Germany

Drosten befürchtet nach den Sommerferien sehr hohe Kronenzahlen

Aktualisiert am 23. Juni 2022 um 22:33 Uhr

  • Der Impfschutz schwindet langsam und die Option BA.5 gewinnt an Fahrt.
  • Die Pandemie werde erst Ende des Jahres enden, sagte Drosten.
  • Der Virologe befürchtet, dass es dann im Berufsleben “viele krankheitsbedingte Ausfälle” geben werde.

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Virologe Christian Drosten rechnet nach den Sommerferien in Deutschland mit sehr vielen neuen Corona-Fällen. „Ich hoffe, dass die Schulferien den Anstieg der Fallzahlen bremsen. Aber seit September befürchte ich, dass wir sehr viele Fälle haben werden“, sagte der Leiter der Abteilung Virologie der Berliner Charité dem Spiegel in einem am Donnerstagabend in einem Interview veröffentlichten Beitrag. Wenn nichts getan werde, gebe es im Arbeitsleben “viel Krankheit”.

„Tatsächlich sehen wir wieder einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen“, warnte Drosten. „Die BA.5-Option ist einfach sehr tragbar und die Menschen verlieren gleichzeitig ihren Schutz vor einer Übertragung durch die letzte Impfung.“ In anderen Ländern sieht man das mit sehr hohen Fallzahlen, der Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle wieder auferstanden. „Das wird leider auch bei uns so sein. Generell werden aber deutlich weniger Menschen schwer erkranken und sterben als 2021.“

Drosten: „Ansteckung ist auf Dauer leider unvermeidlich“

Er glaube nicht, dass bis Ende des Jahres der Eindruck hinterlassen werde, dass die Pandemie vorbei sei, sagte der Kronen-Experte. Im Januar äußerte Drosten die Hoffnung, dass Deutschland die Pandemie noch in diesem Jahr ausrufen könnte. Der Virologe empfahl, die Ansteckung möglichst zu vermeiden – auch wegen der Gefahr von Long Covid. „Langfristig ist die Infektion leider unvermeidlich. Und nach und nach bildet sich tatsächlich eine schleimhautspezifische Abwehr, die meiner Meinung nach die Immunität der gesamten Bevölkerung widerstandsfähiger macht.“

Andererseits entwickelt sich auch das Virus. „Ich denke, irgendwann wird ein neues Gleichgewicht gefunden: Die Immunität der Bevölkerung gegen Impfungen und Infektionen wird irgendwann so stark sein, dass das Virus an Bedeutung verliert. Dann werden wir endemisch sein.“ Das könne im schlimmsten Fall “noch ein paar Winter dauern”. Die Krankheit gilt als endemisch, wenn sie in einer Region mit relativ konstanten Fallzahlen auftritt. (dpa/fra)