Als “Amoktat” bezeichnete Berlins Innensenatorin Iris Spranger den Mord an einem 29-Jährigen in der Hauptstadt am Mittwoch. „Nach neuesten Informationen sind die heutigen Ereignisse in der Tauentzienstraße eine Wahnsinnsaktion eines Menschen mit geistiger Behinderung“, erklärte Spranger am Abend beim Onlinedienst Twitter. Bei dem Vorfall am Mittwochmorgen wurde eine Frau getötet und 14 weitere zum Teil schwer verletzt.
Ein Autofahrer hat eine Menschengruppe in der Nähe der Gedächtniskirche in Berlin angefahren und einen Lehrer aus Hessen getötet. Nach aktuellen Polizeidaten wurden neben dem ermordeten Lehrer 14 Menschen verletzt. Bei den Verletzten handele es sich ausschließlich um Mitglieder einer Gruppe von Schülern, mit denen der Hessenlehrer nach Berlin gereist sei, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwochabend.
Senatorin Iris Spranger: „Ich bin wieder in meinem Lagezentrum: Die heutigen Vorkommnisse in der #Tauentzienstraße sind nach neuesten Erkenntnissen eine Wahnsinnsaktion eines Menschen mit geistiger Behinderung.
– Senatsverwaltung für Inneres, Digitalisierung und Sport (@Innensenator) 08.06.2022
Fünf oder sechs Menschen wurden tödlich verletzt, drei weitere schwer. Aufgrund der dynamischen Lage seien die Angaben noch zögerlich, hieß es in der Mitteilung. Die Klasse bestand aus Zehntklässlern aus Bad Arolsen. Zuvor hatte die hessische Regierung mitgeteilt, dass eine Lehrerin schwer verletzt worden sei.
Deshalb war die Gruppe auf einer Reise in die Hauptstadt. Die Hintergründe waren noch unklar, die Trauer und Anteilnahme aus ganz Deutschland groß. Laut DPA der Polizei muss der Verdächtige psychisch aufgewühlt sein. Der Präsident der Polizei von Sofia betonte die Offenheit der Ermittlungen. Man ermittle wirklich in alle Richtungen, sagte Barbara Slovik am Mittwochabend dem RBB. Die geistige Beeinträchtigung des 29-jährigen Fahrers kann nicht ausgeschlossen werden, eine andere Herkunft kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Im Moment sperrt die Polizei „nichts“.
Es gibt keine Bekennerschreiben
Am Mittwochabend durchsuchte die Polizei mit Unterstützung eines Sondereinsatzkommandos die Wohnung des Fahrers. Eine Polizeisprecherin bestätigte den Einsatz im Raum Charlottenburg, über den Bild zuvor berichtet hatte. Die Polizei hatte auch Kontakt mit der Schwester des Fahrers. Genaueres gab es zunächst nicht.
Im Auto eines in Berlin lebenden 29-jährigen Deutsch-Armeniers wurden nicht nur Dokumente, sondern auch Plakate mit Aufschriften gefunden. “Es gibt kein richtiges Anerkennungsschreiben”, sagte Sen. Spranger vor ihrem Tweet. Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, dass im Auto ein Geständnis gefunden wurde. Spranger spricht von “Plakaten”, die Aussagen zur Türkei enthalten sollen. Die genaue Motivation des Fahrers muss geprüft werden, die Aussagen werden genau geprüft.
Slovik spricht von einem „Verdächtigen“, der jetzt im Krankenhaus liegt. Relevante Erkenntnisse zur politischen Motivation liegen derzeit nicht vor. In den Aussagen wurde kein Unfall erwähnt. Hessische Studenten würden psychologisch betreut, sagte Spranger.
Nach Angaben der Feuerwehr sind bei dem Vorfall am Mittwochmorgen insgesamt sechs Menschen in Lebensgefahr. Außerdem gibt es drei Schwerverletzte und mehrere Leichtverletzte. Die genaue Gesamtzahl der Opfer des Vorfalls Ku’damm und Tauentzienstraße war zunächst nicht bekannt. Die Polizei richtete eine Hotline für Angehörige ein, und Pastoren waren anwesend.
Der Fahrer des Autos wurde festgenommen
Der Fahrer des Autos wurde festgenommen. Er sei zunächst von Passanten festgehalten worden, sagte Polizeisprecher Tilo Kablitz. Die Polizei prüfte, ob es sich um einen Unfall, eine medizinische Notversorgung oder eine vorsätzliche Handlung handelte. Laut dpa fuhr der Fahrer ein Auto seiner älteren Schwester. Er soll wegen mehrerer Straftaten polizeibekannt gewesen sein, jedoch nicht im Zusammenhang mit Extremismus.
Nach derzeitigem Stand kam es am Mittwoch zu folgendem Unfall: Der Mann fuhr mit dem Renault-Kleinwagen am späten Vormittag auf der Ku’damm-Ecke Rankestraße auf den Bürgersteig des Ku’damms und in die Menschengruppe. Dann fahren Sie bis zur Kreuzung und knapp 200 Meter östlich auf die Tauentzienstraße. Kurz vor der Ecke Marburger Straße lenkte er den Wagen erneut vom Bürgersteig, touchierte ein anderes Auto, überquerte die Marburger Straße und fand sich in einem Parfümerie-Schaufenster wieder.
Die Bundesregierung, Innenministerin Nancy Feiser (SPD) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigten sich erschrocken über das Geschehene. „Meine Gedanken sind bei den Schwer- und Schwerstverletzten, bei den Toten“, sagte Steinmeier. „Und sie sind bei denen, die Schreckliches durchmachen mussten. Mein tiefstes Mitgefühl gilt ihnen, all ihren Angehörigen und Hinterbliebenen.“ Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Francisco Gifi (SPD), hat den Betroffenen Unterstützung zugesagt.
Die Polizei war nach eigenen Angaben am Mittwochmorgen mit rund 130 Einsatzkräften im Einsatz, die Beamten setzten einen Hubschrauber für eine Luftkontrolle ein. Die Feuerwehr war mit 100 Mann vor Ort. Das Areal wurde großflächig abgeschnitten. Die Polizei hat die Menschen aufgefordert, keine Fotos des tödlichen Vorfalls in einer Einkaufsstraße im Internet zu veröffentlichen.
Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte: „Wir haben sofort Notfallteams nach Bad Arolsen geschickt, um Angehörigen, Mitschülern und Lehrern zu helfen.“ Ein Team der Schule ist auf dem Weg nach Berlin, um Jugendliche vor Ort und ihre Eltern zu unterstützen.
Am Mittwochabend ehrten viele Menschen auch in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche die Toten und Verwundeten. Unter den Gästen waren unter anderem Familienministerin Lisa Paus (Grüne), Berlins Regierender Bürgermeister Francisco Giffi und Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (beide SPD) sowie Feuerwehr und Polizei. Auch viele Bürger drückten während des Gebets ihr tief empfundenes Beileid aus.
In der Nähe des Kirchendenkmals
Der Tatort liegt unweit der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg. Im Dezember 2016 betrat dort ein islamistischer Killer einen Weihnachtsbasar. Infolge der Spätfolgen starben insgesamt 13 Menschen und mehr als 70 wurden verletzt.
Die Gegend, in der sich der tödliche Vorfall am Mittwoch ereignete, ist aufgrund der vielen Geschäfte, Cafés und Sehenswürdigkeiten oft sehr belebt. Es ist ein Magnet für Touristen aus dem In- und Ausland.
Der Fall erinnerte Berlin auch an den Amoklauf auf der Stadtautobahn A100 im August 2020, als ein Autofahrer drei Motorradfahrer absichtlich angefahren hatte. Das Gericht überwies ihn in die Psychiatrie. (pa)
Add Comment