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Der AfD-Chef sprach 20 Minuten – und sagte nichts

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Erstellt: 08.08.2022, 14:09

Von: Moritz Post

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Für das ZDF-Sommerinterview besuchte der Sender Alice Weidel im Sommerurlaub in Südtirol. © Jens Hartmann/ZDF/dpa

Im Sommerinterview mit dem ZDF sprach die AfD-Vorsitzende Alice Weidel über Verhandlungen mit Russland, Homophobie und ihre Meinung zum Bundesamt für Verfassungsschutz.

Auch in diesem Jahr hat Deutschland das Sommerloch gemeistert. Zumindest was die Polit-Talkshow betrifft. Und so hat der Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD) auch die Gelegenheit, Shakuntala Banerjee im ZDF-Sommerinterview im ZDF-Format „Berlin Direkt“ Rede und Antwort zu stehen. Wie vorauszusehen war, legt Alice Weidel die Messlatte sehr hoch dafür, wie wenig begründeter Inhalt ein zwanzigminütiger Interviewgast bieten kann.

Während das ZDF-Team den AfD-Bundesvorsitzenden im Urlaub in Südtirol besuchte, lenkte Moderatorin Banerjee das Gespräch zunächst auf Weidels Reise als Fraktionsvorsitzende nach Moskau, wo sie nicht mit Mitgliedern der russischen Opposition zusammentraf. Auf die Frage, warum Weidel sich nicht mit dem Regierungskritiker Alexej Nawalny getroffen habe, betonte Weidel, der Besuch sei kein politischer, sondern ein rein “wirtschaftlich-wirtschaftlicher Austausch”. Weidel hofft, dass „die Bundesregierung den Kommunikationskanal mit Russland offen hält“, weil so „einige Probleme nicht entstehen“.

Apropos Russland, Ukraine und die AfD: ZDF interviewt Weidel in Südtirol

Laut Shakuntala Banerjee sieht die AfD in ihrer Einschätzung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eine ganz andere Position. Weidel antwortet: „In unserer Partei und Fraktion ist unstrittig, dass es sich um einen absolut völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine handelt.“ Danach relativiert sie aber gleich, dass man die Situation nicht vergessen dürfe, in die der Konflikt historisch eingebettet ist: Seit Jahrzehnten sei bekannt, dass die Bemühungen um eine „Integration der Ukraine in Nato und EU“ für den Kreml eine rote Linie seien . Der Fehler, den der Westen dafür verantwortlich machen sollte, ist, dass die Ukraine in den letzten Jahrzehnten nicht als neutrales Land positioniert wurde. Der russische Angriff auf die Ukraine ist also die Schuld der Westmächte? Dabei bleibt Weidels konkrete Position erstmals rätselhaft.

Shakuntala Banerjee sprach mit der Bundessprecherin der AfD über Äußerungen von Parteimitgliedern, die auch im russischen Fernsehen die Nähe zur Politik Wladimir Putins suchen würden. Weidel entgegnet, dass er davon nichts wisse und dass sie der Linie von Partei und Fraktion widersprächen. Auf die Frage, wie eigentlich mit Mitgliedern umgegangen wird, die diese Position vertreten, beharrt Weidel immer wieder auf der unsinnigen Position, „das klären wir intern“, ohne näher darauf einzugehen, wie damit umzugehen sei.

ZDF-Sommerinterview mit Alice Weidel: Homophobie ist „relativ irrelevant“

Doch Banerjee gräbt an dieser Stelle weiter nach: Laut ZDF-Recherchen mehren sich im Verlauf des Ukraine-Konflikts Stimmen wie die des Thüringer Staatspräsidenten Bernd Höcke, die eine antiliberale Gesellschaft fordern. Konkret tut dies der ZDF-Moderator am Beispiel der russischen Anti-Schwulen-Gesetzgebung, die auch AfD-Anhänger anspricht. Weidel vermeidet diesen Punkt erneut und betont, dass es in allen Parteien anti-homosexuelle Äußerungen gebe. “Ich persönlich kann damit umgehen und es ist mir egal”, sagt Weidel. Extreme Positionen in beide (sic!) Richtungen sind jedoch weit entfernt von der Lebenswirklichkeit der meisten Homosexuellen.

Dabei bezieht Weidel, die offen homosexuell lebt, explizit ihren eigenen Alltag mit ein. Feindselige Handlungen gegen Homosexuelle sollten “etwas milder behandelt werden”. Leider bekommen die Zuschauer nicht zu hören, was die zweite Endposition sein soll, da Shakuntala Banerjee immer wieder Weidels gestreckte Antworten auffangen muss. Vielleicht bleibt dem Publikum eine weitere unverschämte Erklärung erspart. Aber keine Sorge: Alice Weidel schenkt den Zuschauern des ZDF-Sommerinterviews für den bezahlten Sendebeitrag noch einiges.

Weidel im Sommerinterview: Das Bundesamt für Verfassungsschutz „hat kein unabhängiges Gremium“

In der Folge wechselte das Thema zur Einstufung der Alternative für Deutschland durch das Bundesamt für Verfassungsschutz als mutmaßlicher Rechtsextremist. Laut Shakuntala Banerjee sagte der Leiter des Verfassungsschutzes, Thomas Haldenwang, gegenüber dem ZDF-Team von „Berlin direkt“, seine Behörde sehe nach dem letzten Bundesparteitag der AfD in Riza keine Abschwächung dieser Tendenzen. Vielmehr ist der neue Bundesvorstand mit Personen besetzt, die dem sogenannten offiziell aufgelösten „Flügel“ nahestehen, der angeblich rechtsextremen Plattform in der Partei, die die Partei laut Verfassungsschutz hält , droht noch weiter nach rechts zu rücken .

Jetzt ist Weidel in bester Verfassung: Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist kein unabhängiges Gremium, da sein Präsident Haldenwang Mitglied der CDU ist und direkt der Innenministerin Nancy Feiser unterstellt ist Mitglied der GSDP. . „Aus meiner Sicht wird hier eine Macht instrumentalisiert.“ Vielmehr handele es sich um einen internen Geheimdienst, der von den Partisanen genutzt werde, um „die Opposition zu beschmieren“. Weidel wird wütend und krönt das Ganze, indem er die Unabhängigkeit des Bundesverfassungsgerichts in Frage stellt: „Da sitzt ein ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter, der heute als Richter über Gesetze entscheiden muss, über die er früher als Stellvertreter entschieden hat.“ In keinem anderen westlichen Land gäbe es eine solche Mischform der Gewaltenteilung, ist sich der Bundesvorsitzende der AfD sicher.

TV-Kritik zu Weidels Sommerinterview: Die Kritik und Argumente sind unbegründet

Dass der Verfassungsschutz ein oft zu Unrecht kritisiertes Organ ist, ist eine Position, die in Deutschland legitim vertreten werden kann. Die „Kritik“ von Alice Weidel am BfV entbehrt jedoch jeglichen sachlichen Gehalts und dient nur dazu, davon abzulenken, dass sie und ihr Co-Vorsitzender Tino Tsupala keine Antwort und keine Handlungsbefugnis gegen offen rechtsextreme Positionen in sich haben Party. Moderator Banerjee entlarvte Weidels Gesprächstaktik, indem er seinen Gesprächspartner auf die Aussage von AfD-Bundesvorstand Christina Baum verwies, dass hierzulande ein “schleichender Völkermord an Deutschen” stattfinde. Die Folgen distanzieren oder gar benennen? keiner.

Und es geht weiter: Shakuntala Banerjee will am Ende des Interviews wissen, ob Alice Weidel der Behauptung ihres Parteikollegen Björn Höcke zustimmt, dass einer (also die Alternative für Deutschland) entscheide, wer rechtsextrem sei und wer nicht. Jetzt ruft Alice Weidel eine Paradeantwort mit völlig vage belegten Behauptungen aus ihrem Köcher: „Das entscheiden die Wähler. Jeder Einzelne ist in Deutschland souverän.”

ZDF-Sommerinterview mit AfD-Chef: Weidel will “mehr Unabhängigkeit” von den Medien

Und schließlich gibt es noch das i-Tüpfelchen auf dem „Coupe Deutschland“-Eisbecher, den Alice Weidel offenbar eigens für das ZDF-Sommerinterview zusammengestellt hat: „Dich immer in die richtige Ecke zu stecken, ist extrem langweilig und intellektuell extrem unzureichend fordernd. Ich wünsche mir auch mehr Medienunabhängigkeit.

In dieser zwanzigminütigen Reihe vager, unbegründeter und unzusammenhängender Aussagen fragt man sich, wer hier intellektuell unterfordert ist. Für das nächste Sommerinterview empfehlen wir auf jeden Fall: Den Kopf auch im Urlaub nicht zu lange in die pralle Sonne legen! (MoritzPost)