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Ed Herzogs Komödie „Guglhupfgeschwader“ im Kino

Das Lotto gehört in Deutschland zu den Bereichen, in denen Analog und Digital nach dem aktuellen Stand der Technik nicht immer aufeinandertreffen. Die meisten Menschen bevorzugen ein von Hand ausgefülltes Formular, das sie nach dem „Einlesen“ in das System am zuständigen Kiosk mit eigenen Augen vergleichen möchten – manchmal geht das auch akustisch, wenn man im Nebenzimmer sitzt und bemerke, dass jemand diesen eigenen Geburtstag im Fernsehen feiert. Dann beginnt manchmal die Suche. Wo ist der Zettel jetzt?

In der Komödie „Guglhupfgeschwader“ des deutschen Regisseurs Ed Herzog gibt es bereits Leseprobleme. Lotto-Otto, der in dem Dorf, in das Franz Eberhofer zu seinem Dienstjubiläum als Polizist (zehn Jahre, acht Filme) fährt, das Lottogeschäft betreibt, hat eine eigene Lottoscheinstelle. Er muss also dringend hoffen, dass nie jemand etwas gewinnt, denn dann fällt seine Umleitung der „Idiotensteuer“ (wie Lotteriewetten manchmal genannt werden) auf.

Allerdings ist Otto in einigen Bereichen des anders organisierten Glücksspiels schon zu weit weg, um das Kioskgeld einzuholen. Ihm fehlt sogar ein halber Finger, ein sicheres Zeichen dafür, dass er in ein Kreditgeschäft verwickelt ist, von dem Shufa nichts wissen will.

Eines der sicheren Dinge an Eberhofers Filmen und den Rita-Falk-Romanen, auf denen sie basieren, ist, dass es im Dorf im Großen und Ganzen allen gut geht. Deshalb ist Lotto-Otto keine gottverdammte Figur in “Guglhupfgeschwader”. Im Gegenteil, er wurde auch von der Polizei eher wie ein Therapiefall behandelt.


Die Therapie besteht in erster Linie aus einer Reise ins benachbarte Tschechien, wo es diverse Möglichkeiten gibt, überschüssiges Vermögen auszugeben – oder einfach gesagt, wo man schneller ruiniert werden kann als im soliden Bayern. Als Figur sollte Franz Eberhofer selbst die wildesten Schwankungen der Phantasie mit einem Auftreten ausgleichen, für das das Wort Skepsis trotz seines altgriechischen Ursprungs zu modern ist.

„Guglhupfgeschwader“ ist wie seine Vorgänger eine große solide Truppe, selbst die mexikanischen Auseinandersetzungen (sprich: Tarantinos Konstellationen) oder die rauen Mafia-Beats erreichen immer wieder wie von selbst das Niveau der Biertafel. Und nach einem Lottogewinn kann man zwar immer noch einen glänzenden Lamborghini kaufen, geht aber am Ende in die Suppe, die alle gemeinsam am Tisch essen, wie einst Herren und Diener gemeinsam.


In Eberhofers Filmen dient Popkultur (insbesondere im „Guglhupfgeschwader“-Rap) als Fieberkurve der Normalität, die natürlich selbst im höchsten Maße remixt wird. Aber gilt das nicht auch für den Teig, den Oma früher für den Guglhupf gemacht hat? Eben. Kultur hört nie auf, manchmal zieht sie sich hin, bei “Guglhupfgeschwader” zieht sie sich gut hin.