Archie liegt seit April im Koma. Er erlitt schwere Hirnverletzungen bei einem Unfall zu Hause in Southend-on-Sea, möglicherweise während er im Internet spielte. Die Ärzte haben keine Hoffnung mehr, dass sich sein Zustand deutlich verbessert – im Gegenteil.
Aus diesem Grund haben auch alle britischen Gerichte – bis hin zum Obersten Gerichtshof – die Fortsetzung der Lebenserhaltung abgelehnt. Die Richter des Obersten Gerichtshofs sagten am Dienstag, dass die Lebenserhaltung den Tod nur verlängern würde, da keine Aussicht auf eine echte Genesung bestehe.
“Irgendwann brauche ich eine ernsthafte Therapie”
Archies Eltern reichten daraufhin wenige Stunden vor der letzten geplanten Abschaltung der Geräte am Mittwoch eine Petition bei Straßburg ein. „Irgendwann werde ich eine ernsthafte Therapie brauchen“, sagte Holly Dance anschließend gegenüber Reportern vor dem Krankenhaus in East London. “Aber ich habe jetzt keine Zeit darüber nachzudenken.”
Barts NHS Health Trust, der das Krankenhaus betreibt, hat sich verpflichtet, die Geräte bis zu einer endgültigen Gerichtsentscheidung am Laufen zu halten. Inzwischen hat die Familie akzeptiert, dass Archie zu Hause keine Chance hat. Aber sie will sich auch nicht einfach mit dem Schicksal abfinden.
“Du musst es ihm lassen”
Es gibt Angebote aus Japan und Italien, wo sie bereit sind, Archie weiter zu behandeln. “Er sollte das dürfen”, sagte Danche, die glaubt, dass sich die Gesundheit ihres Sohnes verbessert. Zumindest soll Archie in einer ruhigen Hospizumgebung sterben können – statt in einem lauten, sterilen Krankenzimmer.
Nun wollten die Eltern dieses „Worst-Case-Szenario“ umsetzen. Doch entgegen früherer Versprechungen habe die Klinik dies abgelehnt, sagte Dance schockiert. Sie forderte Reformen, damit Eltern nicht mehr vor Gericht gehen müssen, wenn sie ihre Kinder nicht abgeben wollen.
Tatsächlich erinnert der tragische Fall an ähnliche Kontroversen um todkranke Kinder in Großbritannien. Was im besten Interesse des Patienten ist, wird oft von Richtern auf Anraten von Medizinern entschieden. Die unter finanziellem Druck stehenden Gesundheitsdienste in Großbritannien ziehen lebenserhaltende Geräte in der Regel viel früher ab als beispielsweise in Deutschland, wo es manchmal eher zu Konflikten kommt, wenn Patienten oder Angehörige die Geräte ausschalten wollen des eigenen Willens.
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