Es ist jedoch wahrscheinlich kein Zufall, dass der Kanzlei am Morgen des 6. September Karten und Informationen über Saporoschje vorgelegt wurden. Das besetzte Kraftwerk wurde in den Tagen zuvor immer wieder durch externe Stromversorgung unterbrochen, was das Risiko einer Strahlenkatastrophe stark erhöht. Etwa zur gleichen Zeit wurden Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in die Anlage gelassen, um sich ein Bild von den Zuständen zu machen. Der Bericht darüber wird am Abend im UN-Sicherheitsrat erwartet.
Das Atomkraftwerk steht auf der Kippe
Bei seinem Start ging die Einschätzung von IAEA-Chef Rafael Grossi um die Welt: “Wir spielen mit dem Feuer und es könnte etwas sehr, sehr Katastrophales passieren.” Der Bericht stellt fest, dass die Situation in Zaporozhye unhaltbar ist. Die Sicherheitszone um das Kernkraftwerk ist unbedingt erforderlich. Die IAEO ist jederzeit bereit, diese zu erstellen.
Daher ist das Expertenteam in fast allen Bereichen mit enormen Sicherheitsrisiken konfrontiert. Die externe Stromversorgung wurde unterbrochen, was die Kühlung der Reaktoren gefährdet. Der starke Druck auf das ukrainische Personal macht menschliches Versagen wahrscheinlicher. Der Beschuss bedroht kritische Systeme wie die Kommunikation. Und die russische Armee parkt ihre Ausrüstung in den Turbinenhallen.
Militärfahrzeuge in Saporischschja: Die IAEA-Mission stieß auf mehrere Sicherheitsrisiken. (Quelle: IAEO)
So verwundert es kaum, dass auch die Bundesregierung das weit entfernte Kraftpaket auf höchster Ebene im Auge hat. Bislang hielten Experten einen Super-GAU im Ausmaß von Tschernobyl für unwahrscheinlich oder unmöglich. Der moderne Reaktortyp verhindert dies ihrer Einschätzung nach bereits.
Bei andauernden Stromausfällen ist jedoch eine Kernschmelze mit vergleichbar katastrophalen Folgen wie in Fukushima 2011 in Japan möglich. Zu diesem Zeitpunkt wehte der größte Teil der radioaktiven Wolke in Richtung Pazifik. Im Fall von Zaporozhye besteht diese Möglichkeit nicht. Wenn nicht in Europa, dann in Russland oder im Nahen Osten.
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Ob es dazu kommt, hängt vor allem von den Stromleitungen ab, die die Reaktorkühlsysteme speisen – sozusagen an einem seidenen Faden. Dies geht auch aus den Akten des Bundesamtes für Strahlenschutz hervor, die auf t-online abrufbar sind.
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