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Die Eigenschaft des Misstrauens führt zu einem historischen Treffen

Parlament

Die heutige Landtagssitzung ist an Spannung kaum zu überbieten. Zu Beginn wird über das Misstrauensvotum gegen Gouverneur Marcus Wallner abgestimmt. Marcus Wallner ist nach Martin Pertscher der zweite Landeshauptmann von Vorarlberg, der sich einem Misstrauensvotum stellen muss.

11.05.2022 05.49

Heute online, 5.49

Als erster Tagesordnungspunkt stand unmittelbar nach dem Grußwort von Landtagspräsident Harald Sondereger ein Misstrauensvotum gegen die Opposition. Die Abstimmung im Landtag erfolgt grundsätzlich per Handzeichen. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten. Mindestens drei Abgeordnete können eine namentliche Abstimmung beantragen. Dann werde jeder der 36 Wähler aufgerufen und müsse sich öffentlich bekennen, erklärt Landtagschefin Borghild Goldgruber-Rainer.

Bitschi: Die FPÖ wird die geheime Wahl unterstützen

Es ist aber auch eine anonyme Stimmabgabe mit einem Stimmzettel möglich. Für FPÖ-Klubpräsident Christoph Bichi ist das eine mögliche Lösung: „Wenn es den Grünen hilft, geheim abzustimmen, werden wir uns bestimmt fügen.“

Die Grünen entscheiden über die Zukunft der Politik in Vorarlberg

Am Dienstagabend debattierten die Grünen, ob sie Landeshauptmann Wallner wählen sollten oder nicht. Das Treffen dauerte etwas mehr als zwei Stunden. Sollten die Grünen auf Wallner verzichten und der Nominierung zustimmen, werde es am Mittwochabend oder spätestens Donnerstagmorgen ein Treffen bei der ÖVP geben, um das weitere Vorgehen zu besprechen, sagte ÖVP-Klubobmann Roland Breckfast gegenüber ORF Radio Vorarlberg. Dann kommt das Ende der Koalition und Neuwahlen. Wenn die Grünen Wallner trotz Krise das Vertrauen aussprechen, bleiben sie in der Regierung.

Schobi-Fink (ÖVP) wird Wallners Platz einnehmen

Der Worst Case für Marcus Wallner wäre, dass er heute sein Amt als Landeshauptmann räumen muss. Dies wäre der Fall, wenn das Misstrauensvotum angenommen würde, dh mindestens 19 von 36 Stimmen erhalten würden. In diesem Fall gilt die Vertretungsregel, dh. Landeshauptfrau Barbara Schoeby-Fink (ÖVP) wird erste Landeshauptfrau Vorarlbergs. Tritt die gesamte Regierung zurück, muss der Landtag innerhalb von zwei Wochen eine neue Regierung wählen.

Ab Dienstagabend scheinen alle Abgeordneten zu dem Treffen zu kommen. Bisher habe sich noch niemand entschuldigt, sagt Goldgruber-Rainer. Allein die ÖVP hat mittlerweile 17 Mitglieder. Wenn alle hinter Landeshauptmann Wallner stehen, brauchen sie eine weitere Stimme. Der unverheiratete Thomas Hopfner sagte am Dienstag, er werde der Kandidatur nicht zustimmen. Damit wäre ein Misstrauensvotum nicht „erfolgreich“.

1992: Ein Misstrauensantrag gegen Purtscher

Marcus Wallner ist nach Martin Pertscher der zweite Landeshauptmann von Vorarlberg, der sich einem Misstrauensvotum stellen muss. 1992, vor genau 30 Jahren, wurde der Antrag gegen Purtscher von ÖVP und FPÖ abgelehnt.