Veröffentlicht am 29. Juni 2022, 21:11 Uhr
Deutschland und die Niederlande kämpfen mit enormen Strompreissteigerungen. In der Schweiz hat sich der Krieg in der Ukraine noch nicht stark auf die Strompreise ausgewirkt. Aber 2023 wird es wohl teurer.
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In den ersten drei Monaten stiegen die Strompreise in der Schweiz um zehn Prozent, in Deutschland um fast 70 Prozent und in den Niederlanden sogar um 200 Prozent.
20 Minuten / Karina Römer
Das zeigt eine Analyse des deutschen Forschungsinstituts ZEW für mehrere Länder.
Stiftung Familienunternehmen
Daher ist Strom in der Schweiz immer noch deutlich günstiger als in Deutschland oder den Niederlanden.
Stiftung Familienunternehmen
Der Krieg in der Ukraine führt zu einer enormen Unsicherheit bei der Energieversorgung, was zu einem starken Anstieg der Preise führt. Länder in Europa sind besonders betroffen, weil sie für Energieimporte aus Russland und für den Einflussbereich Russlands stärker vom Rest der Welt abhängig sind.
Aber die Schweiz ist viel weniger betroffen als Länder wie Deutschland oder die Niederlande. In den ersten drei Monaten des Jahres – dh. zu Kriegsbeginn – dort stiegen die Strompreise jährlich um fast 70 bis 200 Prozent. In der Schweiz waren es etwa zehn Prozent.
Schweiz, Frankreich und Ungarn ohne Preisexplosion
Damit gehört die Schweiz zusammen mit Frankreich und Ungarn zu den Ländern mit den geringsten Preissteigerungen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse des deutschen Forschungsinstituts ZEW für die Stiftung Familienunternehmen hervorgeht. Die Autoren führen dies vor allem auf Wechselkurseffekte zurück. Die Schweiz hat bereits relativ tiefe Strompreise (siehe Kasten).
Größere Länder hätten ein Problem mit Energiehunger. Wenn die Energiekrise eskaliert, werden sie Versorgungsprobleme bekommen. Daher sehen die Autoren der Studie das größte Importrisiko für Deutschland und Italien bei einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings verringern die beiden Länder ihre Energieabhängigkeit von Russland.
Bei Sanktionen oder Versorgungsunterbrechungen sehen sie kein Energierisiko für die Schweiz. Neben Russland bezieht die Schweiz auch Öl und Gas aus Ländern ohne Ausfallrisiko. Zudem hat die Schweiz einen der tiefsten Gas- und Ölanteile in der Stromerzeugung. Der Hauptteil ist Wasserkraft und Kernenergie.
Die Preiserhöhung kommt mit Verzögerung
Auch Immobilienökonom Fabian Waltert von der Credit Suisse bestätigte vor 20 Minuten: «Der Krieg in der Ukraine hat sich im Gegensatz zu Öl- und Gaspreis bisher nicht gross auf den Strompreis für Privathaushalte in der Schweiz ausgewirkt.»
Der Anstieg steht dem Experten zufolge noch bevor. „Die Großhandelspreise sind bereits gestiegen und wir sind nicht völlig unabhängig vom Weltmarkt. Haushalte werden sich daher mit regulatorischer Verzögerung auf höhere Strompreise einstellen müssen“, sagt Waltert.
2023 wird Strom voraussichtlich um 20 Prozent teurer
Auch Comparis-Finanzexperte Michael Kuhn rechnet mit steigenden Strompreisen. Je nach Standort sind 2023 Preissteigerungen von 20 Prozent und mehr möglich. «Bei einem durchschnittlichen Energieverbrauch von 5000 Kilowattstunden muss ein Haushalt plötzlich 1200 statt 1000 Franken bezahlen», sagt Kuhn.
Ob die Preiserhöhung mehr oder weniger als 20 Prozent ausmacht, hängt laut Kuhn davon ab, wie viel Strom der Energieversorger selbst produziert oder über langfristige Verträge verfügt. „Muss man Strom für viel Geld an den Spotmärkten kaufen, wird es teurer“, sagt Kuhn. Sollte die Energiekrise mit Russland wirklich eskalieren, könnten die Preise noch deutlich steigen.
Allerdings wird der Zuwachs beim Heizen bei Öl und Gas deutlich höher ausfallen als beim Strom, so der Mieterverband. Im schlimmsten Fall können die Kosten bis zu doppelt so hoch sein. Laut Verband kann es dann zu einer erheblichen Nachzahlung kommen.
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