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Beschluss des Cockpitverbandes: Lufthansa-Piloten streiken am Freitag

Stand: 01.09.2022 07:32 Uhr

Nächster Streik bei Lufthansa: Nach dem Bodenpersonal wollen an diesem Freitag auch die Piloten streiken. Betroffen seien alle Flüge von Lufthansa und Lufthansa Cargo aus Deutschland.

Die Piloten der Lufthansa haben beschlossen, an diesem Freitag in einen eintägigen Streik zu treten. Alle Abflüge aus Deutschland der Mutterkonzerne Lufthansa und Lufthansa Cargo sollen gestrichen werden, teilte die Gewerkschaft Cockpit (VC) mit. Das habe der Vorstand nach intensiven Verhandlungen mit dem Unternehmen und auf Antrag des Tarifausschusses entschieden, sagte ein Sprecher.

Die Lufthansa wird voraussichtlich einen Notflugplan erstellen. Zu den Auswirkungen des angekündigten Pilotenstreiks auf die Passagiere konnte das Unternehmen am Vormittag aber noch keine Angaben machen. Das Unternehmen sagte, es werde alles tun, um es so niedrig wie möglich zu halten. Fluggäste werden gebeten, sich unter www.lufthansa.com zu informieren.

Streit um Zahlungsraten

„Um Arbeitskämpfe zu vermeiden, muss Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot präsentieren“, sagte VC-Tarifchef Marcel Grohls. Offizieller Grund für die Proteste sind aus Gewerkschaftssicht die gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag. Selbst eine Sondierungsrunde hinter verschlossenen Türen und ein verbessertes Angebot des Unternehmens in der vergangenen Woche brachten keinen Durchbruch. Zuletzt waren die Gespräche an diesem Mittwoch gescheitert.

Lufthansa habe den Termin nicht für ein verbessertes Angebot genutzt, erklärte der VC. Für rund 5.000 Kapitäne und Erste Offiziere fordert er noch in diesem Jahr eine Gehaltserhöhung um 5,5 Prozent und ab dem kommenden Jahr einen automatischen Inflationsausgleich.

Das Unternehmen kritisierte den Streikaufruf der Pilotengewerkschaft. „Wir haben absolut kein Verständnis für den Streikaufruf des VC“, sagte Personalvorstand Michael Nigemann am Vormittag. „Die Arbeitgeberseite hat einen sehr guten und sozial ausgewogenen Vorschlag gemacht – trotz der anhaltenden Auswirkungen der Corona-Krise und der unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft.“ Die Forderungen des Cockpit-Verbands (VC) würden dagegen steigen Kosten für Cockpit-Personal um 2,2 Milliarden Euro um mehr als 40 Prozent oder rund 900 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren.

97,6 Prozent der Streikstimmen

Im Hintergrund steht auch ein Konflikt um die künftige Unternehmensstrategie. In der Vergangenheit hatte VC eine garantierte genaue Anzahl von 325 Flugzeugen, die nur von den rund 5.000 Kapitänen und Ersten Offizieren geflogen werden konnten, die dem Tarifvertrag des Konzerns unterlagen. Unter dem Eindruck der Corona-Krise hat Lufthansa die entsprechende Vereinbarung gekündigt und damit begonnen, einen neuen Flugbetrieb (AOC) mit niedrigeren Tarifkonditionen unter dem Kranich-Logo zu schaffen. Die neue Fluggesellschaft mit dem internen Namen „Cityline 2“ wird viele Flüge der bisherigen Hauptfluggesellschaft im Europaverkehr übernehmen.

In der Lufthansa-Passage stimmten laut VC 97,6 Prozent für den Arbeitskampf, bei der kleineren Lufthansa Cargo waren es sogar 99,3 Prozent. Bei beiden Flugbetrieben lag die Beteiligung nach Angaben der Gewerkschaft bei über 93 Prozent. Voraussetzung ist die Zustimmung von mehr als 70 Prozent aller Wahlberechtigten.

Auch bei Eurowings droht Streik

Auch bei der größten Lufthansa-Tochter Eurowings mit ihren rund 100 Flugzeugen hat die Pilotengewerkschaft einen Streik vorbereitet. Nach Auszählung der Stimmzettel vom Mittwoch stimmten 97,9 Prozent für einen möglichen Arbeitskampf. Allerdings gibt es noch einen Verhandlungstermin in der kommenden Woche, daher wurde zunächst kein konkreter Streik für Eurowings ausgesprochen.

Erst im Juli legte die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals die Lufthansa-Flüge für einen Tag fast lahm. Mehr als 1.000 Flüge wurden gestrichen und rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern. In der anschließenden Verhandlungsrunde erzielte die Gewerkschaft für rund 20.000 Landarbeiter Lohnerhöhungen im deutlich zweistelligen Bereich, insbesondere in den unteren Lohngruppen.

Der letzte Pilotenstreik bei Lufthansa endete im Februar 2017 nach 14 Runden und einer letztlich erfolgreichen Schlichtung. Nach damaligen Angaben hat der 2012 begonnene Streik die Lufthansa mindestens 500 Millionen Euro gekostet.

Die Lufthansa steht unter Druck

Nikolaus Buschschlueter, HR, 01.09.2022 07:48 Uhr