Stand: 31.07.2022 13:42
Nachdem am Samstag in Göttingen fünf Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg detoniert sind, zieht die Stadt Bilanz. Weder Personen noch Gebäude wurden verletzt.
Oberbürgermeisterin Petra Breustedt (SPD) sprach von einem “sensationellen” Ergebnis – vor allem angesichts der Bombenzahlen. „Alle haben hervorragende Arbeit geleistet. Das gilt auch für die Menschen hinter den Kulissen“, sagte Breustedt. Ähnlich äußerte sich Christian Schmetz, Erster Stadtrat und Leiter der Task Force. Gleichzeitig wies er auf die hohe Wahrscheinlichkeit hin, dass in naher Zukunft neue Bombenräumungen in der Stadt durchgeführt werden. „Es ist enorm, was wir in Göttingen noch aufarbeiten müssen. Aber wir werden diesen Weg weitergehen“, sagte Schmetz. In der Stadt werden seit Monaten rund 80 Verdachtspunkte kontrolliert. Die Ermittlungen würden noch Jahre andauern, sagte er.
Spoiler: „Alles funktioniert hundertprozentig“
Mehrere Hundert Einwohner verbrachten den Samstag im Evakuierungszentrum.
Am Samstag wurden fünf Verdachtsorte im Westteil von Göttingen entdeckt und von Munitionsexperten überprüft. Etwa 10.000 Einwohner wurden zuvor aus dem Gebiet evakuiert. Wie sich im Laufe des Tages herausstellte, handelt es sich in allen fünf Fällen um Patronen mit Dauerzündern aus dem Zweiten Weltkrieg. Die fünf zehn Jahre alten Bomben konnten nicht entschärft werden, sie wurden am späten Abend kontrolliert gezündet. Drei Schläge hallten über weite Teile der Stadt – nur drei, weil drei der fünf Bomben so nah beieinander waren, dass sie gleichzeitig gezündet werden mussten. Drohnenaufnahmen zeigen Wasserfontänen, die in den Abendhimmel schießen. Grund dafür waren Sicherheitsmaßnahmen: Um die Explosionen zu löschen, wurden die Objekte mit Zehntausenden Litern Wasser in Säcken bedeckt. Die angrenzende Halle war übrigens mit einer Wand aus Fremdcontainern geschützt. „Alles funktioniert zu 100 Prozent“, sagt Abbruchexperte Markus Rausch. Er spricht von außerordentlichem Einsatz.
Die Evakuierung verzögerte sich um mehrere Stunden
Der Evakuierungsbereich wurde gegen 23:15 Uhr wieder geräumt. Anschließend durften die betroffenen Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren. Sie sollten am frühen Samstagmorgen aufbrechen. Am Morgen verlief die Räumung des Sperrgebiets nicht ganz reibungslos. Eigentlich sollten alle die Evakuierungszone bis 6 Uhr morgens verlassen haben. Doch Stunden später wurden nach Angaben der Stadt mehrere Personen in dem Sperrgebiet gesichtet. Gegen 10 Uhr wurde der Bereich vollständig geräumt gemeldet. Doch damit nicht genug: Da später erneut Personen gemeldet wurden, mussten Kampfmittelbeseitiger morgens zweimal die Arbeit niederlegen und die Polizei kontrollierte das Sperrgebiet.
Auch der Bahnhof wurde geräumt
Der Göttinger Hauptbahnhof war am Samstag geschlossen.
Rettungsdienste gingen seit dem frühen Morgen von Tür zu Tür, um zu überprüfen, ob die Bewohner ihre Häuser verlassen hatten. Auch zwei Drohnen und ein Polizeihubschrauber kamen zum Einsatz. Die Station wurde gegen 7 Uhr geräumt und geschlossen. Die Deutsche Bahn hat Fernzüge großflächig umgeleitet. Viele Straßen waren gesperrt. Die Sperrzone hat einen Radius von 1000 Metern.
Rund 1.800 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW, Rettungsdiensten und anderen humanitären Organisationen waren am Wochenende für Evakuierungs- und Sicherungsarbeiten im Einsatz. Die Polizei in Göttingen wurde von Hunderten aus ganz Niedersachsen unterstützt.
Dieser Bereich wurde evakuiert
Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.07.2022 | 1:00 Uhr Nachmittags
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