In den frühen Morgenstunden rasten golden, knallgrün und neonblau lackierte Autos zum Grenzübergang Klein Haugsdorf. Doch bevor Autofahrer die Grenze überqueren durften, mussten sie zunächst Polizeistationen passieren. 25 Polizisten standen auf beiden Seiten der Weinviertler Straße B303 und suchten gezielt nach sichtbar getunten Autos, um sie auf den angrenzenden Lkw-Parkplatz in der Schlange zu dirigieren.
Eine der Fahrerinnen war Iris Encelmüller aus Laa an der Taya (Bezirk Mistelbach). Die 26-Jährige hatte größere Räder an ihrem Auto und ein Gewindefahrwerk zur Tieferlegung einbauen lassen. „Ich hatte alles lizenziert, also habe ich keine Angst, kontrolliert zu werden. „Ich verstehe nicht, warum manche Leute mit illegal getunten Autos hierher kommen, vielleicht brauchen sie einen Kick“, sagte Encelmüller.
Übermäßige Lärmbelästigung
Gemeinsam mit Fahrzeugtechnikern der Landesregierung schaute die Polizei unter Motorhaube, Karosserie und Reifen. „Die meisten illegalen Manipulationen haben mit Lärm zu tun, daher haben wir hier große Überschreitungen des gesetzlich geregelten Geräuschpegels für Autos“, sagt Gottfried Maher, Betriebsleiter des Landesverkehrsamtes.
ORF-Techniker messen mit dem Maßband den Abstand vom Reifen zur Karosserie
Wenn Sie Ihr Auto parken, müssen Sie es im Fahrzeugschein eintragen. Geschieht dies nicht, wird die Polizei den Vorfall melden oder in schwerwiegenden Fällen das Kennzeichen sofort entfernen. Auch fünf Fahrer verloren bei einer Schwerpunktkontrolle in Kleinhaugsdorf ihr Kennzeichen und mussten am Morgen abgeschleppt werden.
Bei vielen Betroffenen gab es Unverständnis und Wut, doch die Polizei sagte, es gehe um die Verkehrssicherheit in Österreich. „Reifen sind oft so montiert, dass sie an der Karosserie reiben. Dann besteht die Gefahr, dass der Reifen platzt, was nicht nur für den Fahrer, sondern auch für andere an der Bewegung beteiligte Personen extrem gefährlich werden kann“, sagte Maher.
5.000 Autosüchtige an der Grenze
Die legal gefahrenen Fahrer erreichten nach der Kontrolle das Finale. Der Parkplatz von Excalibur City – dem Einkaufszentrum knapp über der tschechischen Grenze – ist zum Mekka für fast 5.000 Autofahrer geworden. Unter ihnen auch Philipp Schenk aus Yulbach in Oberösterreich. Der Mühlviertler fährt ein Auto, bei dem die gesamte Karosserie, das Fahrwerk und der Innenraum abgestimmt sind.
„Bei meiner Einreise nach Tschechien wurde ich nicht kontrolliert, aber ich hatte alles genau eingetragen und hätte keine Angst davor, es zu kontrollieren. Es wäre ärgerlich, nur weil man warten muss, und wir nichts Illegales getan haben“, sagte der Oberösterreicher.
ORF Manche Autofans investieren mehr als 50.000 Euro, um ihr Auto einzustellen
Dass die Tuningszene insgesamt einen schlechten Ruf hat, beunruhigt viele Besucher des Autotuning-Events. Organisator Alexander Gruber führte die verschärften Polizeikontrollen an der Grenze auf mehrere Täter in der Autotuning-Szene zurück.
„Menschen, die aus der richtigen Tuning-Szene kommen und das mit Leidenschaft machen, wissen eigentlich, wie man sich benimmt. Aber es gibt immer welche, die nicht wirklich so auffällige Autos haben und sich dann auf der Straße extrem schlecht benehmen. Dann ziehen sie alle anderen mit, obwohl diese Leute nichts Illegales tun und sich friedlich auf der Straße verhalten“, sagte der Organisator des Grenzkontrolltreffens.
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