Marie Gamilscheg, 1992 in Graz geboren und überwiegend in Berlin lebend, gewann 2018 den Österreichischen Buchpreis für ihr Debüt mit Alles was glänzt. In ihrem zweiten Roman The Sea Creatures Revolt steht die Meerwalnuss, lateinisch „Mnemiopsis leidyi“, im Mittelpunkt. Mit ihren vielen Merkmalen fasziniert die Jakobsmuschel Meeresbiologen wie die Hauptfigur Louise, aber mit ihrer endemischen Zucht ist sie Umweltschützern ein Schrecken.
Reinhard Kaiser-Mühlecker wurde 1982 in Kirchdorf an der Krems geboren und wuchs in Eberstalzel in Oberösterreich auf. Er bewirtschaftet den elterlichen Bauernhof und ist seit seinem Debütroman Der lange Weg über die Bahnhöfe (2008) nicht nur in der heimischen Literaturlandschaft eine feste Größe. 2016 wurde er mit „A Stranger’s Soul, Dark Forest“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. In „Wilderer“ erzählt er die Geschichte von Jakob, der sich schon früh um den elterlichen Hof kümmert, den sein Vater fast zerstört hätte.
Die österreichische Autorin Anna Kim, die 1977 in Südkorea geboren wurde und seit 1984 in Wien lebt, veröffentlichte 2004 ihren ersten Roman („Die Bilderspur“). 2017 skizzierte sie ihren Roman The Great Homecoming als breites Panorama der Moderne Koreanische Geschichte vor und nach der Spaltung. In ihrem neuen Roman A Child’s Story verwebt sie die Rassentrennung der 1950er-Jahre mit dem unterbewussten Rassismus von heute und schickt ihre Ich-Erzählerin Francisca zunächst in die amerikanische Kleinstadt Green Bay. Laut Kim ist die Grundlage der Geschichte ein wahres Ereignis.
Weitere Nominierte sind Esther Kinski („Rombo“), Dagmar Leipold („Gegen die Elefanten!“), Fatma Aydemir („Dschinns“), Teresa Enzensberger („Auf See“), Jan Factor („Idiot“) und Heinz Strunk ( “Sommer in Niendorf”). Im nächsten Schritt wird am 20. September die Liste der sechs Titel bekannt gegeben, die den Autoren mindestens 2.500 Euro wert sind. 2021 ging der Deutsche Buchpreis an Antje Ravik Strubel für Die blaue Frau.
„In der modernen deutschsprachigen Literatur donnern die großen Fragen unserer Zeit: nach Ursprung und Identität, nach Formen und Zukunft unseres Zusammenlebens. Sie können in der deutschen oder österreichischen Provinz stattfinden, genauso wie in Kabul oder Pjöngjang, in einer nahenden Dystopie oder im realhistorischen Ost-Berlin vor dem Mauerfall“, sagte Jurysprecherin Miriam See (Deutschlandfunk Kultur) in a Aussage. Ausgewählt werden epische Erzählungen, poetische Stunts der Sprachschöpfung und formale Experimente, die die klassischen und realistischen Formen des Romans brechen. Unsere Longlist-Auswahl folgt unterschiedlichen Kriterien, ebenso wie die Jury Perspektiven aus Literaturvermittlung und Literaturkritik zusammenbringt. Teil der siebenköpfigen Jury ist in diesem Jahr der unabhängige Kritiker Erich Klein aus Österreich.
In diesem Jahr reichten 124 Verlage insgesamt 202 Romane ein, der dritte Rekord in Folge. 83 Verleger kommen aus Deutschland, 22 aus der Schweiz, 19 aus Österreich und einer aus Luxemburg. Da die Jury auch selbstständig Bücher in die Auswahl aufnehmen kann, wurden seit dem Start der Ausschreibung 233 Titel begutachtet, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 erschienen sind oder erscheinen werden.
(DIENST E – )
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