedereien 7,5 Millionen neue Container bestellt, sagte Risikoberater Anastasios Leonburg bei der Vorstellung der jährlichen Schifffahrtsumfrage der Allianz. “Man muss viel mehr Container bauen, die dann in Umlauf kommen.”
Der Boom der Branche führt dazu, dass Nicht-Containerschiffe auch zum Transport von Metallcontainern eingesetzt werden, alte Schiffe länger genutzt und Wartungsintervalle nicht eingehalten werden. Das birgt Risiken – und jetzt kommt noch der Krieg in der Ukraine mit seinen Folgen hinzu. Die Schiffe sind bereits im Schwarzen Meer verloren gegangen, andere sind in ukrainischen Häfen gestrandet. Der Krieg verschärfte die durch die Pandemie verursachten Versorgungsprobleme, die Überlastung der Häfen und Probleme bei der Rekrutierung von Schiffsbesatzungen, schloss der Versicherer.
Schiffe haben eine eigene Militärversicherung, die im Gegensatz zur Kaskoversicherung greift, wenn Schiffe verloren gehen. Nach einer festgelegten Wartefrist von sechs bis zwölf Monaten können Schiffe, die Häfen nicht mehr verlassen können, zum Totalschaden erklärt werden. Sorgen bereitet Allianz-Experten auch einem möglichen Öl-Embargo gegen Russland. Wenn Heizöl knapp wird, können Schiffseigner gezwungen sein, andere, möglicherweise schlechtere Kraftstoffe zu verwenden, was zu Schäden an der Maschine führen kann.
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