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Beamte betrügen die SBB millionenfach – doch ins Gefängnis soll niemand

Renovierte Häuser, kaufte Autos

Beamte betrügen die SBB millionenfach – doch ins Gefängnis soll niemand

Sie reparierten ihre Häuser, kauften Autos und Motorräder – alles mit Geld der SBB. Am Dienstag müssen sich vier Männer wegen Betrugs vor dem Bundesstrafgericht verantworten, ins Gefängnis wird wohl niemand gehen.

Veröffentlicht: 12:32

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Aktualisiert: vor 7 Minuten

Mutiger Betrug im Bundesbetrieb: Drei ehemalige SBB-Mitarbeiter und ein befreundeter Bauleiter und SVP-Lokalpolitiker haben die Schweizerischen Bundesbahnen mit mehr als drei Millionen Franken betrogen. Laut Anklage finanzierte die Beute ein “Luxusleben”. Der Betrug wurde 2012 aufgedeckt.

Am Dienstag müssen sich die vier Männer im Alter zwischen 47 und 60 Jahren vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona TI verantworten. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug, wiederholte Urkundenfälschung und wiederholte Amtsfälschung oder Mittäterschaft daran.

Doch wie der Tages-Anzeiger berichtet, hat das Betrugsquartett nichts zu befürchten. Denn die Männer hatten den Betrug zuvor in einem Sonderverfahren eingestanden und sich mit der Bundesanwaltschaft geeinigt. Sie sind auf Bewährung für 18 bis 24 Monate – also sollte keiner von ihnen wirklich ins Gefängnis gehen.

Renovierte Häuser und kaufte Autos

Aus finanzieller Sicht unterscheiden sich die Männer leicht: Sie müssen nur zwischen 150’000 und 250’000 Franken an die SBB zurückzahlen und die Produktionskosten tragen. In der Regel ist dies nicht mehr als ein Viertel der Gesamtsumme.

Den Großteil des gestohlenen Geldes haben die Männer ohnehin schon ausgegeben. Zwei der Angeklagten haben ihre Privathäuser repariert – für je über 300’000 Franken! Der eine ließ sich an bester Lage auf einem Hügel mit Blick auf den Bodensee für 60’000 Franken einen Pool bauen.

Ein anderer nutzte das Geld, um die Modeboutique seiner Frau in eine Stadt in der Ostschweiz zurückzubringen. Die Mittel wurden auch in Immobilien investiert. Sie kauften auch Autos, Harley-Davidson-Motorräder, iPhones und VIP-Tickets für das Open Air St. Gallen unter anderem. Am Ende bezahlte die SBB alles, respektive ihre Kunden.

Falsche Rechnungen ausgestellt

Aber wie war ein solcher Betrug in einem Bundesunternehmen überhaupt möglich? Die vier Männer starteten 2009 einen Raubüberfall bei der SBB. Einer der Haupttäter war ein Bauleiter einer Ostschweizer Firma, der lange für die SBB tätig war. Er erstellt gefälschte Rechnungen oder lässt sie von anderen Unternehmen ausstellen. Seine drei Komplizen bei der SBB sorgten dafür, dass sie bezahlt wurden.

Es ist jedoch nicht klar, warum der Fall trotz des verkürzten Verfahrens fast zehn Jahre dauerte, bis er abgeschlossen war. Auch das niedrige Strafmaß erscheint unverständlich. Konkrete Fragen im Verfahren gegen den Tages-Anzeiger wollte die Bundesanwaltschaft jedoch nicht beantworten. (BH)